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FC Schalke 04: Steven Skrzybski fordert mehr Zeit für Trainer

Skrzybski über das neue Schalke  

"Ein Team, das die Schalker Tugenden wieder mehr repräsentiert"

Von Alexander Kohne

17.08.2019, 14:10 Uhr
FC Schalke 04: Steven Skrzybski fordert mehr Zeit für Trainer. Mehr Emotion, mehr Power? Wenn es nach Steven Skrzybski (Nr. 22) geht, wird die Bundesliga in der neuen Saison ein neues Schalke 04 kennenlernen. (Quelle: imago images)

Mehr Emotion, mehr Power? Wenn es nach Steven Skrzybski (Nr. 22) geht, wird die Bundesliga in der neuen Saison ein neues Schalke 04 kennenlernen. (Quelle: imago images)

Schalke ist das wohl größte Rätsel der neuen Saison. Schlittern die Königsblauen in Richtung 2. Liga oder geht es zurück in den Europapokal? t-online.de hat bei einem ganz besonderen Spieler nachgefragt.

Heute startet Schalke 04 in die neue Saison. Im Topspiel des Tages geht es ab 18.30 Uhr bei Borussia Mönchengladbach (ab 18 Uhr im Liveticker von t-online.de). In der Startaufstellung wird dabei wohl auch Steven Skrzybski stehen. Nach einer von Verletzungen geprägten Vorsaison, in der der gebürtige Berliner und bekennende Schalke-Fan nur zwölf Bundesligapartien absolvieren konnte, hat er sich nun einiges vorgenommen – und nach einer starken Vorbereitung im Pokal gegen Drochtersen/Assel direkt getroffen.

Schweres Auftaktprogramm für S04

"Ich wäre schonmal zufrieden, wenn der Saisonstart deutlich besser läuft als in der Vorsaison", erklärt der Außenbahnspieler gegenüber t-online.de in Bezug auf den miserablen Beginn der Spielzeit 2017/18. Damals verloren die Schalker die ersten fünf Spiele. "Das war sehr extrem, weil wir von Anfang an hinterhergelaufen sind. Aber ich bin positiver Dinge, dass wir es dieses Mal deutlich besser hinkriegen", so Skrzybski weiter. Allerdings: Mit dem Gastspiel in Gladbach sowie Heimspielen gegen Rekordmeister Bayern München und Hertha BSC hat S04 alles andere als ein leichtes Auftaktprogramm erwischt.

Um dieses erfolgreich zu meistern, bauen die Gelsenkirchener auf eine neue taktische Ausrichtung – fußend auf den Ideen des neuen Trainers David Wagner. Diese lässt sich vereinfacht wie folgt zusammenfassen: Mehr Tempo, mehr Pressing, mehr Power. Oder wie Skrzybski sagt: "David Wagner ist wichtig, ins Gegenpressing zu kommen. Wir wollen schnell nach vorne spielen, aber trotzdem auch Geduld am Ball besitzen und uns nicht nur blind auf das Umschaltspiel konzentrieren. Denn defensiv muss man ja trotzdem gut stehen."

Skrzybski fordert mehr Zeit für Trainer

Doch in der Vorbereitung war davon teilweise noch nicht sehr viel zu sehen. Dort spielten die Schalker beispielsweise nur Remis gegen Regionalligist Wattenscheid und verloren gegen Norwich City (1:2) und Bologna (2:3). Auch wenn danach gegen Alanyaspor (2:0) und Villarreal (3:1) gewonnen wurde, ist unschwer zu erkennen, dass die Mannschaft noch Zeit braucht, um die Ideen des Trainers zu verinnerlichen. "Das ist schon sehr viel Input. Natürlich ist klar, dass dieser Prozess nach einer kompletten Saison anders vorangeschritten ist als nach einer Sommervorbereitung. Aber ich glaube: Wenn man da einfach etwas Zeit hat, wird das Früchte tragen", erklärt Skrzybski.

