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Vitali Klitscho ist über die Situation in der Ukraine besorgt

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Vitali Klitschko ist bereit seine Vision zu verteidigen

25.08.2011, 12:28 Uhr | t-online.de

Vitali Klitscho ist über die Situation in der Ukraine besorgt. Vitali Klitscho spricht bei einer Pressekonferenz über die schlimme politische Situation in seinem Heimatland Ukraine.  (Quelle: imago)

Vitali Klitscho spricht bei einer Pressekonferenz über die schlimme politische Situation in seinem Heimatland Ukraine. (Quelle: imago)

Aus Going am Wilden Kaiser berichtet Jens Bistritschan

Der Schweiß fließt in Strömen. Jeden Tag "quält" Fritz Sdunek seinen Schützling Vitali Klitschko im Trainingslager. Die Vorbereitung für den WM-Kampf des WBC-Weltmeisters gegen den Polen Tomasz Adamek am 10. September in Breslau laufen auf Hochtouren. Doch für Klitschko fühlen sich die Tage in der Nobelherberge "Stanglwirt" nach eigener Aussage "trotz der Belastung wie ein Aufenthalt in einem Sanatorium" an. Hier wird er zwar von Sdunek an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit herangeführt. Doch in den Tiroler Bergen hat er auch Gelegenheit, sich von seinen politischen Aktivitäten in seiner ukrainischen Heimat zu "erholen".

"Das ist schon ein riesiger Stress, den ich in der Ukraine habe", erklärte der ältere Klitschko-Bruder bei der Pressekonferenz anlässlich der Medientage vor seinem Kampf gegen Adamek. Es war sicher nicht nur dem 20. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung seiner Heimat geschuldet, dass die Fragen der Journalisten nach der Situation den Großteil der Zeit einnahmen. Denn die poltische Lage dort hat Auswirkungen auch auf die Vorbereitung für den Kampf gegen Adamek. Und damit sind nicht die zahlreichen Telefonate gemeint, die Klitschko abends mit seinen Mitstreitern in der Ukraine führt. Zweimal unterbrach er das Trainingslager wegen der Verhaftung von Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko und flog zu politischen Konsultationen nach Kiew. Der mitgereiste Sdunek ließ deshalb sogar eine Trainingseinheit ausfallen, weil er sah, "wie platt" Vitali nach diesen Gesprächen war.

Keine Angst vor willkürlichen Verhaftungen

Im Gespräch mit den Journalisten prangerte Klitschko die willkürlichen Verhaftungen von Oppositionspolitikern an. Er selbst hofft, dass ihn dieses Schicksal nicht treffen wird. Doch der für die Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen (UDAR) im Kiewer Stadtparlament sitzende Boxer sagt auch: "Ich habe keine Angst im Knast zu landen." Für ihn ist klar: "Das Leben ist ein Kampf. Man muss seine Ideen und Visionen verteidigen, und ich bin bereit dafür."

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer

Die Vision Klitschkos ist es, dass in der Ukraine Standards herrschen, wie er sie aus Deutschland oder den USA kennt – wirtschaftlich wie politisch. Und dies soll natürlich auf demokratischem Weg passieren. Doch davon ist die ehemalige Sowjetrepublik auch nach 20 Jahren weit entfernt. "Der Abstand zwischen den Saureichen und den Sauarmen wird jeden Tag größer", klagte er. Schuld daran seien die Geldgier und die Korruption der Politiker, aber auch der Beamten. "Politik ist für viele Leute nur Mittel um Geld zu verdienen. Sie übernehmen aber keine Verantwortung für das Land", stellte Klitschko fest. Diese würden von einflussreichen Oligarchen gesteuert und die hätten nur ein Ziel: "Ihr Vermögen zu verbessern."

"Eine Revolution ist nicht ausgeschlossen"

Die Leute, so will Klitschko festgestellt haben, seien dieses Systems überdrüssig. „Die Spannung in der Ukraine ist richtig groß.“ In einem offenen Brief der UDAR zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit heißt es deshalb fast schon folgerichtig: „Sollte es den Politikern jetzt nicht gelingen, echte Fortschritte in der Entwicklung der Demokratie zu erreichen, so wird das Volk diese Schritte für die Politiker unternehmen. Die ukrainischen Bürger werden dann letztlich alle Politiker austauschen, sowohl die Regierung als auch die Opposition.“ Auf Nachfrage, ob auch eine Erhebung des Volkes möglich sei, antwortete Klitschko: „Die Temperatur steigt. Eine Revolution ist nicht ausgeschlossen.“

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