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WM 2010: WM-Kosten laufen aus dem Ruder

WM-Finanzierung  

Fass ohne Boden - WM-Kosten laufen aus dem Ruder

08.06.2010, 15:46 Uhr | dpa, dpa

WM 2010: WM-Kosten laufen aus dem Ruder . Eingang zur FIFA-Zentrale in Zürich (Foto: imago)

Eingang zur FIFA-Zentrale in Zürich (Foto: imago)

Die letzte Hiobsbotschaft aus dem Land der Weltmeisterschaft ist noch ganz frisch: Wir benötigen für den Endspurt der Vorbereitungen einen kräftigen Zuschuss, lautete der Hilferuf aus Johannesburg nach Zürich. Dort musste der sehr reiche Weltverband FIFA seinen prall gefüllten Geldsack erneut öffnen. Die Überweisung von 100 Millionen Dollar wurde mit dem Zusatz versehen: Nun reicht's, mehr gibt es nicht. Ob da aber das letzte Wort gesprochen ist, muss sich zeigen. Durch die enorme Überziehung sämtlicher WM-Etats in Südafrika erweist sich das Weltfest des Fußballs als ein Fass ohne Boden. Das Land ächzt unter seinen Lasten und die FIFA fürchtet um ihre Bilanzen.

Dabei ist der am Zürichsee prächtig residierende Fußball-Konzern vergleichsweise in einer komfortablen Situation. 2,8 Milliarden Euro Gesamteinnahmen sind in trockenen Tüchern und damit rund 700 Millionen Euro mehr als bei der einträglichen Deutschland-WM 2006. Da lassen sich die Mehrausgaben für die Weltmeisterschaft am Kap der Guten Hoffnung leicht verkraften. 630 Millionen Euro betrugen die Kosten der FIFA vor vier Jahren. 880 Millionen Euro waren diesmal kalkuliert. Durch das Nachschießen der 100 Millionen Dollar ist die Milliarden-Euro-Grenze fast erreicht.

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FIFA muss erneut zuschießen

423 Millionen Dollar (336 Millionen Euro) machte der letzte Etatansatz des südafrikanischen Organisationskomitees (OK) aus, für Personal, Transport und temporäre Maßnahmen. Bis zu 220 Millionen Dollar Direktzahlungen hatte der Weltverband zugesagt, 203 Millionen Dollar sollten durch den Ticket-Verkauf hinzukommen. Da dieses Geschäft durch den Billigverkauf großer Restbestände weniger einträglich ist als geplant und immer neue Anforderungen hinzukamen, musste nun die FIFA erneut zuschießen. Alles ist in Bewegung. Es gibt eine große Problematik, wer die Übertretungen bezahlen soll, sagt ein FIFA-Mann.

Ein wenig Sehnsucht schwang da mit, denn bei der WM 2006 hatte sich die FIFA neben dem Abtreten der Einnahmen aus dem Eintrittskartengeschäft zu einem Zuschuss an das deutsche OK von 170 Millionen Euro verpflichtet. 49 Millionen Euro davon konnte das OK an den Weltverband zurückzahlen. Mit einem Etat von 430 Millionen Euro und einem Überschuss von 155 Millionen Euro vor Steuern wurde die WM auch für den Veranstalter zu einem lohnenden Geschäft. Dazu beigetragen hatte auch das einträgliche Hospitality-Programm für die VIPs. In Südafrika bringt es überhaupt keine Rendite, offenbarte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke.

Südafrika-WM wirft mehr ab als WM in Deutschland

All zu viel Grund zum Grämen hat FIFA-Präsident Joseph Blatter jedoch nicht. Bereits vor der von ihm betriebenen Vergabe der WM 2004 konnte er sicher sein, dass sein Unternehmen aus dieser ersten Weltausstellung des Fußballs in Afrika mehr Profit schlagen würde als im reichen Deutschland. Das resultierte aus den bereits abgeschlossenen TV- und Sponsorenverträgen. Allein Europa musste für das Fernsehen eine Milliarde Euro zahlen und damit das doppelte wie für die WM 2006. Zudem hat sich die FIFA für alle Notfälle eine prächtig gefüllte Sparkasse angeschafft. Stand Ende 2009: 880 Millionen Euro.

Kosten doppelt so hoch wie geplant

Völlig aus dem Ruder gelaufen sind jene beiden Etats, für die der südafrikanische Staat aufkommen muss. Selbst die zuletzt auf rund vier Milliarden Euro angewachsene Planzahl für den Stadienbau und die Arena nahen Infrastrukturkosten wird nicht haltbar sein. FIFA-Experten rechnen mit einem Anstieg für den Neu- und Umbau von zehn Stadien auf zwei Milliarden Euro. Das wäre eine Überziehung der geplanten Kosten von deutlich mehr als jene 88 Prozent, die die Investmentabteilung der Schweizer Bank UBS in ihrer Studie zum Jahresbeginn ausgerechnet hatte.

Für diese Entwicklung trägt die FIFA eine Mitverantwortung. Ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen Südafrikas setzte sie ihre äußerst anspruchsvollen Mindestbedingungen für Größe und Ausstattung der Arenen durch. Das führte beispielsweise in Kapstadt dazu, dass statt eines preiswerten Ausbaus einer bestehenden Anlage für 420 Millionen Euro ein Stadion-Tempel unter dem Tafelberg empor wuchs, bei einer Kostenexplosion von 166 Prozent. Der wird für die schönsten WM-Bilder, aber auch für das größte Problem sorgen. Ausreichende Nachnutzung ist dort - wie in den meisten anderen Städten - nicht in Sicht.

Wirtschaft am Kap profitiert - trotz Krise

Das gilt nicht für den größten Etat des Landes. Jene 18 Milliarden Euro, die die Regierung angibt für die Infrastruktur-Verbesserungen im öffentlichen Verkehr, sind von nachhaltiger Wirkung und lassen sich noch erhöhen auf bis zu 36 Milliarden Euro - je nach dem, von welchem Zeitpunkt aus und mit welcher Maßnahmen sie in einen Zusammenhang mit der WM gebracht werden. Die UBS-Dokumentation hat seit 2006 das Entstehen von 335.000 neuen Jobs errechnet und die Erhöhung des Brutto-Inlandsprodukts in den letzten drei Jahren zwischen 0,5 und 2,2 Prozent. Dies war ein willkommenes, allerdings mit höheren Schulden finanziertes Konjunkturprogramm in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise, die Südafrika rund eine Million Arbeitsplätze gekostet hat.

Den Gewinn 2010 sollen nun die WM-Touristen bringen, wobei sich die riesigen Erwartungen von ursprünglich einer halben Million Gäste inzwischen halbiert haben. Immerhin wird die Zahl der Gäste in diesem Jahr erstmals über die 10-Millionen-Grenze steigen mit der Hoffnung, dass die WM in den kommenden Jahren eine Dauerrendite abwirft. Der Gesamtnutzen Südafrikas errechnet sich daraus, ob und wie es dem unter extremer Armut leidenden Schwellenland gelingt, die bevorstehende Weltmeisterschaft vor den Augen der Welt zu einem glänzenden Erfolg zu führen.

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