Sie sind hier: Home > Sport >

DFB-Präsident Zwanziger zieht Rücktritt in Erwägung

WM 2010 - Nationalmannschaft  

Zwanziger zieht Rücktritt in Erwägung

08.12.2008, 15:21 Uhr | t-online.de

DFB-Präsident Theo Zwanziger (Foto: dpa)DFB-Präsident Theo Zwanziger (Foto: dpa) Aus Frankfurt am Main berichtet Johann Schicklinski

Sportlich top, wirtschaftlich gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet: So fiel das Fazit des abgelaufenen Jahres und der Ausblick aufs kommende Jahr von Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), aus. "Wir haben tolle Höhepunkte erlebt und dabei viele Erfolge feiern können“, sagte der 63-Jährige bei einer Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt/Main.

Dass für Zwanziger persönlich nicht alles Gold ist, was glänzt, offenbarte sich erst am Schluss der bis dahin unspektakulären Veranstaltung.

Dauerstreit Ballack verteidigt öffentliche Kritik
WM 2010 Ab Februar 2009 gibt es Tickets

Aufregerblog Die Folgen des Löw-Knigge

Zwanziger distanziert sich von Anschuldigung

Zwanziger sah sich genötigt, nach dem Ende der Fragerunde, mit der normalerweise eine Pressekonferenz endet, noch ein Wort in eigener Sache zu verlieren. Es ging ihm um seinen Konflikt mit dem freien Journalisten Jens Weinreich, der ihn in einem Internet-Blog-Beitrag als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hatte. Daraufhin hatte Zwanziger Klage eingereicht.

Sportblog Theo Zwanziger verfängt sich im Internet

Persönliche Ehre wichtiger als Amt

Der DFB-Boss rechtfertigte sein juristisches Vorgehen gegen Weinreich und wehrte sich gegen den Vorwurf der Dünnhäutigkeit: "Ich habe lange darüber nachgedacht und mich gefragt: Bist du das wirklich. Ich kam zu dem Schluss, dass ich das so nicht stehen lassen kann. Eines wird mir nämlich in meinem Leben nie passieren: Ich werde niemals meine persönliche Ehre auf dem Altar eines Amtes opfern.“

Foto-Show Wunsch-Nationalelf der User von t-online.de

Rücktrittsgedanken im Falle einer Niederlage

Im Falle einer Niederlage vor Gericht zieht Zwanziger sogar einen Rücktritt als DFB-Boss in Betracht: „Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es wird ein Urteil geben." Er machte klar, dass er nicht bereit ist, in dem Rechtsstreit nur einen Schritt zurückzuweichen. Sowohl das Berliner Landgericht als auch das Kammergericht hatten eine einstweilige Verfügung des DFB abgelehnt und die Aussage als "zulässige Meinungsäußerung" angesehen.

WM 2010 Tickets ab Februar 2009

"Nicht Schulmeister der Nationalspieler"

Auch der lange schwelende und zuletzt offen aufgebrochene Streit zwischen Bundestrainer Joachim Löw, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack, passte nicht so recht zur "heilen Welt", die Zwanziger propagierte. Der DFB-Obere vermied es, Stellung zu dem Konflikt zu beziehen: "Als Verbandsspitze bin ich nicht der Schulmeister dieser Jungs. Wir haben einen starken Bundestrainer, den ich als Präsident aber auch haben will. Der ist verantwortlich dafür, was da passiert, er muss die Verhaltensregeln vorgeben.“

Dauerstreit Ballack verteidigt öffentliche Kritik
WM 2010 Ab Februar 2009 gibt es Tickets

"Konflikte wird es immer geben"

Auf Nachfragen hin vermied es Zwanziger, ins Fettnäpfchen zu treten: "Ich werde mich als DFB-Präsident nicht öffentlich positionieren. Wir stehen untereinander natürlich im Gespräch, aber ich werde nie öffentlich in die sportliche Hierarchie eingreifen.“ Dass Konflikte auftreten könnten, sei normal. "Das wird es auch im nächsten Jahr geben.“ Allerdings sei es wichtig, diese unter Wahrung der Rangfolge konstruktiv zu lösen.

Foto-Show Löws Karriere als Spieler und Trainer

Sportliches alles bestens

Das sportliche Fazit Zwanzigers fiel hingegen positiv aus. Insbesondere die Erfolge des Aushängeschildes A-Nationalmannschaft hob er hervor: "Mit dem Gewinn der Vize-Europameisterschaft sind wir das einzige Team, das sowohl bei der WM 2006 als auch bei der EURO 2008 in der Runde der letzten Vier stand. Dieser Leistung gebührt Anerkennung, selbst wenn nicht immer alle spielerischen Erwartungen im Laufe des Jahres erfüllt wurden. Joachim Löw ist mit dem Team für die WM 2010 in Südafrika auf einem guten Weg.“  Neben Löw seien Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, Sportdirektor Matthias Sammer und seine Damen-Nationaltrainerin Silvia Neid das sportliche Gesicht des DFB.

Wirtschaftlich gut aufgestellt

Wirtschaftlich sieht Zwanziger den Verband trotz der Ansätze einer weltweiten Wirtschaftskrise gut aufgestellt: "Wir haben langfristige Verträge mit unseren Partnern, sowohl im TV-Bereich als auch mit unseren Sponsoren. Der Verband ist stabil und verfügt über wirtschaftlich exzellente Grundlagen, aber die zu erwartende Rezession wird auch uns vor neue Aufgaben stellen", sagte Zwanziger. Man überprüfe deshalb, welche Stellschrauben man eventuell zurückdrehen könne. Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten der Nachwuchsarbeit gehen: "Die Jugendförderung ist eine Quelle, die nie versiegen darf, wenn wir langfristige Erfolge feiern wollen.“

Bau eines nationalen Leistungszentrums möglich

Im Gegenteil: sogar ein Ausbau der Nachwuchsarbeit wird DFB-intern diskutiert. Gegenwärtig prüfe man, ob ein nationales Leistungszentrum nach Vorbild Frankreichs die Talente-Förderung noch einmal verbessern könne. Hierzu befindet sich aktuell eine DFB-Delegation in Frankreich, der unter anderem Oliver Bierhoff, Matthias Sammer sowie Assistenztrainer Hansi Flick angehören. "Wenn die Delegation zurück ist, prüfen wir, ob wir mit einem solchen Konzept noch stärker in der Nachwuchsarbeit sind. Wenn wir hier zu einem positiven Beschluss gelangen, werden wir die wirtschaftliche Machbarkeit prüfen.“ 

Mehr als 6,5 Millionen Mitglieder

Auch sonst hatte Zwanziger gute Nachrichten zu vermelden. Erstmals in seiner 108-jährigen Geschichte hat der DFB die Marke von 6,5 Millionen Mitgliedern überschritten. Und auch im Frauenfußball seien enorme Zuwachsraten zu verzeichnen, erstmals hat der Verband mehr als eine Million weibliche Mitglieder. Eine ganz normale Bilanz-Pressekonferenz also. Wenn da nicht das überraschende Ende gewesen wäre.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: