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Internationaler Sportgerichtshof: Transfer-Urteil erschüttert Fußball-Welt

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Fußball  

Transfer-Urteil erschüttert Fußball-Welt

01.02.2008, 10:53 Uhr | dpa, t-online.de

Andy Webster (Foto: imago)Andy Webster (Foto: imago) Die Horror-Vision eines jeden Fußballklubs ist wahr geworden. Ein neues Urteil des Obersten internationalen Sportgerichts (CAS) stellt das Transfersystem auf den Kopf und erschüttert die Fußball-Welt. Wieder einmal dürften die Klubs den Kürzeren ziehen. Wie vor zwölf Jahren als Jean-Marc Bosman 1996 durchsetzte, dass Spieler nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei wechseln können, müssen die Klubs nach dem neuen Urteil erneut mit weiteren großen Einbußen bei Transfererlösen rechnen. Die FIFA ist entsetzt und fürchtet, dass dieses Urteil schwere finanzielle Krisen bei einigen Klubs auslösen wird. Insbesondere kleinere Klubs müssten ihre Talente für Dumpingpreise ziehen lassen. "Ich bedauere dieses Urteil sehr, weil damit wieder einmal die Position und die Planungssicherheit der Klubs geschwächt werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern Karl-Heinz Rummenigge.



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Spieler bekommt mehr Macht

Nach zwei beziehungsweise drei Jahren – je nachdem, ob der Akteur bei Vertragsunterzeichnung bereits 28 Jahre alt war – kann ein Spieler jetzt bei einem Wechsel ins Ausland einseitig seinen Vertrag auflösen. Der neue Klub muss nur noch die Summe der ausstehenden Gehälter bezahlen.

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Van der Vaart wird zum Schnäppchen

So könnte im konkreten Fall der Hamburger SV blöd aus der Wäsche schauen, wenn Superstar Rafael van der Vaart zur neuen Saison seinen Wechsel ins Ausland wahrmacht. Da er noch einen Vertrag bis 2010 beim HSV hat, wurde sein bisheriger Marktwert auf 23 Millionen Euro geschätzt. Da er aber bereits das dritte Jahre für die Nordlichter aktiv ist, müsste sein neuer Klub nur noch eine Ablösesumme der noch ausstehenden Jahresgehälter an die Hamburger überweisen. Also schlappe vier Millionen Euro. 

Andy Webster bringt alles ins Rollen

Der Mann, der alles ins Rollen brachte, heißt Andy Webster. Der schottische Fußballprofi wechselte 2006 ein Jahr vor Vertragsende ohne die Erlaubnis seines damaligen Arbeitgebers, dem schottischen Klub Heart of Midlothian, zum englischen Klub Wigan Athletic. Im Streit um die Ablöse entschied nun das CAS, dass Wigan rund 200.000 Euro an Midlothian zahlen muss. Das entspricht exakt dem Jahresgehalt des Spielers. Die Schotten forderten dagegen 5,4 Millionen Euro, dem geschätzten Wert des Spielers.

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Auslöser ist Artikel 17

Webster berief sich auf den Artikel 17 der FIFA-Regularien, der 2001 auf Druck der EU-Kommission ins Regelwerk aufgenommen wurde. Nach Ablauf einer geschützten Laufzeit können Spieler ohne sportliche Sanktionen ins Ausland gehen. Einzig die Frage der Entschädigung wurde damals bewusst offen gelassen. Webster wollte es jetzt ganz genau wissen.

Die bedeutendste Veränderung im Fußball seit Bosman.

"Fußballer haben nun die gleichen Rechte wie normale Arbeitnehmer“, wird Tony Higgins, Repräsentant der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro in der "Süddeutschen Zeitung“ zitiert. "Sie können Verträge einseitig kündigen. Das ist die bedeutendste Veränderung im Fußball seit Bosman.“

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FIFA ist bestürzt

Die FIFA zeigt sich sehr besorgt über diese Entwicklung. "Für das System ist dies verheerend. Die Hände reiben können sich wohl einzig die Spielervermittler, die ihre Klienten, wie im Fall von Webster, gewinnbringend neuen Klubs anbieten können. Kleine Klubs, die bereits jetzt Mühe haben, vor allem talentierte Spieler zu halten, werden fortan noch mehr damit zu kämpfen haben, dass ihre Spieler nach Ablauf der Schutzzeit aggressiv umworben werden.“

DFL will nicht klein beigeben

Die DFL will sich laut "Süddeutscher Zeitung“ dennoch auf nationales Arbeitsrecht berufen und droht Spielern, die sich auf Artikel 17 berufen mit der Verweigerung der Freigabe. Nach dem CAS-Urteil dürfte dies allerdings nicht mehr wirklich abschreckend wirken.

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