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Justiz prüft Anklage gegen vermeintliches Vergewaltigungsopfer

Justiz prüft Anklage gegen vermeintliches Vergewaltigungsopfer

03.07.2012, 19:50 Uhr | dapd

Justiz prüft Anklage gegen vermeintliches Vergewaltigungsopfer.

In wenigen Tagen will die Staatsanwaltschaft Darmstadt verkünden, ob sie Anklage gegen eine Lehrerin erheben wird, die im Sommer 2001 einen Kollegen fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigte. Der Mann wurde dennoch verurteilt und saß fünf Jahre lang im Gefängnis - zu Unrecht, wie 2011 das Landgericht Kassel und im Februar der Bundesgerichtshof befanden. Die neue Nachricht aus Darmstadt wird ihn jedoch nicht mehr erreichen: Er starb wenige Monate nach seinem endgültigen Freispruch am vergangenen Freitag - am selben Tag schloss die zuständige Staatsanwältin das Verfahren ab, das in eine Anklage gegen die Lehrerin wegen Falschaussage und Freiheitsberaubung münden wird oder in eine Einstellung.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Sebastian Zwiebel, nennt es im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd "einen fast ironischen Zufall", dass seine Kollegin den Beschluss ausgerechnet am Todestag des 53-Jährigen unterschrieb. Vor mehr als vier Jahren hatte der Anwalt des Lehrers, Hartmut Lierow aus Berlin, Anzeige gegen die Lehrerin erstattet.

Dass darüber noch nicht entschieden sei, erklärt Zwiebel mit der Wiederaufnahme des Vergewaltigungsprozesses: "Es wäre unsinnig gewesen, die Entscheidung nicht abzuwarten. Diese Position hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt auch bestätigt." Das Freispruch des Lehrers sei im Februar rechtskräftig geworden, seitdem habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren vorangetrieben. Es habe auch einige Zeit gedauert, bis sich der Lehrer als Zeuge habe äußern wollen.

Der Anwalt des 53-Jährigen schimpft, ihm sei "nicht verständlich, dass die Anklage nicht längst erhoben wurde". Lierow vermutet: "Die Justiz reinigt sich einfach nicht gern selbst. Eine Anklage würde aber dazu gehören."

Das Landgericht Darmstadt verurteilte den Sportlehrer 2002 zu fünf Jahren Haft, die er komplett verbüßte. Dabei gab es große Zweifel, ob der Mann im August 2001 seine Kollegin in einer Gesamtschule in Reichelsheim im Odenwald tatsächlich vergewaltigt hatte. Die Deutsch-Lehrerin hatte sich in Widersprüche über ihren Fluchtweg vom angeblichen Tatort verwickelt. Bei ersten Arztbesuchen nach der angeblichen Tat waren keine Verletzungsspuren entdeckt worden.

Bei der Wiederaufnahme des Falls fast zehn Jahre nach der Verurteilung kam das Landgericht Kassel zu dem Schluss, an dem fraglichen Tag im August 2001 habe sich "nichts abgespielt, was auch nur ansatzweise mit einer Vergewaltigung zu tun haben könnte". Das von dem vermeintlichen Opfer angegebene Tatmotiv sei "lächerlich". Anwalt Lierow nennt den Fall "deshalb besonders krass, weil es sehr leicht nachweisbar gewesen wäre, dass eine Falschaussage vorlag und dass die Tat nie stattgefunden haben kann".

Nach Verbüßen seiner Haftstrafe fand der Lehrer keinen Weg zurück in seinen Beruf. Er bezog Leistungen nach Hartz IV, von der ihm zugesprochenen Haftentschädigung erhielt er noch nichts, wie sein Anwalt berichtet. "Auch das Kultusministerium hat ihn nicht rehabilitiert und ihn einfach auf die Warteliste für Bewerber um Lehrerstellen gesetzt, als wäre er nicht zu Unrecht aus seinem Beruf geflogen", klagt Lierow.

Zuletzt lebte der 53-Jährige im saarländischen Völklingen, wo niemand seine Geschichte kannte. Dort wollte er warten, bis er wieder als Lehrer in Hessen tätig werden konnte. "Er stand unter starker seelischer Spannung, das hat sich sicher schlecht auf seine Gesundheit ausgewirkt", sagt sein Anwalt. Am Freitag brach er wegen Herzversagens auf der Straße zusammen und starb.

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