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Wuppertal-Kolumne: Bau-Desaster am Döppersberg – jetzt hilft nur noch Klagen

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Bau-Desaster am Döppersberg – jetzt hilft nur noch Klagen

Von Jürgen Scheugenpflug

26.02.2021, 12:51 Uhr
Wuppertal-Kolumne: Bau-Desaster am Döppersberg – jetzt hilft nur noch Klagen. Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.  (Quelle: Uli Kopka)

Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Themen diesmal: die mangelhafte Mauer am Döppersberg und Radfahren in Wuppertal.

In diesen Tagen geht alles ganz schnell. Noch vor etwas mehr als einer Woche habe ich fast eine Stunde benötigt, um mein Auto eisfrei zu kratzen. Warum ich mir dabei keine Erfrierungen sechsten Grades zugezogen habe, bleibt ein Mysterium. Kaum eine Woche später saß ich im T-Shirt im Park und habe dankbare Enten gefüttert. So schnell kann es gehen.

Etwas langsamer, dafür aber mit Macht, kommt im Tal das leidige Thema Döppersberg wieder ins Gespräch. Genauer gesagt: die gruseligen Mauern. Nun kann man ja über Geschmack trefflich streiten, nicht aber über bauliche Qualität oder die Beschaffenheit der verwendeten Steine. Denn weder die Eigenschaft des Materials noch die Verbauung waren völlig überzeugend.

Das hat auch die Projektleiterin Martina Langer blitzschnell erkannt und so beschrieben: "Sowohl die Planer als auch die Baufirma lehnen die Verantwortung für die Fehler ab. Deswegen haben wir einen Rechtsanwalt eingeschaltet." Auch das Rechtsamt teilt diese Auffassung und empfiehlt eine Klage auf sogenannten Kostenvorschuss, womit ein vorweggenommener Kostenerstattungsanspruch gemeint ist.

Wer ist für die schwarzen Netze am Döppersberg verantwortlich?

Das klingt doch sehr erfreulich für den gemeinen Steuerzahler. Denn genau der muss am Ende die Zeche bezahlen. Derzeit (und wohl noch für geraume Zeit) verhindern schicke schwarze Netze, dass vorbeigehende Menschen von herabbröckelnden Steinen erschlagen werden. Ansehnlich ist zwar ganz anders, aber immerhin einigermaßen sicher. Wer aber ist eigentlich dann verantwortlich, wenn die Netze nicht ausreichen? Etwa der damalige stellvertretende Vorsitzende der Planungs-und Baubegleitkommission Döppersberg, Hans-Jörg Herhausen? Von Beruf Steinmetz und quasi mit Steinen auf Du und da hatte er versehentlich NICHT bemerkt, dass mit den Steinen was nicht stimmt.

Der Hauptbahnhof von Wuppertal: Die schwarzen Netzte an der Mauer sollen Steinschlag verhindern. (Quelle: imago images/Czepluch)Der Hauptbahnhof von Wuppertal: Die schwarzen Netzte an der Mauer sollen Steinschlag verhindern. (Quelle: Czepluch/imago images)

Oder waren es doch – wie meistens – die anderen? Zur Strafe sollte er in seiner Bude gratis einen Gedenkstein schnitzen und ihn eigenhändig am Bahnhofsvorplatz verlegen. Inschrift: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe diesen Stein." Das ist der wahre Rock 'n' Roll.

Gefährliches Radfahren in Wuppertal

Noch kurz zu einem anderen Thema. Dass die Grünen es sehr gerne sehen, wenn sich immer mehr Bürger des Fahrrades bedienen, ist gemeinhin bekannt. So beschäftigte sich in der vergangenen Woche der Rat der Stadt sogar mit dem Thema: "Radbügeln im Bereich des Waschsalons an der Gathe". Als ich das las, habe ich zunächst gestutzt. Waschsalon und Bügeln scheint begrifflich gut zusammenzupassen. Dann aber wurde klar, dass das ein kleiner Schreibfehler war, aber sehr wohl ein ernstes Thema.

Denn wo soll man, wenn die Schmutzwäsche vor sich hin orgelt, den Drahtesel hinstellen? Da bedarf es eines Bügels, ganz klar. Dass aber Fahrradfahren schlechthin ein erhebliches Risiko darstellt, wurde am vergangenen Samstag auf der Trasse klar. Da hatte ein stark alkoholisierter 53-jähriger Mann zwei entgegenkommende Radfahrer zu Fall gebracht. Während der Unfallverursacher dingfest gemacht werden konnte, waren die Opfer über alle Berge. Jetzt sucht die Polizei nach Zeugen und den Unfallopfern. Wem das jetzt kurios erscheint, der hat deutlich weniger getrunken, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedyserie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig. 

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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