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Hooligans: Daniel Nivel - 18 Jahre nach der "Schande von Lens"

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Deutsche prügelten Polizist halbtot  

"Sie haben Daniel Nivel die Freiheit für immer genommen"

21.06.2016, 12:52 Uhr | sid

Hooligans: Daniel Nivel - 18 Jahre nach der "Schande von Lens". Dieses von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellte Foto vom 21.06.1998 zeigt den brutalen Angriff auf den bereits wehrlos am Boden liegenden Daniel Nivel. (Quelle: dpa)

Dieses von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellte Foto vom 21.06.1998 zeigt den brutalen Angriff auf den bereits wehrlos am Boden liegenden Daniel Nivel. (Quelle: dpa)

Eine ungepflegte Wiese, rot blühender Klatschmohn, daneben eine Reihe junger Birken und ein Fahrradweg - nichts erinnert mehr an den 21. Juni 1998. Der Bürgersteig, auf dem das Leben von Daniel Nivel in nur zwei Minuten zerstört wurde, ist verschwunden. Das Haus mit der Nummer 74 in der Rue Romuald Pruvost in Lens wurde abgerissen, die Vergangenheit ausradiert.

Auch in Nivels Erinnerung existiert dieser heiße Sommertag vor 18 Jahren nicht mehr, dennoch wird er ihn für immer begleiten.

Er leidet auch 18 Jahre später noch

Nur 600 Meter entfernt lief damals das WM-Spiel zwischen Deutschland und Jugoslawien, mit zwei Kollegen bewachte der Gendarm diese schmale, unscheinbare Straße. Irgendwann stürmten deutsche Hooligans heran, und ihr brutaler Angriff brachte "endloses Leid" über Nivels Familie, sagt seine Ehefrau Lorette.

Der frühere Polizist ist heute 61 Jahre alt, er konnte nie wieder arbeiten. Nivel lag damals sechs Wochen im Koma, er ist auf dem rechten Auge blind, kann nicht mehr riechen und nicht mehr schmecken. Auch das Sprechen fällt ihm schwer. Man habe ihm das Wichtigste im Leben für immer genommen, sagt seine Frau dazu: "Die Fähigkeit, zu kommunizieren."

"Da sind nur drei, da kommen wir durch"

Am Morgen des 21. Juni 1998, erzählt Lorette Nivel in einer NDR-Dokumentation, habe sie ihren Mann noch ganz gewöhnlich verabschiedet. Die Worte "pass auf dich auf" rutschten dabei eher automatisch über ihre Lippen. Doch es lag schon etwas in der Luft, lange vor dem WM-Spiel im Stadion Felix Bollaert. Hunderte Hooligans waren in das 30.000-Einwohner-Städtchen gekommen, eine wohl verabredete Schlägerei mit den Jugoslawen wurde durch Straßensperren der Polizei verhindert.

So harrten die Gewaltsuchenden bis zum Nachmittag in der Nähe des Bahnhofs aus. Die Sonne brannte, der Alkoholpegel stieg, der Frust wuchs, bald flogen vor den Straßencafés Tische und Stühle. Immer wieder versuchten einige, in die abgesperrten Bereiche einzudringen. Irgendwann passierte eine Gruppe die Rue Romuald Pruvost. Die Stelle, die heute einem Neubaugebiet gewichen ist. "Da sind nur drei, da kommen wir durch", rief einer der Hooligans damals: "Die hauen wir platt."

Wut entlädt sich mit unvorstellbarer Brutalität

Plötzlich hatten sie einen Vertreter der verhassten Polizei in ihrer Gewalt, und all die Wut entlud sich mit unvorstellbarer Brutalität. Nivel sollte büßen. Mit einem Gewehraufsatz aus Stahl und einem Reklameschild schlugen die Täter auf ihn ein, bis Blut über den Bordstein lief.

Später erhielten die Angreifer Haftstrafen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren. Für Nivel und seine Familie kann das kein Trost sein. "Sie kamen ja wieder aus dem Gefängnis, sie bekamen ihr Leben zurück", sagt Lorette: "Daniel haben sie seine Freiheit für immer genommen."

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel traf Daniel Nivel und seine Frau während der EM 2016.  (Quelle: dpa)Der DFB-Präsident Reinhard Grindel traf Daniel Nivel und seine Frau während der EM 2016. (Quelle: dpa)

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