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FC Bayern: Guardiola und Müller - eine schwierige Beziehung

Warum es immer wieder kracht  

Guardiola und Müller: eine schwierige Beziehung

10.07.2015, 06:12 Uhr | Thomas Tamberg

FC Bayern: Guardiola und Müller - eine schwierige Beziehung. Thomas Müller gibt zu, dass er sich unter Pep Guardiola immer ein bisschen mehr beweisen muss, als andere. (Quelle: imago images/Heuberger)

Thomas Müller gibt zu, dass er sich unter Pep Guardiola immer ein bisschen mehr beweisen muss, als andere. (Quelle: Heuberger/imago images)

Thomas Müller und Pep Guardiola pflegen eine besondere Beziehung. Eine besonders gute dürfte es allerdings nicht sein. Spätestens nachdem die "Bild"-Zeitung vor wenigen Tagen einen kurzen Disput der beiden während eines Geheimtrainings öffentlich gemacht hat, ist klar: Freunde fürs Leben werden Guardiola und Müller wohl nicht mehr. Sie funken einfach nicht auf der gleichen Wellenlänge.

Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass beide aneinandergerasselt sind. Als Guardiola im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona Müller in der 79. Minute vom Feld beordert hatte, platzte dem Angreifer der Kragen. "Kann diese Scheiße aufhören?", soll Müller laut der Lippenleserin Julia Probst damals seinem Coach entgegen geschleudert haben.

Kurzer Wut-Ausbruch im Training

Im aktuellen Fall kritisierte Guardiola bei einer Passübung im Training an der Säbener Straße die Laufwege seines Schützlings. Da wurde der Weltmeister offenbar erneut richtig sauer. "Dann kann ich es ja gleich bleiben lassen und reingehen", blaffte er den Coach an, um sich kurz darauf aber gleich wieder zu entschuldigen. "Okay, Trainer, ich habe einen Fehler gemacht." 

Man sollte diese Auseinandersetzungen nicht dramatisieren. So etwas kommt immer mal wieder vor. Dennoch stellt sich die Frage: Was bringt dieses offenbar so ungleiche Duo dazu, dass es immer wieder mal zu solchen emotionalen Ausbrüchen kommt?

Der beste Instinktfußballer der Welt

Guardiola bevorzugt das Ballbesitzspiel. Er lässt extrem hoch verteidigen,  die Pässe sollten daher mit höchster Präzision gespielt werden. Laufwege müssen stimmen. Müller dagegen ist technisch kein Zauberfuß, eher ein Instinktfußballer. Vielleicht ist er in diesem Bereich der beste Spieler der Welt, der intuitiv so oft wie kein anderer die richtige Entscheidung trifft.

Guardiola und Müller nähern sich dem Spiel folglich von zwei völlig unterschiedlichen Seiten. Da scheint das Verständnis für den jeweils anderen begrenzt zu sein.

39 Scorerpunkte sprechen für Müller

"Grundsätzlich muss sich jeder Spieler immer neu beweisen, aber bei mir ist es schon ein wenig so, dass sich das wiederholt", sagte Müller kürzlich in einem Interview mit der "Sport Bild". "Ich weiß nicht, ob das an meinem sehr flexiblen Spiel liegt, ich vielleicht keine fixe Position habe oder es andere Dinge sind. So ist aber das Geschäft, beim FC Bayern erst recht."

Kein anderer Bayern-Spieler wurde in der zurückliegenden Saison öfter ausgewechselt als Müller. In 42 Pflichtspielen stand der Weltmeister auf dem Feld, 21 Mal durfte er vorzeitig duschen gehen. Trotzdem war er am Ende der erfolgreichste Scorer des Rekordmeisters. Mit 21 Treffern und 18 Vorlagen kam der 25-Jährige auf 39 Scorerpunkte. Robert Lewandowski folgte mit 36 Punkten.

Guardiola lobt Müller

Fragen, warum Guardiola seinen gefährlichsten Offensivmann so oft vorzeitig vom Feld nimmt, beantwortet der Coach nicht. Er weicht aus und lobt - wie er es bei allen Spielern stets macht - auch Müller über den grünen Klee. "Müller hat überragende Qualitäten", sagte der Spanier. Seine Qualitäten lägen nicht so sehr im Eins gegen Eins, sondern im Abschluss. Mit seiner Nase im Strafraum, da sei Müller der Beste.

Guardiola sieht Müller eher als Strafraumspieler. Und hier dürfte die Krux liegen. Der 44-Jährige hat ein grundsätzliches Problem mit Mittelstürmern. Am liebsten würde er auch auf dieser Position einen Mittelfeldspieler platzieren. Selbst Robert Lewandowski kann es Guardiola oftmals in dieser Mittelstürmer-Rolle nicht recht machen. Und so findet Müller keinen so rechten Platz im Pep-System. Für die rechte Außenbahn hat er Arjen Robben und nun auch noch Douglas Costa. Für das Mittelfeld Thiago, Mario Götze und Co.

Van Gaal wittert seine Chance

Kein Wunder, dass sich im fernen Manchester Louis van Gaal Hoffnungen macht, seinen ehemaligen Lieblingsspieler loseisen zu können. Sein Ausspruch zu Münchner Zeiten, als der jetzige United-Trainer den damals unbekannten Youngster plötzlich zu den Profis beorderte ist mittlerweile legendär. "Müller spielt immer". 82 Millionen Euro soll Manchester United mittlerweile für dessen Dienste geboten haben.

Doch in München denken sie nicht daran, ihren waschechten Bayern abzugeben. "Ich habe keine Lust jeden Tag zu dementieren. Das ist Teil meiner Bettlektüre. Ich gehe immer belustigt ins Bett", kommentierte Karl-Heinz Rummenigge zuletzt etwas launig die Nachrichten aus England.

Nur noch ein Jahr

Und auch der so sehr Umworbene dürfte nur wenig Interesse haben, München zu verlassen. Müllers Vertrag beim FC Bayern läuft noch bis 2019. Längst ist er zu den Top-Verdienern aufgestiegen. Er und seine Frau Lisa sind in der Region verwurzelt. Und dann ist da noch etwas ganz anderes: Müller wird zugetraut, auch nach seiner Profi-Laufbahn, Karriere beim FC Bayern zu machen. Ein solcher Mann ist folglich unverkäuflich.

Zumal die Zeit von Guardiola bei den Münchnern sehr begrenzt scheint. Im Umfeld des FC Bayern gehen nahezu alle davon aus, dass der Spanier seinen im Juni 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Dieses eine gemeinsame Jahr dürften Müller und Guardiola dann doch einigermaßen konfliktfrei über die Runden bringen.       

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