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FC Schalke 04: Magaths System funktioniert nun

Bundesliga - FC Schalke 04  

Magaths Kunstwerk nimmt Gestalt an

25.11.2010, 07:00 Uhr | Aus Gelsenkirchen berichtet Mark Weidenfeller, t-online.de

FC Schalke 04: Magaths System funktioniert nun. Raul (li.) und Huntelaar sorgten zusammen mit Farfan für die Schalker Offensiv-Highlights. (Foto: dapd)

Raul (li.) und Huntelaar sorgten zusammen mit Farfan für die Schalker Offensiv-Highlights. (Foto: dapd) (Quelle: dapd)

"Kämpfen und siegen“, sangen die Schalke-Fans zu Beginn der zweiten Halbzeit im Gruppenspiel der Champions League gegen Olympique Lyon. Wie man das eben so macht im Pott, wo Fußball schon immer mehr Arbeit war als Kunst. Die Leistung der Mannschaft war - vor allem in der ersten Halbzeit - spielerisch herausragend.

So, wie es ihr Trainer Felix Magath sehen will. Schalke führte zur Pause hochverdient mit 2:0. Das System Magath funktionierte endlich. "Das war die stärkste Halbzeit bisher in dieser Saison. Endlich harmonisieren die Spieler", sagte ein sichtlich erleichterter Schalke-Coach nach dem Spiel. (Video: Farfan und Huntelaar im Doppelpack - Die Höhepunkte der Partie)

Schützenhilfe aus Tel Aviv

Schalke 04 kämpfte und siegte nicht nur an diesem bitterkalten Abend in der Veltins-Arena. Nein, das Team bot den 51.132 Zuschauen teilweise richtig ansehnlichen Fußball. Schönen Fußball mit Erfolg. Der ungefährdete 3:0-Sieg über Lyon bedeutete dank der Niederlage von Benfica Lissabon bei Hapoel Tel Aviv die vorzeitige Qualifikation fürs Achtelfinale. "Wir haben nicht mit einem Erfolg von Tel Aviv gerechnet. Deshalb freuen wir uns jetzt natürlich umso mehr", sagte Jermaine Jones, der mit einer starken Leistung im Mittelfeld einen erheblichen Anteil am Schalker Heimsieg hatte.

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Schalke attackiert sofort

Der Grundstein für den Heimsieg legten die Schalker in der Anfangsphase der Partie. Der Schiedsrichter hatte kaum angepfiffen, da ging es schon los wie die Feuerwehr. In den ersten zehn Minuten erspielten sich die Knappen sechs Torchancen. Das Potenzial der Mannschaft wurde vor allem in der 10. Minute deutlich. Benedikt Höwedes ergrätschte in höchster Not den Ball, und leitete mit einem langen Pass auf Jefferson Farfan direkt den Konter ein. Farfan ließ kurz auf Raul prallen, der den kleinen Peruaner sofort wieder mit der Hacke in die Gasse schickte. Eine Traumkombination, die ein Tor verdient gehabt hätte und die alle Schalker Stärken auf einmal demonstrierte: Zweikampfstärke, Wille, Kampfbereitschaft und spielerische Klasse. Die berühmten deutschen Tugenden, die im Revier so geliebt werden, gepaart mit technisch erstklassigem Tempofußball.

Neuer: "Haben uns weiterentwickelt"

Das Tor in der 13. Minute durch Farfan ging eine ähnliche Kombination voraus: Höwedes eroberte den Ball an der Mittellinie, Raul setzte sich gegen zwei Gegenspieler durch, Farfan schob ein. Das 2:0 von Klaas Jan Huntelaar, dem eine schöne Vorarbeit von Peer Kluge vorausgegangen war, nahm den enttäuschenden Franzosen fast komplett den Wind aus den Segeln. Schalke spielte einfach zu dominant. "Das guckt man sich gerne an von hinten", sagte der über weite Strecken der Partie beschäftigungslose Manuel Neuer. "Wir haben uns zusammen weiterentwickelt, das hat man heute gesehen." Das 3:0 in der 89. Minute - erneut durch Huntelaar - war das Sahnehäubchen auf einen Schalker Abend, an dem es nicht viel auszusetzen gab.

Die Abwehr steht wieder

Das Team von Schalke 04 hat endlich ein Gesicht. Zu Beginn der Saison tummelte sich fast täglich ein neuer Spieler auf dem Trainingsgelände. Insgesamt 13 Neuzugänge begrüßte Magath im Sommer. Immerhin fünf davon standen gegen Lyon in der Startelf. Magath hat sein Gerüst gefunden. Die Vierer-Abwehrkette mit Atsuto Uchida, Benedikt Höwedes, dem viel gescholtenen Christoph Metzelder und Lukas Schmitz hat sich stabilisiert. Die letzten drei Heimspiele endeten zu Null, seit fünf Pflichtspielen ist man unbesiegt. "Gerade de Defensive steht, das war jahrelang unser großes Plus. Man erkennt jetzt Parallelen zur Abwehr in der letzten Saison", bestätige Neuer. Und er muss es wissen.

Die Offensive glänzt

Hinten wird geackert, vorne wird geglänzt. Die Offensive ist das Herzstück des Schalker Spiels. Raul zeigt, warum er der erfolgreichste Torschütze im Europapokal aller Zeiten ist. Er ist an nahezu jeder gefährlichen Aktion beteiligt, leitet viele Angriffe selbst ein. Huntelaar macht das, was er am besten kann: Tore schießen. In steter Regelmäßigkeit. Und dann wäre da noch Jefferson Farfan. Lange als schlampiges Genie verschrien, ist er seit vielen Spielen der überragende Mann. Immer unterwegs, fordert ständig den Ball und geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Eine besondere Szene zeigte er in der 18. Minute, als Jones den Ball im Vorwärtsgang verlor und Schalke drohte, in einen Konter zu laufen. Plötzlich sah man Farfan, der früher oft wie ein schwerfälliger Stier über den Platz getrottet war, mit einem explosiven Antritt über den kompletten Platz rennen. Der rechte Flügelstürmer rettete mit einer astreinen Grätsche an der linken Eckfahne. Szenen-Applaus vom begeisterten Schalker Publikum. Erfreutes Grinsen bei Magath.

Nun wartet der Liga-Alltag

Schalke 04 funktioniert. Die gute Leistung muss das Team jetzt mit in die Bundesliga nehmen. Und das wissen die Spieler. Der 15. Tabellenplatz ist immer im Hinterkopf. Trotz des tollen Abends, redeten viele der Spieler gleich nach Abpfiff über das bevorstehende Spiel in Kaiserslautern. "Wir müssen den Aufwärtstrend gegen Lautern fortsetzen", sagte etwa Neuer. "Es gilt den Schwung mitzunehmen", pflichtete Höwedes bei. Und auch Jones ist sich dem Ernst der Lage bewusst: "Wir haben jetzt international bewiesen, was wir können. Aber auf dem Betze wird es brennen. Dort gilt es wieder."

"Schalke ist wieder da"

Die Schalker haben begriffen, um was es geht. Und sie haben angedeutet, was für ein Potenzial in ihnen steckt. "Das war fast wie Dortmund heute“, sagte ein Fan nach Spielschluss. Ein bisschen Galgenhumor schwingt also noch mit bei den Königsblauen. Die Fans in der Kurve hatten nach Spielschluss dann zum Glück auch einen zur Situation passenden Fan-Gesang gefunden: "Der S04 ist wieder da", hallte es durch das weite Rund. Und damit haben sie wohl Recht.

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