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Willi Reimann war der Erste: Die Wahrheit über Trainer-Ablösen

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Reimann war vor 30 Jahren der Erste  

Die Wahrheit über Trainer-Ablösen

11.11.2017, 13:05 Uhr | Ronny Galczynski, t-online.de

Willi Reimann war der Erste: Die Wahrheit über Trainer-Ablösen. Novum in Deutschland: Für Willi Reimann zahlte der Hamburger SV 1987 zum ersten Mal eine Ablösesumme (kam für 300.00 Euro vom FC St. Pauli) für einen Trainer. (Quelle: imago/WEREK)

Novum in Deutschland: Für Willi Reimann zahlte der Hamburger SV 1987 zum ersten Mal eine Ablösesumme (kam für 300.00 Euro vom FC St. Pauli) für einen Trainer. (Quelle: WEREK/imago)

Vor genau 30 Jahren zahlte erstmals ein deutscher Verein eine Ablösesumme für einen Trainer. Heute ist dieser Vorgang Normalität. t-online.de zeigt die Entwicklung und erklärt die Hintergründe. 

Wäre es im vergangenen Monat Julian Nagelsmann geworden, hätte der FC Bayern München 400 Millionen Euro Ablösesumme hinblättern müssen, um den begehrten Hoffenheim-Coach als Nachfolger von Carlos Ancelotti präsentieren zu können. Eine so hohe Summe nämlich kolportierte TSG-Geldgeber und Milliardär Dietmar Hopp bereits im April diesen Jahres öffentlich an Interessenten, die Nagelsmann aus dessen bis 2019 laufenden Vertrag herausbekommen wollten.

Wohl eher als nicht ganz ernst gemeinte Abschreckung für Klubs der Kragenweite Bayern, Juventus Turin, Real Madrid oder auch Paris St. Germain gedacht, denn als tatsächlich einkalkulierter Transfererlös. Aber einen zweistelligen Millionenbetrag hätte der deutsche Rekordmeister wohl allemal zahlen müssen.

Hermann teuerster Co-Trainer der Welt

Nun wurde es bekanntlich der 72-jährige Jupp Heynckes – und für im Ruhestand befindliche Übungsleiter werden naturgemäß keine Ablösesummen auf den Tisch geblättert. Da aber Heynckes’ Wunsch-Assistent Peter Hermann – bis zuletzt beim Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf noch Co-Trainer unter Chefcoach Friedhelm Funkel – einen bis 2018 gültigen Vertrag am Rhein zu erfüllen hatte, zahlten die Bayern mal eben 1,75 Millionen Euro an die Rheinländer – Weltrekord für Assistenztrainer.

Wieder vereint: Co-Trainer Peter Hermann und Jupp Heynckes 2017 beim FC Bayern. Düsseldorf konnte sich über 1,75 Mio. Euro Ablöse freuen. (Quelle: Jan Hetfleisch/Bongarts/Getty Images)Wieder vereint: Co-Trainer Peter Hermann und Jupp Heynckes 2017 beim FC Bayern. Düsseldorf konnte sich über 1,75 Mio. Euro Ablöse freuen. (Quelle: Jan Hetfleisch/Bongarts/Getty Images)

Ablösesummen bei Trainer-Transfers sind mittlerweile en vogue: Allein im Jahr 2017 gab es mit deutscher Beteiligung (Verein oder Coach) sieben solcher Trainerwechsel, bei denen Entschädigungen zwischen 0,1 und 5 Millionen Euro gezahlt wurden (siehe Tabelle unten). Das sind in diesem einen Jahr mehr bezahlte Transfers, als in den drei Jahren zuvor, wo zusammen lediglich fünf Mal Gelder überwiesen wurden.

Die Fünf-Millionen-Summe, die Borussia Dortmund dabei im Juni an Ajax Amsterdam gezahlt hat, um Peter Bosz als Ersatz für Thomas Tuchel aus dem laufenden Vertrag herauszukaufen, ist gleichzeitig die hierzulande bis dato höchste Trainer-Ablösesumme. Dreißig Jahre nachdem im Herbst 1987 im deutschen Profifußball erstmals Geld für einen Trainerwechsel eine Rolle spielte: Damals üppige 600.000 D-Mark gönnte der Hamburger SV seinem Stadtrivalen vom Millerntor, als dieser zum 11. November FC St. Paulis Cheftrainer sowie ehemaligen Bundesligastürmer Willi Reimann in der laufenden Saison aus dem Vertrag herausmanövrierte. HSV-Abwehrmann Jens Duve gab es für die damals zweitklassigen Kiezkicker zudem obendrauf.

"Ich war ein echter Trainer-Exot"

Reimann, den t-online.de während dessen Knie-OP-Reha telefonisch erwischte, erinnert sich noch recht gut: "Ich war als 37-Jähriger total überrascht vom Angebot eines Bundesligisten, weil ich bis dahin ja auch erst zwei Mannschaften, nämlich St. Pauli und Altona 93 trainiert hatte. Und mit meinem Alter war ich ja damals – im Gegensatz zu heute – ein echter Trainer-Exot."

Die Ablösesummen, die heute sowohl für Trainer, als auch für Spieler gezahlt werden, hält der 67-Jährige zwar für viel zu hoch, den Trend aber für unaufhaltbar: „Vertragszeiten gelten doch heutzutage fast nichts mehr, alles wird immer weiter kommerzialisiert; es geht nur noch ums Geld, Sport hat nur noch am Rande eine Bedeutung. Und es wird alles so weitergehen: Es werden Ablösesummen kommen, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.“

Kurt Jara knackte 2001 mit seinem Wechsel von Innsbruck nach Hamburg zum ersten Mal die Millionen-Grenze. (Quelle: imago/Garcia)Kurt Jara knackte 2001 mit seinem Wechsel von Innsbruck nach Hamburg zum ersten Mal die Millionen-Grenze. (Quelle: Garcia/imago)

Auch Trainerberater Marc Kosicke (u.a. Nagelsmann und Klopp) sieht es zwar grundsätzlich als „problematisch“ an, wenn Trainer während einer laufenden Saison wechseln, nichtsdestotrotz, verriet er der Tageszeitung „Die Welt“, sei die Fahnenstange des Transferwahnsinns mitnichten erreicht: „Wenn eine Top-Führungskraft eines Fußballvereins auf dem Markt ist, warum soll der Klub dafür nicht auch eine hohe Ablöse erzielen wie möglicherweise für einen überdurchschnittlichen Fußballprofi? Der Markt ist umkämpft, weshalb die Ablösen auch für Trainer steigen.“

Julian Nagelsmann wunderte sich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sogar darüber, „dass das mit Ablösen für Trainer nicht schon früher angefangen hat“. Seine Begründung: „Wenn der Trainer, wie man oft hört, der wichtigste Mann im Klub sein soll, warum sollte er dann nicht auch beim Abgeworben werden Geld kosten?“

Chelsea zahlte 15 Mio. Euro für Villas-Boas

Megasummen in Höhe von 220 Millionen Euro, für die kürzlich Spitzenkicker Neymar den Verein wechselte, werden für Übungsleiter sicherlich nie erreicht werden; es geht aber auch bei Trainern durchaus noch teurer, als im hiesigen Profifußball: 2011 beispielsweise zahlte Chelsea London sage und schreibe 15 Millionen Euro an den FC Porto, um dessen Coach André Villas-Boas aus einem gültigen Vertrag nach London zu holen – bis heute Weltrekord.

Etwas mehr als die Hälfte, nämlich acht Millionen Euro, legte im Jahr zuvor Real Madrid Inter Mailand auf den Tisch, damit José Mourinho dort den zwei Tage zuvor entlassenen Manuel Pellegrini ablösen konnte. Den dritthöchsten Trainer-Transfererlös aller Zeiten markieren die sieben Millionen Euro, die ebenfalls der spanische Hauptstadt-Verein locker machte, als er 2013 Carlo Ancelotti von Paris Saint-German auslöste – als Nachfolger Mourinhos.

