Sie sind hier: Home > Sport > Bundesliga >

Gegen den gefährlichen Trainer-Trend der Liga


Zwei wie Streich und Stöger  

Gegen den gefährlichen Trainer-Trend der Liga

14.11.2016, 07:39 Uhr | t-online.de

Gegen den gefährlichen Trainer-Trend der Liga. Treffen der alten Hasen: Peter Stöger und Christian Streich (rechts) vor dem direkten Duell zwischen Köln und Freiburg. (Quelle: imago images)

Treffen der alten Hasen: Peter Stöger und Christian Streich (rechts) vor dem direkten Duell zwischen Köln und Freiburg. (Quelle: imago images)

Von Marc L. Merten

Die ganze Bundesliga redet von RB Leipzig und über den allzu famosen Saisonstart des neuen Bayern-Jägers. Doch zwei andere Mannschaften gehören zu den eigentlichen Gewinnern der bisherigen Saison. Auch, weil sie sich einem gefährlichen Trend in der Bundesliga entgegen stellen.

Eigentlich ist es eine ungeheuerliche Zahl: Bereits zehn Bundesligisten haben im Jahr 2016 mindestens einen neuen Trainer präsentiert. Geht man zwei Jahre zurück, sind gar nur noch drei Trainer aus der damaligen Zeit übrig geblieben: Roger Schmidt in Leverkusen (seit dem 1. Juli 2014 im Amt), Peter Stöger in Köln (seit dem 1. Juli 2013) und natürlich Christian Streich in Freiburg (seit dem 29. Dezember 2011).

Längst ist das Vorurteil des gut kehrenden neuen Besens widerlegt. Markus Gisdol in Hamburg, Alexander Nouri in Bremen oder der schon wieder entlassene Markus Kauczinski beim FC  Ingolstadt sind Beispiele dafür, dass einige Klubs ihre innere Mitte verloren haben.

Freiburg und Köln schwimmen gegen den Strom

Mit immer neuen Trainern in immer kürzeren Abständen versuchen sie, größere Missstände in ihren Klubs zu übertünchen. Auch Schalke 04 schien zu Saisonbeginn wieder in die Kategorie zu fallen. Doch Markus Weinzierl bringt das schlingernde Schiff inzwischen halbwegs auf Kurs.

Andere Klubs dagegen haben erkannt, dass ein anderer Weg nötig ist. Die Kurzlebigkeit des Fußball-Business auszutricksen, das ist eines der Erfolgsrezepte, die schon länger in Freiburg und erst relativ kurz in Köln Einzug gehalten haben.

"Es wid immer kurzlebiger"

"Das versuche ich schon lange klarzumachen. Es wird leider immer seltener, dass die Trainerarbeit an ihrer Entwicklung gemessen wird", kritisierte Peter Stöger, der in Köln die lange Reihe an Trainer-Unglücken (22 Trainer in 20 Jahren) beendet hat. "Es wird immer kurzlebiger. Es gehört inzwischen zum Anforderungsprofil eines Trainers, damit fertig zu werden."

In Freiburg nicht. Christian Streich ist erst der vierte Trainer in den vergangenen 26 (!) Jahren beim Sport-Club. Wo Volker Finke einst 16 Jahre lang erfolgreich arbeitete und Robin Dutt ihm anschließend für immerhin vier Jahre folgte, hatte nur Marcus Sorg kein Glück und musste nach einem halben Jahr wieder gehen. Streich übernahm in der Winterpause 2011/12 und ist längst nicht mehr wegzudenken aus der Stadt an der Dreisam. Sein Vertrag läuft noch bis 2018, alles andere als eine Verlängerung wäre eine Überraschung.

Zehn Heimsiege in Serie

Denn auch in dieser Saison sorgt der Aufsteiger aus Freiburg wieder für Erfrischendes in der Liga und steht nach zehn Spielen mit 15 Punkten auf Rang neun. Eine bemerkenswerte Leistung des "symbadischen" Klubs aus dem Breisgau, zumal der SC seine Heimserie aus der Vorsaison mit in die Bundesliga nahm und saisonübergreifend zehn Spiele im Schwarzwald-Stadion in Folge gewann.

Streich setzt auf taktische Flexibilität, ließ bereits fünf verschiedene Systeme spielen und hat es einmal mehr geschafft, nach dem Abstieg 2014 nicht nur sofort wieder mit einem runderneuerten Team zurückzukommen, sondern auch höchst konkurrenzfähig zu sein.

"Schausch' die Tabelle ned an"

In Freiburg verfällt man nicht in Panik, Aktionismus ist in Baden traditionell ein Fremdwort. Man vertraut dem Trainer, der einem ganz einfachen Motto folgt: "Am beschte machsch' de Fernseher aus, schausch' die Tabelle ned an, bringt eh alles nix. Spielsch'! Übsch'!" Es sind jene Momente, in denen klar wird, dass Streich und der SC Freiburg perfekt zusammenpassen, harmonieren.

Ein Trainer, dessen Arbeit von Respekt vor seinen Spielern und seinen Bundesliga-Kollegen geprägt ist. Ein Mensch, der eine klare Meinung hat und diese auch vertritt – weit über das Bundesliga-Geschäft hinaus.

Stöger: "Streichs Arbeit imponiert mir"

Peter Stöger in Köln wurde vor einigen Wochen in einem Interview gefragt, welcher Fußball-Trainer auf der Welt ihn beeindrucken würde. Seine Antwort: "Es wäre einfach, jetzt jemanden wie Zinedine Zidane zu nennen. Ich finde aber richtig beeindruckend, was mein Kollege Christian Streich in Freiburg macht. Das imponiert mir", sagte der Österreicher.

"Eine Mannschaft, die absteigt, baut er um und holt sie mit einer gefühlten Selbstverständlichkeit wieder hoch. Er spricht die Sachen an, wie er sie sieht. Das finde ich sehr erfrischend. Er ist ein Mensch, der etwas zu sagen hat."

Transfermarkt ist "Viehhandel"

Als Freiburg in Köln am 3. Spieltag mit 0:3 verlor, das Ergebnis den Spielverlauf aber nur bedingt widerspiegelte, verband Streich und Stöger ihre Art, die Dinge beim Namen zu nennen. Aber nicht nur sportlich. Den Badener und den Österreicher verbindet eine ähnliche Denke. Sie leben in einem Business, dessen Auswüchse sie nur allzu gut kennen, aber nicht immer schätzen.

Wenn Streich das Gebaren auf dem Transfermarkt schon einmal "Viehhandel" nennt, knöpft sich Stöger den Trainer-Markt vor oder aber legt sich konsequent einen Maulkorb zu, um in der Öffentlichkeit keine Schiedsrichter-Kritik mehr zu üben.

Köln? "Spürbar arrogant"

Überhaupt hat Stöger (Vertrag bis 2020) in Köln geschafft, was sie in Freiburg seit langem schätzen. Es schien unmöglich, doch am Geißbockheim ist eine ähnliche Gelassenheit und Ruhe einkehrt, wie sie nur bei einem Klub wie dem SCF denkbar schien. Beim FC wird inzwischen wieder über Europa gesprochen, ohne, dass das Umfeld gleich ausflippt.

Nach 18 Punkten aus zehn Spielen erlaubten sich die Geißböcke gar, am Elften im Elften zur Eröffnung der Karnevals-Session unter dem Motto "Spürbar arrogant" zur Champions-League-Hymne auf dem Trainingsplatz aufzulaufen. Und Stöger? Der lief im dunklen Anzug mit knallroter Krawatte auf. "Heute bin ich als Champions-League-Trainer verkleidet", verkündete der Österreicher und stieß mit Spielern, Trainern und Betreuern mit einem Glas Kölsch an.

Wohltuende Andersartigkeit

Streich und Stöger mögen zwar unterschiedliches Temperament haben. Doch sie verbindet nicht nur, dass sie die beiden dienstältesten Bundesliga-Trainer sind. Sie gelten inzwischen als Vorbilder für eine Philosophie, die weit über den nächsten Spieltag hinaus geht.

In einem Business, in dem richtige Entscheidungen aus dem Vormonat schon zwei Niederlagen später in Frage gestellt werden, eine wohltuende Andersartigkeit. In Freiburg und Köln haben sie ihre Langfrist-Trainer gefunden. Bei Klubs wie dem HSV sind sie dagegen noch immer der Meinung, dass Geld alleine die Probleme schon lösen wird. Bis zum nächsten Trainer.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Prepaid Tarif aktivieren & 10 GB Daten geschenkt bekommen
schnell zugreifen bei congstar
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe