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Der Fingerabdruck des Goldes

Der Fingerabdruck des Goldes

18.04.2012, 14:52 Uhr | dapd

Der Fingerabdruck des Goldes.

Über den goldenen Armreif ziehen sich dünne Rillen. Es sind die Abdrücke von Holz- oder Geweihlöchern, durch die vor mehreren tausend Jahren erhitztes Gold gezogen wurde. Auf diese Weise sei einst aus einem Goldklumpen ein gleichmäßiger Draht erzeugt worden, sagt Henning Haßmann vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover. Für den Archäologen stellt die technische Herstellung des Armreifs, der zu einem der größten Goldschatz-Funde aus der Bronzezeit in Norddeutschland gehört, eine echte Überraschung dar.

Vor etwa 3.400 Jahren, als der Reif gefertigt wurde, sei Gold in Europa eigentlich gehämmert worden, sagt Haßmann. Noch mehr verblüffe ihn aber, dass es sich wohl gar nicht um europäisches Gold handele. Vielmehr stammt es vermutlich aus dem zentralasiatischen Kasachstan, Afghanistan oder Tadschikistan, wie chemische Analysen ergaben.

Der Armreif aus der Bronzezeit, das heißt aus dem 14. Jahrhundert vor Christus, war zusammen mit insgesamt 117 Schmuckstücken im April 2011 in der Gemarkung Gessel der Stadt Syke im Landkreis Diepholz gefunden worden. Archäologen hatten seinerzeit das Areal, auf dem eine Erdgaspipeline verlegt werden sollte, systematisch abgesucht.

Dass das Gold aus Zentralasien stammen könnte, sei "eine Sensation", sagt Haßmann. Derart weite Handelswege in der Bronzezeit habe bislang niemand vermutet. "Wir kennen Handelsstraßen von Skandinavien nach Ägypten, wo damals Nofretete regierte", sagt Haßmann. Auch Verbindungen zwischen Irland und dem Balkan sowie Portugal und Polen seien bekannt. Nunmehr deute aber vieles auf ein noch größeres Handelsnetz in der Bronzezeit hin.

"Chemiker, Physiker oder Biologen helfen uns, naturwissenschaftliche Informationen über die Funde zu geben", sagt Haßmann mit Blick auf die seit 2011 bestehende Kooperation zwischen Archäologen und Naturwissenschaftlern der Universität Hannover. Unter anderem mithilfe einer Laserablation-Massenspektromie-Apparatur wollen die Forscher die Zusammensetzung des Goldes analysieren. Diese Technik werde für archäologische Untersuchungen weltweit nur in Hannover eingesetzt, sagt Haßmann.

Dabei wird ein Elektronen-Laser-Strahl auf ein Goldstück geschossen. Bei bis zu 10.000 Grad wird so eine winzige Goldprobe explosionsartig zum Verdampfen gebracht. "So entsteht ein Gas, dessen freigesetzte Teilchen in einem Massentrennsystem einzeln gezählt werden", sagt Chemiker Robert Lehmann. Innerhalb weniger Minuten könne so "der Fingerabdruck des Goldes" anhand der enthaltenen Spurenelemente ermittelt werden. "Wir haben zum Beispiel Platin, Iridium oder Quecksilber gefunden, wie sie für zentralasiatisches Erz typisch sind", sagt er.

Allerdings könnten mehrere Goldstücke die gleichen Spurenelemente aufweisen und trotzdem in verschiedenen Regionen der Welt entstanden sein, erklärt Lehmann. Daher seien zusätzlich die Isotope untersucht worden. Auch dabei habe sich bestätigt, dass das Gold vor Jahrmillionen in den Gebirgen Zentralasien entstanden sein müsse.

Mit einem Rasterelektronenmikroskop gelang es den Chemikern zudem, bei mehr als 10.000-facher Vergrößerung die Oberfläche einzelner Goldstücke sichtbar zu machen. Bei 18 kleinen Goldspiralen habe man "sehr alte Gebrauchsspuren" feststellen können, sagt Lehmann. Das sei ein Hinweis darauf, dass diese über mehrere Generationen hinweg getragen worden seien. Wahrscheinlich habe der Schmuck den Eliten der damaligen Zeit gehört, etwa einer Priesterkaste, sagt Haßmann.

Warum der Goldschatz in der Erde versteckt wurde, ist den Forschern noch ein Rätsel. Eine Grabbeigabe sei weitgehend auszuschließen, sagt Haßmann. Wahrscheinlich handele es sich eher um ein Versteck wegen des hohen Werts der Schmuckstücke. In einem Forschungsprojekt soll dies nun weiter diskutiert werden.

Auch die Handelswege ins heutige Norddeutschland sind weiter Gegenstand der Forschung. Dazu sollen in Museen entlang der vermuteten Handelsrouten bis Zentralasien befindliche Gold-Exponate auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht werden, um Vergleiche zum Fund von Gessel anstellen zu können.

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