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Hansa Rostock: Anhänger greifen Journalisten an

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Eine neue Qualität der Gewalt in Rostock

15.02.2011, 15:53 Uhr | sid, sid

Hansa Rostock: Anhänger greifen Journalisten an. Krawallmacher: Diesmal haben es Rostocker Anhänger auf Journalisten abgesehen: (Foto: imago)

Krawallmacher: Diesmal haben es Rostocker Anhänger auf Journalisten abgesehen: (Foto: imago)

Hansa Rostock kriegt seine Anhänger einfach nicht unter Kontrolle. Im Gegenteil. Denn diesmal bringt eine neue Qualität der Gewalt den Drittligisten in Verruf. Am vergangenen Wochenende wurden vor dem Spiel gegen Werder Bremen II zwei Journalisten von etwa 30 vermummten Fans des Klubs attackiert und zumindest einer von ihnen sogar mit dem Tod bedroht.

"Wir bringen euch Presseleute um. Wir bringen dich um. Wir wissen, wer du bist, und wir finden dich", berichtete einer der Betroffenen im NDR von den Drohungen, die gegen ihn gerichtet wurden. Die Angst sitzt bei ihm immer noch tief. Nur anonymisiert trat der Sportfotograf, der sich letztendlich auf einen VIP-Parkplatz rettete, vor die Fernsehkamera.

Politik schaltet sich ein

"Das ist eine Katastrophe, dass so etwas passiert ist. Das ist nicht hinnehmbar", sagte Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann: "Es ist eine neue Qualität, dass Unbeteiligte Angriffen ausgesetzt sind und dass man im Vorfeld auf die Idee kommt, jemanden herauszupicken." Auch die Politik hat sich mittlerweile eingeschaltet. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier forderte die Vereinsführung auf, mit aller Entschiedenheit gegen die Gewalttäter vorzugehen. "Ich glaube, dass Stadionverbote für die wenigen Unbelehrbaren als 'erzieherische Maßnahme' nicht ausreichen", sagte Caffier der "Ostseezeitung".

"Das ist eine Straftat und wir helfen bei der lückenlosen Aufklärung, damit die Täter ihre Strafe bekommen", sagte Hofmann weiter. Bereits am Spieltag hatte der Verein das Gespräch mit den Angegriffenen gesucht und sich entschuldigt. Ein weiteres Treffen ist terminiert.

Zwei Auswärtsspiele ohne Fans

Bereits häufiger hatten Teile der Rostocker Anhängerschaft für negative Schlagzeilen gesorgt. So musste der Verein nach Ausschreitungen im Ost-Derby gegen Dynamo Dresden zwei Auswärtsspiele ohne die Unterstützung der eigenen Fans auskommen. "Es ist traurig, dass unser sportlicher Erfolg deswegen in den Hintergrund rückt. Wir sind sportlich auf Kurs, genau deshalb ist es für den Betrachter nicht nachvollziehbar, was passiert ist", sagte Hofmann.

Der Verein, derzeit Tabellenzweiter, arbeitet die Vorfälle gemeinsam mit der Polizei auf. Die Anfahrtswege und das Zusammenspiel zwischen Sicherheitsdienst und der Polizei sollen überprüft werden. "Der Wachdienst hat unsere Einsatzkräfte über diesen Vorfall informiert. Als diese aber eintrafen, hatten sich die Angreifer schon zerstreut", sagte eine Sprecherin der Rostocker Polizei. Dabei ist der Verein ein Jahr nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga eigentlich auf einem guten Weg.

Erste Zeichen der Selbstregulierung

Der neuen Vereinsführung um Hofmann, Manager Stefan Beinlich und Trainer Peter Vollmann gelang bis jetzt der Spagat zwischen wirtschaftlicher Konsolidierung des finanziell angeschlagenen Vereins und dem sportlichen Erfolg gut. Doch auch in der vergangenen Woche im Spiel gegen Ahlen hatten Anhänger zum wiederholten Mal in dieser Saison Pyrotechnik und Knallkörper gezündet. "In Ahlen haben aber erstmals eigene Fans den Böllerwerfer aus dem Block geschmissen. Dessen Personalien konnten daraufhin festgestellt werden", sagte Hofmann.

Die langsam einsetzende Selbstregulierung in der Rostocker Fanszene kommt für die beiden Opfer allerdings zu spät. "Sofern sich nicht maßgebliche Dinge ändern, werde ich meine Akkreditierung zurückgeben", sagte der angegriffene Fotograf: "Ich habe keine Lust, bei der Berichterstattung über einen Drittligaverein mein Leben zu riskieren."

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