Sie sollten es besser wissen
Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.
Bayern sehnt sich nach der Rückkehr von Kapitän Neuer. Aber kann der Klub wirklich noch mal auf einen 37-Jährigen zwischen den Pfosten setzen, der vor Kurzem noch in Ungnade gefallen war?
Er ist zurück auf dem Platz: Bayern-Kapitän Manuel Neuer steht wieder auf dem Trainingsplatz und arbeitet mit Hochdruck an seinem Comeback. Trainer Thomas Tuchel schwärmte anschließend: "Es ist natürlich eine sensationelle Nachricht."
Neuer wie auch der ebenfalls in der Reha befindliche Lucas Hernandez seien "herausragende Sportler, Vorbilder. Nicht nur, dass sie ihr Programm machen, sondern wie sie es machen. Mit welcher Grundstimmung sie hier auf dem Trainingsgelände sind, ist beeindruckend".
Während die Bayern ohne Neuer mit aller Macht versuchen, die Saison noch mit dem Deutschen Meistertitel und somit nicht titellos zu beenden, befeuert die Neuer-Rückkehr die Diskussionen um die Zukunft der anderen Bayern-Torhüter. Verschiedenen Medienberichten zufolge steht Yann Sommer nach einem halben Jahr schon wieder vor dem Abschied, weil er seinen Platz im Tor der Schweizer Nationalmannschaft nicht mit einem Bankplatz im Verein gefährden möchte.
Auch der verliehene Alexander Nübel wird kaum eine Zukunft bei Bayern haben. Er betonte, dass er sich nicht noch einmal hinter Neuer als Nummer zwei auf die Bank setzen werde. Bliebe also Sven Ulreich, dem die Verantwortlichen in der Rückrunde der laufenden Saison die Neuer-Vertretung nicht zutrauten. Reicht das, um die Ziele zu erreichen? Oder anders gefragt:
Sollte der FC Bayern wieder voll auf Neuer setzen?
Ja, Neuer wieder rein, und damit Ruhe
Der Niederländer Edwin van der Saar gewann mit 38 Jahren die Champions League, Legende Gianluigi Buffon wurde mit 39 Jahren zum italienischen Fußballer des Jahres gewählt. Das sind Torwarte, keine Feldspieler. Für sie gelten andere Maßstäbe als für Linksaußen oder Abräumer im Mittelfeldzentrum. Sie können länger auf Topniveau spielen. Neuer ist jetzt 37 und auf dem besten Weg zurück auf den Platz. Natürlich sollte der FC Bayern voll auf ihn setzen.
Er ist Weltmeister, Kapitän des Rekordmeisters und repräsentiert den Verein und Fußball-Deutschland rund um den Globus. Er hat noch mindestens zwei Saisons – wenn nicht gar mehr –, um die Bayern auf Topniveau zu vertreten.
Außerdem ist er fußballbesessen und ehrgeizig genug, um die Kritik an seiner selbst verschuldeten Verletzung in pure Motivation umzumünzen. Vielleicht brauchte er das ja sogar. Und aus seinen jüngsten Fehlern hat er gelernt.
Ganz sicher: Er kommt zurück und wird besser sein als je zuvor. Zusätzlich gibt er den jungen Mitspielern Stabilität und den Erfahrenen Selbstvertrauen. Neuer ist viel mehr als nur ein sicherer Rückhalt. Wie könnte der FC Bayern da nicht auf ihn setzen?
Außerdem hat der Klub doch genug Baustellen im Kader, um die man sich im Sommer kümmern muss. Die Torhüterposition sollte da nicht hinzukommen. Neuer wieder rein, und Ruhe ist. Dazu einen guten, erfahrenen zweiten Mann auf die Bank. Fertig.
Nein, die Bayern-Verantwortlichen sollten es besser wissen
"Ich muss mich bremsen, um nicht euphorisch zu werden", sagte Trainer Tuchel zu Neuers Rückkehr auf den Trainingsplatz. Damit hat er ausgedrückt, was viele bei Bayern empfinden. Erleichterung und Vorfreude auf das Comeback des Torhüters.
Dass Neuer mit seinen 37 Jahren plötzlich wieder der Heilsbringer ist, sagt vieles aus über den Zustand des FC Bayern – und das Gedächtnis derer, die ihm nun wieder zujubeln. Zur Erinnerung: Gerade vier Monate ist es her, dass Neuer mit einem egoistischen Interview zur Unzeit und hinter dem Rücken des Vereins die Bayern-Ziele gefährdet und sich als Kapitän und Spieler disqualifiziert hat. Bei Fans, Verantwortlichen und Experten: Überall war er in Ungnade gefallen. Bayern und Neuer? Das schien das Ende der gemeinsamen Ära.
Bayern hatte zuvor bereits den Fehler gemacht, voll auf Neuer zu setzen. Wie zur Strafe musste der Klub nach dessen Ski-Verletzung in einer Harakiri-Aktion einen überteuerten Yann Sommer für acht Mio. Euro bei Gladbach loseisen. Daraus sollte der FC Bayern seine Lehren gezogen haben oder haben die Bosse nichts gelernt?
Wenn Neuer nach seinen ganzen Verfehlungen überhaupt noch eine Zukunft bei Bayern hat, sollte der Klub zumindest nie mehr voll auf ihn setzen. Neuer ist in den vergangenen Jahren immer wieder länger ausgefallen. Seinen Zenit hat er ohnehin lange überschritten. Sollte Bayern Sommer und Nübel wirklich gehen lassen, muss dringend ein neuer Toptorwart wie Dortmunds Gregor Kobel her.
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Im "Zweikampf der Woche" kommentieren Florian Wichert und Robert Hiersemann wöchentlich ein aktuelles Fußballthema. Sehen Sie den Schlagabtausch auch im Video – am Montag ab 19.30 Uhr im Rahmen der "Sport 1 News" bei Sport 1 oder ab Montagnachmittag hier oben im Artikel.
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