Sie sind hier: Home > Sport > Bundesliga >

TSG 1899 Hoffenheim: Kai Herdlings spätes Bundesliga-Glück


"Früher war ich nicht reif genug"  

Kai Herdlings spätes Bundesliga-Glück

05.01.2014, 16:57 Uhr | t-online.de

TSG 1899 Hoffenheim: Kai Herdlings spätes Bundesliga-Glück. Kai Herdling ist bei der TSG 1899 Hoffenheim Newcomer und Routinier zugleich. (Quelle: imago images/Avanti)

Kai Herdling ist bei der TSG 1899 Hoffenheim Newcomer und Routinier zugleich. (Quelle: Avanti/imago images)

Von Kieran Brown

Bayern-Superstar Arjen Robben hätte es nicht besser machen können. Der Treffer zum 4:2 für 1899 Hoffenheim in der Partie gegen Werder Bremen war im wahrsten Sinne des Wortes ein Spiegelbild der Spezialität des holländischen Nationalspielers. Kai Herdling bekam den Ball an der linken Außenlinie, zog in die Mitte, führte den Ball noch ein paar Meter parallel zur Grundlinie, um das Leder dann unhaltbar im Winkel des Bremer Gehäuses einzuschweißen.

Spätestens am 14. Spieltag der Hinrunde 2013/2014 machte sich der 29-Jährige dank seines Traumtores auch über die Grenzen des Kraichgaus hinaus einen Namen im deutschen Oberhaus. Dass er ein wichtiger Teil des Hoffenheimer Abenteuerfußballs (4,35 Tore pro Spiel) dieser Saison werden würde, hätte er wohl selbst am wenigsten erwartet.

Bereits 2002 wechselte der Offensivmann zum damaligen Regionalligisten und blieb dem Klub von Mäzen Dietmar Hopp, abgesehen von zwei kurzzeitigen Intermezzos (Waldhof Mannheim, Philadelphia Union), bis heute treu.

Sternstunde im DFB-Pokal

"Seitdem hat sich viel verändert, vor allem natürlich die Infrastruktur. Alles ist viel größer geworden", sagt Herdling.

Er spielte schon für den Klub, als die Heimspielstätte das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim war. 6500 Zuschauer erlebten die Spiele damals im besten Fall. So auch im DFB-Pokal-Achtelfinale der Saison 2002/2003 gegen Bayer Leverkusen mit Stars wie Lucio oder Bernd Schneider. Hoffenheim zog dank eines 3:2-Sensationsssieges in die nächste Runde ein. Das goldene Tor gelang Kai Herdling wenige Minuten vor Schluss. Heute spricht er von einem "atemberaubenden Abend und einem geilen Event", bei dem er zum Mann des Tages avanchierte.

"Früher war ich nicht reif genug"

Danach stagnierte die Karriere, während der Verein sich mit Riesenschritten zu einem Bundesliga-Klub entwickelte, der heute in Sinsheim in einer Arena vor rund 30.000 Fans spielt. Bis zur Herbstmeisterschaft im Jahr 2008 erlebte er alles hautnah mit, kam aber zumeist nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Bis zum Sommer 2013 standen drei Zweitliga- sowie ein Bundesliga-Einsatz in der Vita des Torjägers.

Seinen unverhofften Sprung in den Bundesliga-Kader der Kraichgauer kann er sich aber durchaus erklären. Dabei spart er nicht mit Selbstkritik: "Früher war ich ehrlicherweise nicht reif genug und habe nicht alles dafür getan, um Profi zu sein." Die mentale Stabilität habe gefehlt.

In der Regionalliga-Mannschaft der TSG war er Kapitän und Leistungsträger, begann aber gleichzeitig sich Gedanken um die Zeit nach der Karriere zu machen. An den Traum von der Bundesliga glaubte er nicht mehr. "Mit Ende zwanzig muss man natürlich reflektieren und sich die Frage stellen, wie es nach der Zeit als Fußballer weitergeht", sagt das Klub-Urgestein. So gehörte er zeitweise dem Trainerstab der U15 an und nahm ein Fernstudium auf.

Fünf Pflichtspiel-Treffer in der Hinrunde

Mittlerweile bleibt für derlei Aktivitäten keine Zeit. Trainer Markus Gisdol, der Herdling schon in der zweiten Mannschaft betreute, beförderte ihn im vergangenen Sommer in den Profi-Kader. Und der Mann, den vor der Saison wohl kaum ein Experte auf dem Zettel hatte, rechtfertigt das Vertrauen. Je zwei Tore und Assists in der Liga und drei Tore bei drei Einsätzen im DFB-Pokal sprechen eine deutliche Sprache.

Über die eigenen Perspektiven sprechen möchte der Spätberufene indes nicht. "Ich möchte nicht groß in die Zukunft planen und genieße meine Aufgabe hier im Moment einfach nur."

Viel mehr interessiert ihn die positive Entwicklung der letzten Monate im Verein und dessen Umfeld. "Wir haben hier ganz klein angefangen und sind nach der Herbstmeisterschaft mit Ralf Rangnick ein Stück weit von unserem Weg abgekommen." Inzwischen werde wieder verstärkt die Überzeugung vertreten, auf junge Talente zu setzen. Diese Rückkehr zur "alten Philosophie" sei es auch, die von den Fans und der Region genau wahrgenommen würden. "Man spürt schon eine gewisse Aufbruchsstimmung."

"Befinden uns in einem Reifeprozess"

Auch wenn die Hinrunde der Hoffenheimer im Gegensatz zum steilen persönlichen Aufstieg Herdlings eher einer Achterbahnfahrt ähnelte, sieht er die Entwicklung positiv. "Unsere Viererkette im letzten Spiel gegen Braunschweig war im Durchschnitt 21 Jahre alt. Dass wir Fehler machen, ist völlig normal."

"Wir brauchen Geduld und befinden uns in einem Reifeprozess", sagt er. Nach einem besseren Berater als dem Routinier selbst, der solange auf den Durchbruch warten musste und sich auf dem Weg dorthin immer wieder selbst hinterfragt hat, dürfte man lange suchen.

Die Kollegen, mit denen er in dieser Saison erstmals in der Bundesliga für Furore gesorgt hat, sind bis zu elf Jahren jünger als Herdling. Lässt man die aussortierten Profis um Time Wiese außen vor, ist er der älteste Spieler im Kader und doch gleichzeitig ein ganz neues Gesicht im Profi-Fußball.

Ein Superstar wie Robben wird er nicht mehr werden, weitere einzigartige Momente im Trikot von 1899 Hoffenheim sind dennoch nicht auszuschließen. "Zurück zu den Wurzeln", sagt er, soll es in Hoffenheim gehen. Der gereifte Herdling kennt sie wie kaum ein Anderer bei der TSG.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Jetzt bei der Telekom: Surfen mit bis zu 100 MBit/s
zur Telekom
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe