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Hans Meyer im Interview: "Ballack und Raul nur Beiwerk"

"Ballack und Raul sind für mich nur Beiwerk"

10.08.2010, 10:10 Uhr | Das Interview führte Marc L. Merten, t-online.de

Hans Meyer im Interview: "Ballack und Raul nur Beiwerk". Hans Meyer: "Wir Deutsche können sehr, sehr stolz sein!" (Foto: imago)

Hans Meyer: "Wir Deutsche können sehr, sehr stolz sein!" (Foto: imago)

Hans Meyer will von einer Rückkehr als Trainer nichts wissen. Doch die Bundesliga kennt er noch immer wie seine Westentasche. Im Exklusiv-Interview mit t-online.de blickt der 67-Jährige auf die neue Saison und spricht Klartext: "Ballack und Raul sind für mich nur schönes Beiwerk!"

Der ehemalige Trainer der Bundesligisten aus Mönchengladbach und Nürnberg sagt, was er von der neuen Saison erwartet und worauf die Fans stolz sein können. Und er prophezeit, dass es nach Hertha BSC erneut einen namhaften Klub in den Abstiegssumpf ziehen könnte.

Herr Meyer, freuen Sie sich schon auf die neue Bundesliga-Saison?
Sehen Sie, jemand wie ich, der so lange im Geschäft war, hat diesen besonderen Rhythmus der Bundesliga einfach in sich. Wenn die Liga nicht läuft, fehlt einem etwas.

Freuen Sie sich auch auf die neuen Stars wie Michael Ballack und Raul?
Diese Namen sind für mich nur schönes Beiwerk.

Wieso das?
Die Bundesliga hat doch noch viel mehr zu bieten. Schon letzte Saison haben wir mit unseren Klubmannschaften im europäischen Vergleich sehr gut ausgesehen und mit dem FC Bayern eine Überfliegermannschaft gehabt, die durch die Art und Weise, wie sie gespielt hat, Werbung für sich und den deutschen Fußball betrieben hat. Wir haben eine WM erlebt, auf die wir Deutsche sehr, sehr stolz sein können, auf das, was in unserer Bundesliga herangewachsen ist. Deswegen hoffe ich sehr, dass all diese positiven Aspekte ein Impuls für die neue Saison sein werden. Da passt es doch hervorragend, wenn sich absolute Weltklassespieler am Ende ihrer überragenden Karrieren die deutsche Bundesliga aussuchen.

Sie haben die WM angesprochen. Louis van Gaal hat das Turnier in Südafrika kritisiert, es hätte nichts Neues hervorgebracht, das den Fußball beeinflussen würde.
Er hat sicher auch nichts Neues erwartet. Seine Kritik in Bezug auf die Spielweise vieler Mannschaften muss man aber teilen. Um so erfreulicher, dass sich die deutsche Mannschaft, hervorragend vorbereitet durch die Klubs und das Team von Jogi Löw, wohltuend von den meisten anderen Nationen abgehoben hat.

Ist der FC Bayern auch diese Saison wieder der große Meisterschaftsfavorit?
Die Bayern haben den besten Kader. Sie haben einen erfahrenen und konsequenten Fußballlehrer, der auch in diesem Jahr eventuelle Probleme wie die sehr kurze Vorbereitung oder eventuelle Motivationsprobleme bei jungen Spielern nach einem solchen Erfolgsjahr souverän lösen kann und wird.

Wer kann die Bayern stürzen?
Da sind erfreulich viele "Tatverdächtige" zu nennen. Schon im vorigem Jahr ist im Erfolg der Bayern etwas untergegangen, nämlich welch hervorragende Arbeit in Leverkusen, Dortmund, Stuttgart, auf Schalke und in Bremen geleistet wurde. Und nimmt man den entthronten Meister Wolfsburg und die Hamburger noch dazu, können wir uns auf einen niveauvollen, interessanten Kampf um die Meisterschaft einstellen.

Können die Bayern auch international wieder so erfolgreich sein?
Die Bayern haben im letzten Jahr über den Erwartungen gespielt. Mit so blutjungen Spielern wie Badstuber und Müller, das war schon mehr als ungewöhnlich. Eine Wiederholung dieser Leistungen wäre da schon eine großartige Sache mit sensationellem Anstrich. Diese Mannschaft wird sich weiterentwickeln, ohne dass man in diesem Jahr Stammtischprognosen abgeben muss.

Mit der Hertha hat es letzte Saison eine Überraschung im Abstiegskampf gegeben. Wen erwarten Sie diese Saison unten drin?
Es werden wohl auch hier wieder die üblichen Verdächtigen sein, die muss ich Ihnen auch gar nicht nennen. Aber am Ende der Saison werden wir wieder feststellen, dass ein Name dazu gekommen ist, den wir alle nicht auf dem Zettel hatten. Denn oben wie unten gibt es jedes Jahr ein, zwei Mannschaften, die da überraschend hinein stoßen. Aber grundsätzlich wird sich wenig ändern: Wenn man sich die letzten fünf, sechs Mannschaften der Ersten Liga und die zwei bis vier besten Teams der Zweiten Liga anschaut, ähnelt sich die Qualität.

Wie beurteilen Sie ihren Ex-Verein Nürnberg?
Als Wahl-Nürnberger beobachte ich den Club natürlich besonders intensiv. Die Art und Weise, wie Dieter Hecking eine naiv, weil in der Breite zu jung und unerfahren zusammengestellte Mannschaft im Frühjahr hat spielen lassen und damit die Klasse gehalten hat, war beeindruckend. Im Mittelfeld und Abwehrbereich hat der Club im Rahmen seiner Möglichkeiten Erfahrung dazubekommen. Es wird interessant, ob und wie die jungen Offensivkräfte das Vertrauen rechtfertigen. Die Mannschaft geht aber, glaube ich, individuell nicht wesentlich verbessert in die neue Saison.

Nun werden zur neuen Saison wohl auch wieder einige Trainer Probleme bekommen. Werden wir Sie noch mal in der Bundesliga sehen?
Ach, wissen Sie, darauf will ich gar nicht antworten. Ich werde erst einmal mein Weltreise-Programm verwirklichen, werde mir gute Europapokal-Spiele live anschauen, werde auch mal in den Stadien der Bundesliga vorbeischauen - aber nie dort, wo ein Trainer wackelt. Für Nürnberg bin ich ohnehin Besitzer einer Dauerkarte. Und alles Weitere ist privat – und sind wir ehrlich, das interessiert doch niemanden.

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