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Nach dem Melbourne-Rennen - Schon im Krisenmodus: Vettel verordnet Ferrari Überstunden

Nach dem Melbourne-Rennen  

Schon im Krisenmodus: Vettel verordnet Ferrari Überstunden

18.03.2019, 11:28 Uhr | dpa

Nach dem Melbourne-Rennen - Schon im Krisenmodus: Vettel verordnet Ferrari Überstunden. Sebastian Vettel fuhr in Melbourne in einem Oldtimer - vor dem Rennen, bei der Fahrerparade.

Sebastian Vettel fuhr in Melbourne in einem Oldtimer - vor dem Rennen, bei der Fahrerparade. Foto: Andy Brownbill/AP. (Quelle: dpa)

Melbourne (dpa) - Auf dem langen Heimflug nach Europa wehrte sich Sebastian Vettel gegen die düsteren Gedanken. Nach dem völlig verpatzten Start in die neue Formel-1-Saison ordnete der entsetzte Titeljäger für die kommenden Tage Überstunden bei Ferrari an.

"Da ist ein großes Potenzial im Auto, das wir entfesseln müssen", forderte Vettel. Im fünften Ferrari-Jahr, das eigentlich zur Krönungsmesse für den Hessen werden soll, hatte der 31-Jährige als abgeschlagener Vierter zum ersten Mal im roten Auto das Podium in Australien verpasst. "Radikal und grausam für die Scuderia: am Samstag im Qualifying geschlagen und im Rennen am Sonntag gedemütigt", schrieb Frankreichs Sportblatt "L'Équipe".

Der neue Teamchef Mattia Binotto ist schon nach dem ersten Grand Prix seiner Amtszeit als Krisenmanager gefragt. "Wir müssen zuhause jetzt die Daten analysieren. Wenn wir das Problem finden, dann können wir noch viel stärker zurückkommen", sagte der 49-Jährige. Wirklich beunruhigt wirkte der freundliche Herr Binotto, stets keck mit Lockenpracht und Gelehrtenbrille, bei seinen Ausführungen noch nicht.

Auch Vettel wollte vom Glauben an seine WM-Chance nicht abrücken. Im Vorjahr sei das Team in Australien ebenso unzufrieden mit dem Auto gewesen und habe die Probleme in den zwei Wochen bis zum nächsten Rennen in Bahrain behoben, sagte der Heppenheimer. Damals hatte er allerdings trotz der Sorgen im Albert Park gewonnen.

Bestärkt durfte sich Vettel durch die Analyse von Mercedes-Teamchef Toto Wolff fühlen. Der Österreicher wollte die Dominanz der Silberpfeile mit dem überragenden Sieger Valtteri Bottas vorerst nur als Momentaufnahme verstanden wissen. "Es ist schwer, bei diesen neuen Autos die punktgenaue Abstimmung zu finden. Sie haben eine falsche Abzweigung genommen, aber haben sicher kein grundsätzliches Problem", urteilte Wolff.

Wie unverhofft sich die Geschicke auf der Rennstrecke ändern können, beobachtete der 47-Jährige staunend auch im eigenen Team. Selten zuvor war der fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton von einem Stallgefährten so distanziert worden wie diesmal von Bottas. "Das ist ein bisschen wie ein Märchen. Lass dich nicht von anderen zerbrechen, glaube an dich selbst", sagte Wolff über den Finnen.

Im Vorjahr sieglos, in der zweiten Saisonhälfte durch seine Degradierung zum Hamilton-Helfer antriebslos - und nun der Mann der Stunde. "Es hat sich im Winter etwas verändert, wie ich das Leben generell und das Rennfahren sehe", erklärte Bottas. Bei Rallye-Ausflügen fand er seinen Fahrspaß wieder. Mit ein paar Drinks spülte er den Frust weg. Und dank des erhöhten Gewichtslimits musste Bottas vor Saisonbeginn auch nicht mehr hungern.

"Jedes Jahr lernt man als Mensch dazu, was hilft bei der Vorbereitung, wie man sich erholt, wie man trainiert, wie man reist. Ich habe versucht, alles für dieses Jahr zu optimieren, was möglich ist", sagte der 29-Jährige, der sich im Winter einen verwegenen Bart stehen ließ. So mancher fühlte sich schon an das Jahr 2016 erinnert, als Nico Rosberg alle Kräfte bündelte und mit einer enormen Energieleistung das Mercedes-Titelduell gegen Hamilton gewann.

"Er hat immer das Tempo gehabt", sagte Vettel über Bottas, den vor dem Auftakt nur die wenigsten als ernsthaften WM-Anwärter sahen. Eher wurde spekuliert, wer den Finnen wohl demnächst im silbernen Cockpit ablösen würde. "Er ist ein echt netter Kerl, ich freue mich für ihn", versicherte Vettel.

Hamilton nahm die Schlappe äußerlich noch gelassen, zumal sein Silberpfeil wegen eines beschädigten Unterbodens lahmte. "Ich arbeite weiter hart an mir und komme beim nächsten Rennen gestärkt zurück", beteuerte der 34 Jahre alte Brite, ehe er in die Nacht von Melbourne verschwand. Doch wer genau hinhörte, durfte sicher sein: Auch der Champion geriet auf der Rückreise ins Grübeln.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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