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Bundesliga-Saison 2015/16: Das sind die neuen Taktik-Trends


Noch mehr Anarchie  

Die neuen Taktik-Trends der Bundesliga

13.08.2015, 09:47 Uhr | t-online.de

Bundesliga-Saison 2015/16: Das sind die neuen Taktik-Trends. Bayern-Coach Pep Guardiola ist bekannt für seine taktischen Finessen. (Quelle: imago/Stockhoff)

Bayern-Coach Pep Guardiola ist bekannt für seine taktischen Finessen. (Quelle: imago/Stockhoff)

Das Interview führte Mark Weidenfeller

Die Systemfrage wird immer verrückter. In der Bundesliga gibt es mittlerweile Dreierketten, die spielsituativ zu Fünferketten werden. Es gibt Trainer, die mehrmals im Spiel die Taktik komplett ändern. Es gibt flache, rautenförmige und tannenbaumähnliche Anordnungen. Was sich nach absolutem Fach-Chinesisch anhört, klingt in den Ohren von Taktik-Experte Christian Titz wie Musik.

Der 44-jährige Fußballlehrer zeigt auf, welche neuen Trends in der kommenden Saison auf Fans und Spieler zukommen, deutet die Rückkehr des guten, alten Liberos an – und erklärt, warum Darmstadt 98 mit diesen ganzen Dingen überhaupt nichts am Hut hat.

Herr Titz, die taktischen Formationen der Bundesligisten werden immer variantenreicher und komplizierter. Brauchen die Spieler irgendwann Abitur, um das alles noch verstehen zu können?

Die Anforderungen an die Profis werden immer anspruchsvoller, das ist richtig. Man muss zwar zwischen Alltags- und Fußballintelligenz unterscheiden, trotzdem wird die individuelle Ausbildung der Spieler immer wichtiger. In den Nachwuchs-Leistungszentren rückt deshalb neben Balltechnik, Taktik, Motorik, Schnelligkeit oder positionsbezogenem Training immer mehr das individualtaktische Verhalten in den Fokus. Die Spieler müssen lernen, wie sie sich bei bestimmten Situationen zu bewegen haben und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Das erfordert natürlich eine gewisse Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit.

Wird der Fußball immer komplizierter?

Der Fußball hat in den vergangenen Jahren mit Sicherheit enorme Sprünge gemacht und ist inzwischen sehr weit entwickelt. Aber auf dem Platz stehen immer noch 22 Spieler und es geht auch weiterhin darum, den Ball ins Tor zu schießen. Wer sich also mit dem Spiel beschäftigt, wird das alles auch in Zukunft verstehen.

Auf welche Taktiken müssen sich Spieler und Fans denn in der kommenden Saison einstellen? Gibt es neue Trends?

Die Testspiele in der Vorbereitung haben gezeigt, dass vor allem die Teams aus dem oberen Tabellendrittel drei Varianten neben dem sonst oft noch üblichen 1-4-2-3-1 testen. So hat beispielsweise der FC Bayern aus der Dreierkette mit einer Spitze in der Offensive situationsbedingt in eine Art 1-3-2-3-2 verschoben. Aber auch das flache 1-4-4-2 oder das 1-4-1-4-1 werden wir mit Sicherheit zu sehen bekommen.

Viele Zahlen, viele Taktiken. Was genau zeichnet diese verschiedenen Systeme denn aus?

Sowohl das 1-4-4-2 als auch das 1-4-1-4-1 werden gerne von Mannschaften gewählt, die das Spiel machen und den Gegner dominieren wollen. Spitzenteams brauchen nicht immer zwei Sechser vor der Abwehr, sondern bauen lieber einen zusätzlichen Achter ein. Dann gibt es entweder einen verkappten Zehner, der mit in die Spitze rückt, oder gleich zwei nominelle Angreifer und schnelle Außenspieler. Das ist vor allem bei tiefstehenden Gegnern wichtig und bietet zusätzliche Alternativen in der Offensive.

Und wie sieht das mit der Dreierkette aus? Ist das eher etwas für defensiv eingestellte Mannschaften?

Ganz und gar nicht, das System mit Dreierkette hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann man so im Mittelfeld Überzahl erschaffen und zusätzliche Dominanz aufbauen. Zum anderen kann man aber natürlich auch die beiden Außenspieler nach hinten ziehen und eine Art Fünferkette bilden. Die Abstände zwischen den einzelnen Spielern werden dadurch noch enger, die Defensive noch kompakter. Je nach Spielausrichtung gibt es also verschiedene Möglichkeiten, die Dreierkette kann defensiv und offensiv interpretiert werden.

