Sie sind hier: Home > Sport > Bundesliga >

Christian Heidel: "Das neue Stadion ist überlebenswichtig"

Bundesliga - FSV Mainz 05  

Heidel: "Das neue Stadion ist überlebenswichtig"

24.06.2014, 12:37 Uhr | t-online.de, t-online.de

Christian Heidel: "Das neue Stadion ist überlebenswichtig". Christian Heidel ist seit 20 Jahren beim FSV Mainz 05. (Foto: imago)

Christian Heidel ist seit 20 Jahren beim FSV Mainz 05. (Foto: imago)

Das Interview führten Johann Schicklinski und Julian Moering

Seit 1992 ist Christian Heidel Manager beim FSV Mainz 05. So lange ist kein Kollege in der Bundesliga in dieser Position. Der 47-Jährige trägt großen Anteil an der Entwicklung des Karneval-Klubs.

Im Gespräch mit t-online.de spricht Heidel über die tolle Saison der Rheinhessen, die gestiegene Erwartungshaltung, das neue Stadion und den Mainzer Trainer Thomas Tuchel.

t-online.de:  Herr Heidel, zur neuen Saison ist das neue Stadion fertig und der FSV Mainz 05 hat gute Chancen, sich für die Europa League zu qualifizieren. Was hätten Sie demjenigen gesagt, der Ihnen dass vor zwei Jahren prophzeit hätte?

Christian Heidel: Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir nach dem 27. Spieltag auf Rang fünf stehen, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Unser Ziel vor zwei Jahren war es, in die Bundesliga aufzusteigen, darauf haben wir hingearbeitet. Das haben wir unter Jörn Andersen geschafft. Dass wir dann einmal Neunter werden und nun so weit oben stehen war natürlich nicht zu erwarten. Das ist für Mainz herausragend!

Muss die Zielsetzung nun Platz fünf heißen?

Nein, egal ob wir Vierter, Fünfter oder Zehnter werden, es ist auf alle Fälle jetzt schon eine tolle Saison. Im nächsten Jahr heißt das Ziel dann wieder Klassenerhalt.

Die Bundesliga war in den letzten Jahren, von einigen Ausreißern abgesehen, in mehrere Klassen unterteilt. Mit welchen Klubs ist der FSV aktuell auf Augenhöhe und zu welchen Teams kann Ihre Elf durch das neue Stadion vordringen?

In dieser Spielzeit leben wir natürlich auch davon, dass einige der großen Klubs wie Wolfsburg, Stuttgart, Bremen oder Schalke schwächeln. Wir stehen aktuell aber völlig verdient da oben, die Tabelle nach dem 27.Spieltag lügt nicht. Doch einen Trend kann man daraus für die nächsten Jahre  nicht ableiten, dafür sind die wirtschaftlichen Unterschiede einfach zu groß. Wir konkurrieren teilweise mit Teams, die bis zu vier Mal so viel Geld haben wie wir. So eine Saison wie die aktuelle kann vorkommen, wenn bei uns wirklich fast alles passt. Wir sind und bleiben aber ein kleiner Fisch in der Bundesliga und müssen deshalb immer versuchen, besser zu arbeiten als andere.

Lesen Sie auch: Interview mit Christian Fuchs: "Robben musst du bei der Ballannahme stören"

Mainz bezeichnet sich selbst als Ausbildungsverein. Gilt das auch noch für die Zeit mit dem neuen Stadion?

Wir haben, auch durch das neue Stadion, in der nächsten Saison einen Rekord-Etat von 54 Millionen Euro. Damit stehen wir in etwa im Bereich von Teams wie Nürnberg und können uns etwas absetzen von Klubs wie Freiburg, St. Pauli oder Kaiserslautern. Mannschaften wie Mönchengladbach, Hannover oder Frankfurt sind aber immer noch weit weg. Wir bleiben ein Ausbildungsverein und das ist ja auch unser Ziel. Das ist unser Konzept und unsere Philosophie, da stehen wir dahinter. Wir sind im Jugendbereich mittlerweile in einer sehr guten Position und unser Ziel bleibt ganz klar, junge Spieler an die Profis heranzuführen.

Wie wichtig ist das neue Stadion?

Überlebenswichtig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wir haben bereits knapp 24.000 Dauerkarten verkauft, die meisten  Logen sind weg, die Vorfreude ist also jetzt schon riesig. Darüber hinaus wollen wir auch abseits des Fußballs mit dem Stadion Geld verdienen, die ganze Woche über. Sei es mit Hochzeiten, Messen, Kongressen oder anderen Events. Wir werden da richtig Leben hineinbekommen.

Mainz wird voraussichtlich die Lokalrivalen 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt in der Tabelle distanzieren können. Freut Sie das?

