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FC Bayern München: "Abteilung Attacke" hat Methode und Tradition

Zwanziger abgewatscht  

"Abteilung Attacke" hat Methode beim FC Bayern

25.01.2015, 10:47 Uhr | t-online.de

FC Bayern München: "Abteilung Attacke" hat Methode und Tradition. Karl-Heinz Rummenigge und die Bayern-Familie lassen Attacken von außen nicht zu. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Karl-Heinz Rummenigge und die Bayern-Familie lassen Attacken von außen nicht zu. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Von Maximilian Miguletz

"Ach, Theo, geht's Dir gut?" Dr. Theo Zwanziger ist nun also die aktuelle Zielscheibe der "Abteilung Attacke". Nach seiner herben Kritik am umstrittenen Testspiel des FC Bayern in Saudi-Arabien bekam der frühere DFB-Präsident die volle verbale Härte des deutschen Rekordmeisters zu spüren. Nicht zum ersten Mal wehrt sich der Münchner Klub energisch gegen äußere Widerstände. Diese Art der öffentlichen Scharmützel hat an der Säbener Straße nicht nur Tradition, sondern auch Methode.

Nachdem das FIFA-Exekutivmitglied in der "FAZ" erklärte, dass beim FCB "Kommerz die Ethik" schlage und der Klub sich im Zweifel "auf die Seite des Geldbeutels" stelle, schienen die Bayern-Verantwortlichen zunächst offen für die Kritik an ihrer Stippvisite auf der arabischen Halbinsel.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab zu, dass es besser gewesen wäre, die Menschenrechtsproblematik "im Rahmen unseres Spieles in Saudi-Arabien deutlich anzusprechen".

Rigoros gegen aufmüpfige Gegner

Doch dann folgte erst die derbe Kolumne des anonymen Autors "Säbener Sigi" auf der Vereinsseite ("Braucht der Dr. einen Doktor?"), und schließlich holte Rummenigge zum Gegenschlag aus: "Das war schon unter der Gürtellinie, was der gute Theo da losgelassen hat", sagte er gegenüber Sport1. "Ich habe keinen Kontakt zu Zwanziger, keiner in Fußball-Deutschland hat das. Herr Zwanziger sollte sich Gedanken machen, warum das so ist."

Die Botschaft ist klar und nicht neu: Die Bayern-Familie duldet keine aufmüpfigen Kontrahenten, weder auf sportlicher noch auf sportpolitischer Ebene, und stellt sich Angriffen von außen entschieden in den Weg.

Daums Fehde mit Hoeneß

Einer der ersten, der dies am eigenen Leib erfuhr und wiederholt im medialen Clinch mit dem Bundesliga-Primus lag, war Christoph Daum. Als Trainer des 1. FC Köln schickte er sich in der Saison 1988/1989 an, zu einem echten Herausforderer der Bayern im Kampf um die Meisterschaft zu werden.

Nachdem wochenlang Giftpfeile hin- und hergeflogen waren, gipfelte der Konflikt vor dem direkten Duell am 31. Spieltag im ZDF. Der damalige FCB-Manager Uli Hoeneß warf Daum ungebührliche Äußerungen über Bayern-Coach Jupp Heynckes vor und polterte: "Wenn du Charakter hättest, dann hättest du dich mal hingestellt und dich dafür entschuldigt."

"Kein Mensch hat mich so niedergemacht"

Hoeneß und Daum pflegten ihre Feindschaft über Jahre hinweg. Der dramatische Höhepunkt folgte 2000 mit einem der größten Skandale im deutschen Fußball: Kurz bevor Daum das Amt des Bundestrainers übernehmen sollte, machte Hoeneß dessen Kokain-Sucht öffentlich.

Ein ebenso starkes wie auch langwieriges Gegeneinander verbindet Hoeneß mit Sportfunktionär Willi Lemke, der Werder Bremen zum ebenbürtigen Rivalen der Bayern formte. "Kein Mensch der Welt hat mich über fast drei Jahrzehnte so niedergemacht. Keiner hat so dreiste Sprüche Richtung Bremen geschickt", hatte Lemke einst in der "Sport Bild" erklärt. Hoeneß war über Jahre hinweg die Personifizierung der bajuwarischen "Abteilung Attacke".

Angriffslust auf mehrere Schultern verteilt

Doch auch nach dessen Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und dem Rücktritt von seinen Ämtern blieb und bleibt das Muster ähnlich: Wer den Bayern gefährlich wird, muss mit massivem Gegenwind rechnen. Mit Hans-Joachim Watzke bestand einmal ein gutes Verhältnis. Als Borussia Dortmund jedoch erfolgreicher wurde und schließlich den FC Bayern national den Rang ablief, nahmen die beiderseitigen Sticheleien zu.

Egal, ob Rummenigge die Ausstiegsklausel von BVB-Star Marco Reus publik macht, Präsident Karl Hopfner dem BVB-Geschäftsführer "Unwahrheit" vorwirft, Sportvorstand Matthias Sammer vom Wecken "niederer Instinkte" spricht oder Markenbotschafter Paul Breitner sagt, Watzke versuche zu hetzen - die Alpha-Tiere in Bayerns Führungsetage lassen keine Milde walten, wenn es um ernstzunehmende Konkurrenz geht.

Weltoffener Weltklub?

Der jüngste Streit mit Zwanziger markierte nun eine kleine Wende. Waren bisherige Debatten und Streitgespräche, bei aller Schärfe, stets mit offenem Visier geführt worden, erschien die Retourkutsche über eine anonyme Satirekolumne selbst eigenen Fans fehlgeleitet und eines Weltklubs, der weltoffen sein möchte, nicht würdig.

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