Rekord-Ablöse für einen Bundesliga-Trainer: Peter Bosz wechselte für fünf Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu Borussia Dortmund. (Quelle: TF-Images/TF-Images via Getty Images)Rekord-Ablöse für einen Bundesliga-Trainer: Peter Bosz wechselte für fünf Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu Borussia Dortmund. (Quelle: TF-Images/TF-Images via Getty Images)

Betrachtet man die bezahlten Trainertransfers der Fußball-Bundesliga der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte etwas genauer, so fällt auf, dass sich ein paar wenige deutsche Klubs regelmäßig dieses Kaufinstruments bedient haben: Jeweils vier Mal zahlten der FC Schalke 04 und der Hamburger SV eine Ablösesumme für ihre neuen Coaches, drei Mal schlugen Bayer Leverkusen und Hertha BSC Berlin diesbezüglich zu.

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Der einzige Trainer, der sogar zwei Mal auf diesem Wege transferiert wurde, ist Dieter Hecking. Zuletzt beim 1. FC Nürnberg hatte sich der gebürtige Münsterländer eine Freigabeklausel in den Kontrakt schreiben lassen, die dessen 2013 durch den VfL Wolfsburg überwiesene Ablöse bei vorzeitiger Vertragsauflösung bereits schriftlich fixierte: 750.000 Euro. Immerhin die neunthöchste Summe, die jemals in Deutschland bei einem Trainerwechsel den Besitzer wechselte. Ein Betrag, der in den kommenden Monaten mutmaßlich mehrfach übertrumpft werden wird.

Ablösen für Trainer im Überblick:

TRAINERABLÖSESUMME*VEREINEJAHR
Damir Buric 100.000 Euro Admira Wacker - Greuther Fürth2017
Ismail Atalan150.000 EuroSportfreunde Lotte - VfL Bochum2017
Lucien Favre200.000 EuroFC Zürich - Hertha BSC2007
Holger Stanislawski250.000 EuroSt. Pauli - TSG Hoffenheim2011
Michael Skibbe 250.000 EuroEskisehirspor Istanbul - Hertha BSC 2011
Willi Reimann300.000 EuroSt. Pauli - HSV1987
Tayfun Korkut 400.000 Euro1. FC Kaiserslautern - Leverkusen2017
Alois Schwartz 400.000 EuroSV Sandhausen - 1. FC Nürnberg2016
Domenico Tedesco500.000 EuroErzgebirge Aue - FC Schalke 042017
Dieter Hecking500.000 EuroAlemannia Aachen - Hannover 962006
André Breitenreiter 500.000 EuroSC Paderborn - FC Schalke 042015
Fred Rutten500.000 EuroTwente Enschede - FC Schalke 042008
Stale Solbakken 500.000 EuroFC Kopenhagen - 1. FC Köln2011
Peter Stöger700.000 EuroAustria Wien - 1. FC Köln2013
Hans Meyer700.000 EuroBorussia M'gladbach - Hertha BSC2003
Dieter Hecking750.000 Euro1. FC Nürnberg - VfL Wolfsburg2013
Thorsten Fink800.000 EuroFC Basel - HSV2011
Felix Magath1 Millionen EuroVfB Stuttgart - FC Bayern München2004
Robin Dutt1 Millionen EuroSC Freiburg - Bayer Leverkusen2011
Martin Jol1 Millionen EuroHSV - Ajax Amsterdam2008
Bruno Labbadia 1,4 Millionen EuroBayer Leverkusen - HSV2009
Roger Schmidt1,5 Millionen EuroRB Salzburg - Bayer Leverkusen2014
Ralph Hasenhüttl1,5 Millionen EuroFC Ingolstadt - RB Leipzig2016
Peter Hermann (als Co)1,75 Mio. EuroFortuna Düsseldorf - FC Bayern2017
Kurt Jara2 Millionen EuroWacker Insnbruck - HSV 2001
Markus Weinzierl3 Millionen EuroFC Augsburg - FC Schalke 042016
Peter Bosz5 Millionen EuroAjax Amsterdam - BVB2017

*Alle Ablösen sind Medienschätzungen


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