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Rudi Assauer vor (✝74) seinem Tod: "Alzheimer – so 'ne Scheiße!"

Auszug aus Assauer-Buch  

"Das fühlt sich an, als wäre ich auf dem falschen Planeten unterwegs"

07.02.2019, 16:33 Uhr | t-online.de

 (Quelle: imago)
Ex-Schalke-Manager: Rudi Assauer ist gestorben

Rudi Assauer ist am Mittwoch im Alter von 74 Jahren gestorben. Der FC Schalke ehrte seinen langjährigen Manager am Abend vor dem Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf mit einer Schweigeminute. (Quelle: t-online.de)

Rudi Assauer verstorben: Der Schalke-Macher mit der Zigarre machte sich auf Schalke unsterblich - ein Rückblick auf sein Wirken bei S04. (Quelle: t-online.de)


Der Tod von Rudi Assauer hat die deutsche Fußball-Szene erschüttert. Er litt seit Jahren an Alzheimer – und machte das 2012 mit einem Buch öffentlich. Ein Auszug aus Assauers emotionalem Umgang mit der Krankheit.

Am Mittwoch ist Rudi Assauer im Alter von 74 Jahren verstorben. Als Manager von Schalke 04 wurde er zu Legende. Assauer galt als Transfer-Guru, holte mit S04 1997 sensationell den Uefa-Cup, zeichnete Verantwortlich für den Bau der Schalker Arena und sicherte sich mit markigen Sprüchen und stets klarer Kante einen Platz in den Herzen von Millionen Fußballfans. 

Doch es gab auch eine andere Seite. In seinen letzten Lebensjahren litt Assauer an Alzheimer, wurde von seiner Familie gepflegt. 2012 machte er die Erkrankung öffentlich und thematisierte dies in seiner Autobiografie "Wie ausgewechselt: Verblassende Erinnerungen an mein Leben". Darin zeigt er auf emotionale Weise, wie die Krankheit sein Leben langsam aber stetig veränderte. t-online.de präsentiert einen Auszug aus dem ersten Kapitel.

Kapitel 1: Mein Leben mit der Krankheit: "Alzheimer – so ’ne Scheiße!"

Ärzte sagen, dass Alzheimerpatienten in solchen rastlosen Momenten auf der Suche sind nach der Erinnerung. Kilometer für Kilometer – ins Nichts. Im weiteren Verlauf der Demenz verliert der Kranke jede Beziehung zu Raum und Zeit. Viele wandern ohne Orientierung in der Nacht umher. Assauer auch. Bevor er Mittel zur Unterstützung des natürlichen Schlafrhythmus bekam, wurde er oft nachts wach, redete unzusammenhängendes Zeug, wollte – den längst verstorbenen – Stan Libuda suchen oder zog sich plötzlich an. Einmal setzte er sich sogar ins Auto und fuhr davon. Mitten in der Nacht wollte er ins Büro.

"Ich bekomme davon nichts mit. Wenn meine Angehörigen mir am nächsten Morgen erzählen, ich habe dies und das gemacht, dann sage ich: 'Seid ihr bekloppt? Was soll denn da gewesen sein? Da war nichts!' Ich bin dann fest davon überzeugt, dass das nicht stimmt, was sie mir sagen. Aber mittlerweile denke ich, dass es wohl doch so passiert ist. Das fühlt sich an, als wäre ich auf dem falschen Planeten unterwegs."

Auch vor der Bewegungssteuerung macht der Hirnabbau nicht halt. Komplizierte Bewegungsablaufe gelingen daher nicht mehr, und technische Geräte wie Handys zum Beispiel bereiten zunehmend Probleme.

"Ich war einer der Letzten in der Branche, der sich überhaupt auf so ein Dingens eingelassen hat. Mein Credo war immer: Wer mich sprechen will, weiß, wo er mich erreichen kann. Dafür gibt es doch eine Büronummer. Aber irgendwann ging es eben nicht mehr ohne."

Und jetzt nicht mehr mit. Die Familie hat ihm sein Mobiltelefon abgenommen, denn er hat sich zu oft vertippt oder nachts aus Versehen irgendwelche Leute angerufen. Zunächst hatte ihm seine Familie nur das Register mit den gespeicherten Nummern gelöscht. Das Handy, früher sein wichtigstes Arbeitsmittel als Manager, wird plötzlich zum ungenutzten, toten Instrument – als wäre es ein Symbol der Krankheit.

Autofahren? Funktioniert nicht mehr. Die Motorik, jahrzehntelang selbstverständliche Routine, sie will einfach nicht mehr. Es ist daher zu gefährlich geworden. Einmal blieb er in Gelsenkirchen mit seinem Wagen mitten auf der Straße stehen, weil er falsch getankt hatte. Hatte einfach nicht mehr gewusst: Super? Benzin oder Diesel? Für die Familie ein Alarmsignal. Rudi Assauer ist von da an nur noch Beifahrer.


Durch die medikamentöse Behandlung, die liebevolle Betreuung und die Therapie in der Memory Clinic in Essen soll das Fortschreiten der Demenz bei Assauer gestoppt beziehungsweise verzögert werden. Allerdings gibt es trotz intensiver Forschung bis heute keinen Durchbruch für einen Weg, die Krankheit zu heilen.

"Ja, es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, es hat sich nichts Großartiges geändert. Da ist es nicht schlechter geworden, das ist schon mal positiv. Es könnte schlimmer sein, denke ich mir dann. Wenn ich tagsüber viel unterwegs bin und Termine habe, sitze ich abends zu Hause und rekapituliere: Du hast das und das gemacht. Es gibt aber auch andere, schlechte Tage, da kriege ich nichts auf die Reihe und denke mir nur: So ’ne Scheiße!"

Der Schritt, mit dem Eingeständnis der Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen, ist wohlüberlegt, der Entschluss dazu seit Längerem gereift.

"Man sollte das Kind beim Namen nennen. Zack, bumm. Das soll hiermit geschehen, dann wissen es alle und müssen nicht mehr hinter meinem Rücken tuscheln. Also offenes Visier: Hier bin ich, das ist mein Problem. Ich muss ja damit leben, das Beste draus machen. Nicht schön. Aber anderen geht es noch schlechter, mir wird geholfen. Wenigstens wissen die Leute nun auch ein für alle Mal, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Nur meine Zigarren, auf die verzichte ich nicht."

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Verwendete Quellen:
  • Auszug aus Rudi Assauers Autobiografie: "Wie ausgewechselt: Verblassende Erinnerungen an mein Leben"

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