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WM 2014: Der Thron von König Pele wackelt

Von Fans entrückt  

Wo ist Brasiliens Fußball-König Pele?

10.07.2014, 14:54 Uhr | sid

WM 2014: Der Thron von König Pele wackelt. Bei der WM in Brasilien taucht Fußball-König Pele nur als Phantom auf. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Bei der WM in Brasilien taucht Fußball-König Pele nur als Phantom auf. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Wo ist Pele? Nach 64 Jahren ist die WM nach Brasilien zurückgekehrt, in die Heimat des wohl größten Fußballers der Geschichte. Doch von "O Rei", dem König des Spiels, fehlt jede Spur.

Während Franz Beckenbauer bei der WM 2006 omnipräsent war, ist Pele in diesen Tagen fast nur in den Halbzeitpausen zu sehen - wenn der 73-Jährige in TV-Spots für Fast-Food, Supermärkte oder Shampoo wirbt. Im Stadion wurde Edson Arantes do Nascimento kaum gesichtet. Pele, das Phantom.

Weltmeister in Sachen Selbstvermarktung

Nur bei Twitter äußert sich das einstige Idol gelegentlich zu den Auftritten der Selecao. "Wir werden den sechsten Titel in Russland holen", schrieb Pele nach der Blamage gegen Deutschland im Halbfinale. Ansonsten konzentriert er sich bei der WM am Zuckerhut auf seine Werbeauftritte. Pele vermarktet seine eigene Legende bestens.

Das aus ärmlichen Verhältnissen stammende frühere Idol der Massen ist das WM-Gesicht eines deutschen Automobilherstellers, eines großen Getränkeherstellers, eines Luxusuhren-Herstellers und einer Kette für billige Sandwiches. Für 5500 Euro kann man Diamanten kaufen, die aus seinen Haaren hergestellt wurden. Er hat ein neues Buch herausgebracht, ein neuer Film über den Weltfußballer des 20. Jahrhunderts wird vorbereitet.

"Ich bin schwer beschäftigt", sagte Pele vor dem Turnier. Früher hat er auch einmal für Potenzmittel geworben. Er soll in diesem Jahr rund 25 Millionen US-Dollar verdienen, bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 sollen es 100 Millionen (gut 73 Millionen Euro) sein.

"Wir können seine Meinung nicht mehr ernst nehmen"

Drei Weltmeistertitel hat Pele gewonnen, über 1000 Tore geschossen. Heute kostet ein TV-Interview mit ihm rund 50.000 Dollar. Pele lächelt immer öfter sein berühmtes Lächeln nur noch für seine Werbepartner - und scheint dabei die Sorgen und Nöte seiner Landsleute nicht zu verstehen. Viele Brasilianer schütteln nur noch den Kopf - ihr König ist entrückt.

Im Rest der Welt wird Pele längst mehr verehrt als in seiner Heimat. "Pele ist das Symbol einer großen Ära, aber er ist Teil der Vergangenheit", sagt der Journalist und Historiker Marcos Guterman: "Es gibt viele andere Fußballer, die wichtiger sind als Pele. Er sympathisiert mit der Regierung, egal wer gerade an der Regierung ist. Wir können seine Meinung nicht mehr ernst nehmen."

Der Thron des Königs wackelt

Viele Brasilianer sind wütend auf den Helden von einst, weil Pele während des Confed-Cups und vor Beginn der Weltmeisterschaft kaum Verständnis für die Massenproteste im Land aufbrachte. Das große Fest der FIFA möge doch bitte nicht gestört werden. Die Proteste seien "deshalb nicht gut. Aber die Politik und die Nationalmannschaft sind zwei verschiedene Dinge. Die Spieler können nichts dafür", sagte Pele, der die meiste Zeit des Jahres in New York lebt.

"Es war peinlich. Und die Menschen haben das nicht vergessen", sagt Guterman: "Pele steht für nichts anderes als die Erinnerung an die Vergangenheit. Wenn er über Politik oder wirtschaftliche Fragen spricht, ist es fast immer katastrophal. Es ist schockierend, aber es ist die Wahrheit."

Die längst geplante Installation einer lebensgroßen Statue Peles im legendären Maracana-Stadion, wo ihm vor 45 Jahren über 100.000 Menschen nach dem 1000. Karriere-Tor huldigten, wurde unlängst auf die Zeit nach der WM verschoben. Der Thron des Königs wackelt. Pele, das Phantom, zeigt sich kaum. Und entgeht so wohl den Pfiffen der Brasilianer.

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