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Westerwelle wirkt als Innenpolitiker noch immer am überzeugendsten

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Westerwelle wirkt als Innenpolitiker noch immer am überzeugendsten

16.09.2012, 14:48 Uhr | dapd

Westerwelle wirkt als Innenpolitiker noch immer am überzeugendsten.

Der Mann, der in den vergangenen Monaten um die ganze Welt gerast ist, hat Zeit mitgebracht ins beschauliche Saalfeld. Unter dem Stehbeifall der FDP-Mitglieder bahnt sich Westerwelle einen Weg durch den Saal aufs Podium. Dort angekommen, trinkt er einen Kaffee.

Er sagt, er wolle erst einmal ankommen, in der kleinen Stadt im Südosten Thüringens, in der sich die Landes-FDP mit einem Parteitag auf die Bundestagswahl einstimmt. Erstmals seit dem Verlust des FDP-Bundesvorsitzes im Mai 2011 wendet sich Westerwelle auf dieser Veranstaltung wieder an die Basis der Liberalen außerhalb seines eigenen Landesverbandes.

Westerwelle hat so viel Zeit, dass er sogar das Ende eines Wahlgangs geduldig abwartet, ehe er mit seiner Rede beginnt. Während er wartet, lächelt er und plaudert mit den Mitgliedern des Landesvorstandes. Keine Frage, er genießt die Aufmerksamkeit. Da ist er ganz der alte Westerwelle.

Und doch hat sein Amt als Außenminister diesen Mann reifen lassen. Als Westerwelle ans Mikrofon tritt, da beginnt er seine Rede nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln anders als bei vergleichbaren früheren Gelegenheiten staatstragend. Er spricht über die Gewaltausbrüche in der islamischen Welt als Reaktion auf das islamfeindliche Video "Innocence of Muslims". Seine Gesichtszüge sind ernst, seine Haltung ist aufrecht, fast steif. Westerwelle wiederholt seine Forderung an die Regierungen der betroffenen Staaten, deutsche Botschaften effektiv vor gewaltbereiten Demonstranten zu schützen. Sollte ihnen das nicht gelingen, sagt er, werde er "ganz sicher über weitreichende Konsequenzen entscheiden".

Ähnliches ist bei seinen Ausführungen zu Europa zu beobachten. Immer wieder bringt Westerwelle in seine Botschaft - "Wir müssen in Europa zusammenhalten, wenn wir in der Welt nicht an den Rand der Welt geschoben werden wollen" - eine weltmännische Perspektive ein. Er erzählt von seinem Besuch auf dem Tahir-Platz in Kairo, wo der Umbruch in Ägypten seinen Ausgang nahm. Er spricht davon, wie klein Europa im Vergleich zu den aufstrebenden Wirtschaftsnationen dieser Erde sei. Er redet von "Hochgeschwindigkeitsglobalisierung".

Am besten kann Westerwelle noch immer wettern

Freilich kann Westerwelle aber immer noch auch anders; dass er die Aufmerksamkeit noch immer genießt, war nur eine Vorausdeutung darauf, wie sehr er der alte geblieben ist. So sehr es in Saalfeld einen neuen Westerwelle zu beobachten gibt, so sehr blitzt immer wieder der alte FDP-Chef durch, der am überzeugendsten ist, wenn er gegen etwas wettert.

Als er auf das Thema Rente zu sprechen kommt, ist Westerwelle wieder ganz der schimpfende Innenpolitiker. "Ich bin dagegen, dass wir uns auf den Weg zur Einheitsrente machen", ruft er den Delegierten zu und geißelt so mit nur einem Satz all die Pläne der vergangenen Tage, die Altersbezüge von Geringverdienern aufzustocken. Rente sei keine sozialpolitische Maßnahme. "Rente ist die Gegenleistung für ein lebenslanges Arbeiten", mahnt Westerwelle.

Dann sagt er den Satz, der sein Markenzeichen als FDP-Chef war: "Leistung muss sich lohnen. Und wer arbeitet, muss mehr haben, als der, der nicht arbeitet."

Bezeichnenderweise sind es solche Passagen, bei denen Westerwelle witzig, charmant, locker wirkt. Wenn er die liberale Parteiseele schmeicheln will, spricht er von sich in der dritten Person, erzählt von einem frühen Flug, der wegen seiner Abflugzeit gegen die Menschenrechte verstoße, gibt einen Passagier, den er in der Maschine getroffen hat. Seine steife Körperhaltung hat Westerwelle dann längst abgelegt.

Die FDP-Basis dankt ihm diese Szenen dann auch mehr als seine staatstragenden Ausführungen. Westerwelle bekommt am Ende wieder Beifall im Stehen. Als er den Saal verlässt - nicht ohne sich noch einmal mehrere Minuten auf dem Podium verbracht zu haben - drückt ihm ein älterer Mann entschlossen die Hand: "Danke. Das war großartig." Eine gewisse Sehnsucht nach dem Ex-Partei-Chef ist in Saalfeld mit den Händen greifbar - auch wenn Westerwelle in einem Zeitungsinterview vom gleichen Tage erklärt hatte, nicht wieder nach Parteiämtern streben zu wollen.

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