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Neue Chance für den Spitzensport: Gericht kippt Wettmonopol

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Neue Chance für den Spitzensport

08.09.2010, 16:48 Uhr | sid, sid

Neue Chance für den Spitzensport: Gericht kippt Wettmonopol. Das Versteckspiel ist vorbei, nachdem das Wettmonopol vor dem Aus steht. (Foto: imago)

Das Versteckspiel ist vorbei, nachdem das Wettmonopol vor dem Aus steht. (Foto: imago)

Dieses Urteil könnte für den deutschen Profi-Sport einen warmen Geldregen bringen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das in Deutschland geltende staatliche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele gekippt, da es nicht mit dem Recht der Europäischen Union (EU) vereinbar ist. Zuletzt hatten vor allem die Sport-Spitzen ein Ende des Monopols gefordert. Laut Schätzungen entgingen dem deutschen Sport mehrere hundert Millionen Euro an Sponsorengeldern, da private Wettanbieter bisher nicht auf Trikots und Banden werben durften.

Laut EuGH begrenzt die deutsche Regelung die Glücksspiele, und damit auch die Sportwetten, nicht "in systematischer Weise". Das Monopol verstoße unter anderem gegen die Niederlassungs- sowie die Dienstleistungsfreiheit in der EU und sei deshalb ab sofort nicht mehr anwendbar.

Erleichterung bei Funktionären und Vereinen

Entsprechend zufrieden waren die Funktionäre. "Das Urteil ist ein Meilenstein. Es erlaubt den Gemeinwohlinteressen des Sports ebenso gerecht zu werden wie denen der Sportveranstalter, ohne die es keine Sportwetten gäbe", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. DFB-Präsident Theo Zwanziger sah die Haltung des Fußball-Verbands bestätigt. Für Sportwetten in Deutschland dürfe es kein Monopol geben, äußerte der Jurist: "Der Sport und ganz besonders der Fußball leistet durch die Organisation der Spiele einen aktiven und erheblichen Beitrag für den Wettmarkt. Dieser Leistung muss Rechnung getragen werden."

Ähnlich sehen es die Klubs. "Es ist seit langem unsere Auffassung, dass der Sportwettenmarkt geregelt und kontrolliert geöffnet werden muss", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs vom Bundesligisten Werder Breme und fügte an: "Nur so können die vielen Gelder, die derzeit am deutschen Fiskus vorbeifließen, zukünftig im Land bleiben." Seit dem im Jahr 2008 erlassenen Glücksspielstaatsvertrag gilt in Deutschland das Monopol staatlicher Anbieter, private Wettanbieter waren verboten. Nur beim staatlichen Unternehmen Oddset darf legal auf die Bundesliga, Weltmeisterschaften oder die Formel 1 gesetzt werden.

Zu viel Werbung für die Glücksspirale

Dagegen hatten mehrere kleine Anbieter geklagt, vier deutsche Gerichte wandten sich daraufhin mit der Frage an den EuGH. Der eigentliche Hintergrund des Monopols sind die Milliarden-Einnahmen aus Glücksspielen, die in die Staatskasse fließen. Der Gesetzgeber hatte das Verbot mit der Bekämpfung von Spielsucht und Manipulation begründet. Der EuGH hat nun festgestellt, dass Deutschland dieses eigentlich für eine Beschränkung des Marktes zulässige Ziel unter anderem durch zu viel Werbung für die Glücksspiele unterlaufe.

bwin-Direktor: "Historische Chance"

Das EuGH-Urteil ist eine Vorab-Entscheidung, die deutschen Gerichte müssen nun die Einzelfallentscheidungen treffen. Das Monopol wurde von Experten in der Vergangenheit ohnehin als wertlos eingeschätzt. Aufgrund von EU-Verträgen durften ausländische Firmen Sportwetten über das Internet anbieten. So ist unter anderem auch einer der größten Online-Anbieter bwin in Gibraltar lizenziert. Jörg Wacker, Direktor von bwin, sieht die EuGH-Entscheidung "als historische Chance, Glücksspiel in Deutschland unter Berücksichtigung aller Vertriebskanäle zeitgemäß und richtungsweisend zu regulieren."

94 Prozent der Wetten im Ausland abgewickelt

Zuletzt hatte sich ohnehin gezeigt, dass die unregulierten Anbieter für Kunden deutlich attraktiver als Oddset sind. Sie bieten mehr Wettmöglichkeiten und bis zu 20 Prozent höhere Quoten an. Eine Studie hatte ergeben, dass 94 Prozent der Wettumsätze online über ausländische Anbieter abgewickelt werden. Danach entfallen bei einem geschätzten Jahresumsatz von 7,8 Milliarden Euro lediglich 485 Millionen Euro auf legale Wetten, davon 185 Millionen Euro auf Oddset.

Diese Zahlen verdeutlichten, dass der als Monopol-Grund angegebene Kampf gegen Spielsucht und Manipulation offensichtlich an der Wirklichkeit vorbeiging. Zudem zahlen die ausländischen Anbieter in Deutschland keine Steuern und Abgaben. Bundesländern, gemeinnützigen Vereinen und vom Glücksspiel bezuschussten Einrichtungen gingen so Millionen durch die Lappen.

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