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DFB-Broschüre "Fußball und Homosexualität": Scharfe Kritik von Littmann

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"Absurd": scharfe Kritik an DFB-Broschüre

28.07.2013, 10:01 Uhr | t-online.de, sid

DFB-Broschüre "Fußball und Homosexualität": Scharfe Kritik von Littmann. Im Berliner Olympiastadion beziehen die Hertha-Junxx offen Stellung zu ihrer Homosexualität.   (Quelle: imago/Revierfoto)

Im Berliner Olympiastadion beziehen die Hertha-Junxx offen Stellung zu ihrer Homosexualität. (Quelle: Revierfoto/imago)

Der DFB stößt im Kampf gegen Homophobie mit seiner jüngst veröffentlichten Broschüre "Fußball und Homosexualität" in der Szene auch auf Unverständnis. Der offen homosexuell lebende Ex-Präsident Corny Littmann vom Zweitligisten FC St. Pauli bezeichnete die Publikation mit Ratschlägen für die Vorbereitung eines Outings in der "Welt am Sonntag" als "absurd, obskur, lächerlich und realitätsfern".

Für den Theater-Chef gehen die Inhalte der an alle Vereine verschickten Broschüre an der Wirklichkeit vorbei: "Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Sollte diese Broschüre überhaupt ein schwuler Spieler lesen, wird er die Hände über den Kopf zusammenschlagen und fragen: 'Seid Ihr eigentlich völlig bekloppt?'"

Littmann: Hälfte der Trainer homophob

Aus Littmanns Sicht sind die unterschiedlichen Kulturkreise von Spielern einer Mannschaft und eine mehrheitlich homosexuellen-feindliche Haltung der Trainer für Profis in Deutschland die Ursachen für eine Verheimlichung ihrer Neigung. "Wir haben internationale Mannschaften. Die Spieler kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Und wie geht ein Russe, ein Serbe, ein Kroate mit einem schwulen Mitspieler um? Die Vorurteile und Repressionen sind in den Ländern ganz andere als die, die wir hier erleben. Ein schwuler Spieler, der in eine Multi-Kulti-Mannschaft kommt, schafft möglicherweise erhebliche Probleme. Allein die Möglichkeit, dass das Probleme schafft, wird Vereine dazu bewegen, von einer Verpflichtung abzusehen", sagte Littmann.

Im Trainer-Lager, behauptet Littmann, denke "noch mindestens die Hälfte" homophob. Außerdem hätte "ein schwuler Fußballer im Laufe seiner Karriere gar keine Chance, wie andere Schwule eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit seiner Homosexualität und seiner Identität zu entwickeln. Die Spieler werden einen Teufel tun, sich zu outen."

Löw beim CSD statt Broschüre

Eine wirksame Hilfe wäre Littmann zufolge die Installierung von Vertrauensmännern in allen deutschen Profi-Vereinen. "So eine Mischung aus Psychologe, Sozialarbeiter und Ombudsmann. Bei dem klar ist, dass das, was ich ihm erzähle, keinen erreicht, solange ich das nicht will. Ähnlich einer ärztlichen Schweigepflicht. Ich halte das für unbedingt erforderlich."

Die von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vorgeschlagene Teilnahme von Bundestrainer Joachim Löw und Nationalspielern am Homosexuellen-Fest Christopher Street Day wäre nach Littmanns Meinung für die öffentliche Wahrnehmung ein unschätzbar wertvolles Signal: "Ganz sicher würde das in der Fußballwelt mehr bewegen als jede Broschüre des DFB."

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