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Die neuen Prediger des Islam

Die neuen Prediger des Islam

02.11.2012, 15:53 Uhr | dapd

Die neuen Prediger des Islam.

Egal, wie das Seminar heißt, der erste Satz seiner Mitschrift ist immer derselbe: "Im Namen von Allah, dem Barmherzigen, dem Allerbarmer", beginnt Chrishan Abdalla jede neue Seite. Diesen ersten Satz schreibt der 32-Jährige in der Sprache des Islams: Arabisch. Danach fährt er auf Deutsch fort. Arabisch muss er noch lernen. Ähnlich wie die meisten der 37 Studenten, die an der Uni Osnabrück den neuen Studiengang islamische Theologie belegen.

Seit dieser Woche studieren sie am neuen Osnabrücker Islam-Institut Disziplinen wie Koranexegese, islamische Philosophie, Mystik, islamische Geschichte oder islamisches Recht. Der Unterschied zur islamischen Theologie, wie sie traditionell in arabischen Ländern gelehrt wird, ist die deutsche Interpretation der Religion.

Neues Institut als "Meilenstein"

Der Institutsdirektor Bülent Ucar erklärt: "Es geht uns um eine Theologie der Mitte und um eine Balance zwischen Tradition und Moderne." Der Koran müsse vor dem Hintergrund der Lebenswirklichkeit der Menschen reflektiert werden. So könnten einseitige und extremistische Auslegungen der Heiligen Schrift unterbunden werden.

Der 35 Jahre alte Korangelehrte hat mit dem Aufbau des Islam-Instituts etwas geschaffen, wovon er als Student selbst noch geträumt hat. "Als ich heute Morgen in das erste Einführungsseminar zu den Studenten ging, da war ich nervös", sagt er, nimmt die Brille ab und reibt sich die Augen. "Da dachte ich mir: Das sind künftige Religionslehrer und Theologen. Die dürfen jetzt etwas studieren, was ich mir selbst so sehr gewünscht hätte."

Der in Oberhausen geborene Deutsch-Türke konnte 1999 lediglich Islamwissenschaften in Bonn studieren. Er sagt: "Dass es in einem vornehmlich christlich geprägten Land möglich ist, islamische Theologie zu lehren, ist ein Meilenstein."

Über das Gebet fand Katholik Abdalla vor zwei Jahren zum Islam

Nach Ucars erstem Seminar zur Einführung in die Geschichte des Islams ist es 12.00 Uhr. Bevor Student Abdalla zum nächsten Einführungsseminar geht, steht das Mittagsgebet an. Schräg gegenüber vom Seminarraum geht der gebürtige Nürnberger mit Wurzeln in Sri Lanka und Tansania zur rituellen Waschung in den Waschraum. Er streicht sich mit der feuchten Hand über den Kopf, wäscht die Hände bis zu den Ellenbogen und die Füße bis zu den Knöcheln.

Um 12.15 Uhr geht Abdalla, der einen langen schwarzen Bart, ein braunes Gewand und einen weißen Turban trägt, mit seinen Kommilitonen in den Gebetsraum nebenan. An der Wand kniet er sich in einer Gebetsnische nieder, die einer Moschee nachempfunden wurde. Sie ist gen Mekka ausgerichtet. Es ist eines von fünf täglichen Gebeten.

Über das Gebet fand Abdalla vor zwei Jahren zum Islam. Er war selbstständiger Versicherungsmakler und wollte einem Freund Versicherungen verkaufen. "Weil er aber immer beten gehen musste, habe ich ihn begleitet. In der Moschee fand ich diese Ruhe, die mir imponiert hat", erinnert er sich. Innerhalb einer Woche konvertierte der getaufte Christ zum Islam. Als seine katholische Mutter hörte, dass ihr Sohn nun auch noch islamische Theologie studiere, war sie entsetzt. Der Vater sagte als nicht praktizierender Muslim bloß, er solle nicht zu extrem werden.

Abdalla selbst glaubt, dass sein Weg zum Islam vorbestimmt gewesen war. "Es war Schicksal", sagt er mit fester Stimme. Später will er den Islam lehren. In welcher Funktion ist noch ungewiss: "Es ist egal, ob als Prediger in der Moschee, als Lehrer in der Schule oder als Wissenschaftler an der Uni, Gott wird mich schicken."

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