Ist diese Dreierkette eigentlich eine Weiterentwicklung des berühmten Systems mit Libero und zwei Manndeckern – oder etwas völlig anderes?

Der zentrale Verteidiger in einer Dreierkette ist bei einigen Teams eine Art Libero – ein moderner Libero allerdings. Je nach Situation schiebt dieser Spieler als zusätzliche Anspielstation mit ins Mittelfeld und kurbelt die Offensive an oder lässt sich als Absicherung hinter die beiden Verteidiger fallen. Diese Spielweise kennt man aus den 90er-Jahren, damals ging es allerdings vermehrt um die Abwehrarbeit. Heute übernehmen diese Aufgabe vor allem Spieler aus dem zentralen Mittelfeld, deren Stärke im Zweikampf und der Spieleröffnung liegen – wie Javi Martinez zum Beispiel. Dann werden je nach Team die Außenverteidiger zu Mittelfeldspielern und die beiden etatmäßigen Innenverteidiger stehen breit in der Dreierreihe.

Spieler wie eben diese moderne Interpretation des Liberos wechseln heutzutage während eines Spiels oft mehrmals ihre Position. Ist es da überhaupt noch sinnvoll, von einem System zu sprechen?

Es gibt meiner Meinung nach eine erkennbare Grundformation in der Defensive. Da sieht man den Unterschied zwischen Vierer-, Dreier- oder Fünferkette noch, in der Offensive verschwimmt das oft. Da ist das mit der genauen Definition eines Systems schwieriger. Wobei auch das sich gerade ändert.

Inwiefern?

Dieser Funke Anarchie, der meist nur bei den Kreativgeistern in der Offensive zu finden ist, wird zunehmend auch in der Abwehrarbeit eingesetzt. Es ist beispielsweise nicht mehr so, dass die Außenverteidiger stur einrücken müssen, wenn der Ball auf der anderen Spielfeldseite ist. Es kann genauso gut sein, dass diese Spieler ins Mittelfeld rücken und dort Gegenspieler zustellen. Beim FC Bayern lässt sich diese Veränderung der Positionsvariabilität schon beobachten, solche Dinge werden in Zukunft mit Sicherheit noch häufiger zu sehen sein. Und dann wird das mit dem Bestimmen des Systems noch schwieriger.

Apropos Anarchie: Aufsteiger Darmstadt 98 scheint mit all diesen Taktik-Trends überhaupt nichts anfangen zu können. Trainer Dirk Schuster setzt auf Retro-Fußball: starke Defensive, schnelle Außenspieler, wuchtige Stürmer. Wie kann es sein, dass so etwas in der heutigen Zeit noch funktioniert?

Darmstadt ist tatsächlich so etwas wie der Gegenentwurf. Für diese Spielweise brauchst du einen starken Trainer, dem die Spieler blind vertrauen – und viel Disziplin. Die Lilien ziehen das konsequent durch, sind in der Defensive extrem kopfball- und zweikampfstark, stehen eng gestaffelt und setzen dann auf lange Bälle, schnelle Tempogegenstöße und Standards. Das kann funktionieren, ist aber natürlich für die Zuschauer nicht immer besonders attraktiv.

Sie bevorzugen also schnellen Offensivfußball?

Der Darmstädter Fußball ist nicht für Ästheten, aber völlig legitim. Am Team von Dirk Schuster sieht man, wie wichtig Mentalität ist und zu welchem Erfolg dieser Charakterzug im Fußball führen kann. Ob ich mir das jetzt gerne auf der Tribüne oder im Fernsehen anschaue, ist da absolut nebensächlich. Außerdem muss man auch sehen, mit welchen Möglichkeiten die Lilien arbeiten und wo sie vor zweieinhalb Jahren gestartet sind. Davor muss man den Hut ziehen. 

Mehr Informationen zu Christian Titz, der seit dem 01. Juli 2015 die U17-Auswahl des Hamburger SV trainiert und zudem das mannschaftsübergreifende Individualtraining beim Bundesliga-Dino leitet, finden Sie bei Facebook (www.coaching-zone-portal.de) und seinem YouTube-Channel (https://www.youtube.com/channel/UC33pc1FJn5-Rt4oU2ERUEUg ).

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