Steven Skrzybski wechselte im Sommer 2018 von Union Berlin zum FC Schalke. (Quelle: imago images)Steven Skrzybski wechselte im Sommer 2018 von Union Berlin zum FC Schalke. (Quelle: imago images)

Das Problem ist: diese Zeit bekommen Trainer in der heutigen Zeit immer seltener. Das weiß auch Skrzybski, der in seinen 14 Monaten bei S04 bereits den dritten Trainer erlebt. Kontinuität sieht anders aus. "Obwohl der Profifußball sehr schnelllebig ist, würde ich mir natürlich diesbezüglich etwas mehr Konstanz wünschen", verdeutlicht er im Gespräch mit t-online.de und führt darüber hinaus aus: "Ein Trainer braucht eine gewisse Zeit, um seine Philosophie im Team zu implementieren. Und entsprechende Ergebnisse kommen nicht von heute auf morgen." Ganz generell fügt Skrzybski hinzu, dass für eine schlechte Phase nicht immer nur der Trainer verantwortlich sei.

Geduld als entscheidender Karrierebaustein

Der Faktor Geduld ist dem 26-Jährigen wichtig – wahrscheinlich auch, weil dieser in seiner Karriere eine entscheidende Rolle gespielt hat. Obwohl der Offensiv-Wirbelwind bei seinem Heimatverein Union Berlin unter Trainer Uwe Neuhaus bereits mit 17 Jahren in der 2. Bundesliga debütierte, dauerte es sechs Jahre, bis er im Profifußball wirklich Fuß gefasst hatte. Dazwischen pendelte er zwischen der ersten und zweiten Mannschaft.

t-online.de-Sportredakteur Alexander Kohne (l.) sprach mit Steven Skrzybski über seine Erwartungen an die neue Bundesligasaison. (Quelle: t-online.de)t-online.de-Sportredakteur Alexander Kohne (l.) sprach mit Steven Skrzybski über seine Erwartungen an die neue Bundesligasaison. (Quelle: t-online.de)

Statt 1. FC Köln oder VfB Stuttgart hießen die Gegner Optik Rathenow und Torgelower SV Greif. Doch Skrzybski ließ sich davon nicht entmutigen, hängte sich in der zweiten Mannschaft voll rein und bot sich für höhere Aufgaben an. Sein Leistungszeugnis: 57 Regional- und Oberligapartien für Union II mit 28 Toren. "Ich habe in den ersten Jahren schon einige Tiefen erlebt. Aber mir war immer klar, dass die Karriere nicht mit 19 oder 20 Jahren vorbei ist, sondern man schon etwas mehr Zeit hat und es auch relative Spätzünder gibt. Und so einer bin ich ganz sicher", so Skrzybski. "Stammspieler bei Union bin ich erst mit etwa 22, 23 Jahren geworden und auch der Schritt zu Schalke in die erste Liga war mit Mitte 20 verhältnismäßig spät. Meine Karriere ist nicht so gelaufen wie bei den meisten ‚normalen‘ Fußballern. Es hat eben alles ein bisschen länger gedauert."

Dass er trotzdem geduldig geblieben ist, verdankt er auch seiner Erziehung. Skrzybskis Eltern betreiben eine Bäckerei in Berlin-Mahlsdorf. Dort hat er bereits als Teenager mitgeholfen – ob beim Brötchen backen oder beim Teller waschen. "Es war gut, einen normalen Beruf kennenzulernen und nicht nur die ‚Blase Fußball‘. Das war für mich extrem prägend", erklärt Skrzybski. "Ich wusste auf jeden Fall, wie hart es ist, im normalen Berufsleben Geld zu verdienen. Und wie anstrengend die Arbeit ist."


Deshalb sei ihm früh klar gewesen, dass er für den Fußball eine Menge investieren müsse. "Man muss über gewisse Grenzen hinweggehen – egal ob es das frühe Aufstehen oder das Arbeiten an sich ist. Alles im Leben hat seinen Preis." Gerade auf Schalke kommt eine solche Haltung gut an. Da verwundert es nicht, dass Skrzybski die Frage, auf was für ein S04-Team sich die Bundesliga in der neuen Saison einstellen könne, in einem ähnlichen Duktus antwortet: "Auf eines, dass die Schalker Tugenden, das Arbeiten mit und gegen den Ball, wieder mehr repräsentiert." Gegen Gladbach müssen diesen Worten nun Taten folgen.

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