Nein, das interessiert mich eher weniger, ist aber für unsere Fans nicht unwichtig. Immerhin stehen wir wahrscheinlich zum zweiten Mal in Folge vor der Eintracht und, ich glaube, seit acht Jahren vor dem FCK. Man darf nicht vergessen, dass Kaiserslautern und Frankfurt vor 20 Jahren um die Deutsche Meisterschaft gespielt haben, während wir damals darum kämpften, irgendwie in der 2. Liga zu bleiben.

Sind die 05er mittlerweile die Nummer eins im Südwesten?

Wir haben den FCK in der sportlichen Entwicklung überholt und sind auch wirtschaftlich besser aufgestellt. Die Eintracht ist da wirtschaftlich schon eine andere Hausnummer, die nur derzeit sportliche Probleme haben .

Wo sind denn Mainz in der steilen Entwicklung der letzten Jahre Grenzen gesetzt?

Unser Plan war immer, den Verein in kleinen Schritten zu entwickeln. Damit sind wir in der Vergangenheit gut gefahren. Wir hatten den Traum, uns in der Top 24 in Deutschland zu etablieren. Das  haben wir geschafft. Durch das neue Stadion haben wir die Möglichkeit, in die Top 18 zu stoßen. Das wollen wir ebenfalls schaffen. Wenn wir uns kontinuierlich weiterentwickeln, sind wir auf einem guten Weg. Grenzen gibt es, aber es ist schwer zu sagen, wo die liegen. Das hängt auch immer von der Zielsetzung ab. Klar ist aber, dass man die Sprünge nicht zu hoch ansetzen darf, denn die kurzfristige Sturzhöhe steigt automatisch.

Ist die Kontinuität, auch bei den Verantwortlichen im Klub, das große Plus von Mainz 05?

Das ist ein klarer Vorteil. Man vertraut sich, kann besser planen, ist untereinander berechenbar, was vieles leichter macht.

Hapert es bei diesem Punkt bei anderen Klubs?

Viele Klubs richten sich viel zu sehr nach ihrem jeweiligen Trainer aus. Und wenn der weg ist stehen sie schlecht da. Wir haben hier ein Konzept mit einer klaren Vereins- und Spielphilosophie, das nicht von einzelnen Personen abhängen darf. Die Köpfe müssen austauschbar sein, die Philosphie muss bleiben.

Mit dem sportlichen Erfolg steigt auch die Erwartungshaltung seitens der Fans. Kann die Mannschaft dem Druck standhalten?

Welcher Druck? Für Mainz ist es immer noch herausragend, in der Bundesliga zu spielen. Jedes Spiel ist ein Highlight, das muss auch jedem Fan klar sein. Wir gehören noch nicht zum Bundesliga-Inventar, das ist nun mal Fakt.

In der Hinrunde, als auf den sensationellen Start mit sieben Siegen in den ersten sieben Spielen eine kleine Durststrecke folgte, gab es am Bruchweg Pfiffe. Wie sehr hat Sie das damals getroffen?

Ach, die Pfiffe. Das wurde dramatisiert. Das waren vielleicht 30 oder 40 Zuschauer, die Medien sind damals auch nur darauf angesprungen, weil Christian Wetklo nach dem Schlusspfiff der Kragen geplatzt ist. Dabei war der nur sauer, weil nach ein paar mißglückten Abschlägen ein Raunen von den Tribünen kam..

Wie wollen Sie Ihren Anhängern vermitteln, dass in Zukunft auch einmal wieder kleinere Brötchen gebacken werden müssen?

Indem wir alle, Verantwortliche, Spieler und Trainerteam, das den Fans kommunizieren. Wir müssen ihnen Mainz 05 immer erklären. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir auf Rang fünf stehen. Wir befinden uns auch weiterhin  in einer Entwicklung und genießen es, in der Bundesliga zu spielen. Wenn wir hier mal fünf oder sechs Jahre am Stück gespielt haben, haben wir den nächsten Entwicklungsschritt erreicht. Dann können wir uns über neue Ziele unterhalten. Bis dahin ist das einzige Ziel die Etablierung. Bitte nie vergessen wo Mainz 05 vor 20 Jahren stand.

Die Mannschaft hat eine sportliche überaus erfolgreiche Saison absolviert, im Sommer geht Andre Schürrle für eine zweistellige Millionenablöse nach Leverkusen. Was ist für Mainz auf dem Transfermarkt möglich?

Das Geld für Schürrle fließt vollständig in den Etat für kommende Saison ein. Wir werden jetzt keine Quantensprünge auf dem Transfermarkt machen, sondern vernünftig wirtschaften. Wenn dann aber eine Vakanz herrschen sollte, dann sind wir in der glücklichen Lage, immer noch mal reagieren zu können.

Sie waren auch dieses Jahr sehr früh dran, konnten unter anderem bei den Transfers von Nicolai Müller (SpVgg Greuther Fürth) und Zdenech Pospech (FC Kopenhagen) bereits Vollzug melden, Muss man als Manager der 05er aufgrund beschränkter Kapazitäten besonders handlungsschnell sein?

Auch Deniz Yilmaz und Yunus Malli spielen nächstes Jahr in Mainz. Das ist hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass wir Planungssicherheit haben. Die hatten wir in den letzten Jahren nicht immer. Wir spielen nächste Saison sicher in der Bundesliga. Deshalb wird sich in den nächsten Wochen sicher noch das eine oder andere tun.

Mit welchen Argumenten überzeugen Sie potenzielle Neuzugänge, dass Mainz der richtige nächste Karriereschritt für sie ist?

Das ist nicht mehr so schwer wie früher zum Glück. Mainz 05 genießt inzwischen einen guten Ruf bei den Spielern, die wissen, wie dieser Verein und seine Verantwortlichen ticken. Gerade bei jungen Spielern sind unsere Chancen enorm gestiegen, was wir zum großen Teil unserem Trainer Thomas Tuchel zu verdanken haben.

Was ist mit den ausgeliehenen Spielern wie Christian Fuchs oder Marcel Risse? Werden sie in der nächsten Saison für 05 auflaufen?

Wir haben Optionen für diese Spieler, diese werden wir – Stand heute – wohl auch ziehen. Wir lassen uns allerdings noch ein bisschen Zeit damit, schließlich können wir bis Mitte Mai entscheiden.

Was passiert nach dieser Saison mit dem ebenfalls ausgeliehen Lewis Holtby?

Lewis macht es hier Spaß, er ist mit Begeisterung dabei, selbst wenn er einmal auf der Bank sitzt. Er würde sicher gerne auch in der nächsten Saison bei uns spielen. Die Entscheidung liegt aber alleine bei Schalke. Nach den Ereignissen der letzten Tage gehe ich davon aus, daß Lewis wohl nach Schalke zurück muss.

Sie stiegen 1991 bei Mainz 05 ein, zunächst als Manager der 2. Mannschaft. Ihre Arbeit und der Erfolg des Vereins sprechen für sich. Gab und gibt es Angebote von anderen Klubs?

Zu diesem Thema hat von mir noch niemand etwas gehört und so wird es auch bleiben. Ich bin Mainzer und hier sehr glücklich und zufrieden. Der Verein ist in einer tollen Entwicklung und ich bin Teil dieser Entwicklung. Was irgendwann mal kommt oder passiert werden wir dann sehen, wenn es soweit ist.

Wie müsste ein Angebot lauten, zum dem Sie nicht "Nein“ sagen könnten?

Keine Ahnung, da habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich muss jeden Morgen wach werden und mich freuen ins Büro zu dürfen. Das ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

Die halbe Liga ist auf Trainersuche, junge Fußbal-Lehrer wie Thomas Tuchel sind heiß begehrt. Haben Sie einen "Plan B“, falls Tuchel den Klub verlassen sollte?

Ich glaube, jeder weiß wie ich dazu stehe. Ich habe nullkommanull Bedenken, dass Thomas hier weggehen würde. Ihm macht es hier Spaß, seine Arbeit hier ist noch nicht zu Ende, Mainz 05 ist einfach sein Verein. Das passt. Von daher habe ich da keine Sorgen und auch keinen nutzlosen Alternativplan.

Wie bewerten Sie aus der Distanz die Erfolge Ihres Ex-Trainers Jürgen Klopp in Dortmund?

Das ist natürlich absolut überragend, war mir aber klar. Vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit, aber ich habe schon vor zwei Jahren sein Konzept gesehen. Bei Amtsantritt 2008 hat er eine Mannschaft übernommen, dann Spieler ausgetauscht und heute hat er genau die Elf, die er für sein Spiel braucht. Viele haben bei Transfers des BVB gefragt: "Was will Kloppo mit diesen Spielern?“, aber er weiß genau, welche Spieler er braucht, für sein System und seinen Fußball. Da passt jetzt einfach alles.

Wird er irgendwann einmal Bundestrainer?

Oh Gott, Kloppo in  Anzug und Krawatte bei zehn Spielen im Jahr. Bitte noch nicht, er steht doch unter Dauerstrom und braucht die tägliche Arbeit mit seinen Jungs. Er macht Spieler einfach besser und dafür muss er sie trainieren und nicht mit Ihnen telefonieren. Bei der WM in Katar kann er dann Bundestrainer machen, dann passt das vielleicht.. (lacht)

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal