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WM 2010: Die große Angst vor dem Skandal-Schiedsrichter

Der Welt-Fußball hat ein Schiedsrichter-Problem

23.06.2010, 09:26 Uhr | t-online.de, t-online.de

WM 2010: Die große Angst vor dem Skandal-Schiedsrichter. Im ersten Spiel der DFB-Elf sah der Australier Cahill für ein gelb-würdiges Foul glatt Rot. (Fotos: imago)

Im ersten Spiel der DFB-Elf sah der Australier Cahill für ein gelb-würdiges Foul glatt Rot. (Fotos: imago)

Es ist soweit. Immer mehr deutsche Fußball-Fans fürchten sich nicht mehr vor dem Gegner der deutschen Nationalmannschaft, die gegen Ghana ran muss (Mittwoch, live ab 20.15 Uhr im t-online.de Live-Ticker), sondern einzig und allein vor dem Schiedsrichter. Sie zermartern sich nicht mehr den Kopf darüber, wie wir Kevin-Prince Boateng stoppen können, welche Taktik und welche Aufstellung Bundestrainer Löw wohl wählen wird, der einziger Gedanke ist: Hoffentlich verpfeift uns der Schiedsrichter nicht, um mit Ghana wenigstens ein afrikanisches Team im Achtelfinale zu haben. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Der Brasilianer Carlos Simon, genannt der Sheriff, weil er die Karten schneller zieht als einen Colt, wird das Spiel leiten. Er gilt als Skandal-Schiedsrichter. Davon gibt es bei dieser WM jede Menge. Das Problem ist offensichtlich, nur die FIFA stellt sich wieder einmal taub und blind. (zur Foto-Show: Klicken Sie sich durch die gröbsten Fehlentscheidungen)

Die überraschende rote Karte gegen den Franzosen Yoann Gourcuff nach 26 fairen Minuten gegen Südafrika für ein klassisch gelbwürdiges Foul ließ selbst Daueroptimisten ins Grübeln kommen. Sollte hier versucht werden, den Gastgeber irgendwie ins Achtelfinale zu bringen? Die WM ist noch in der Gruppenphase, doch die Liste der Fehlentscheidungen ist mittlerweile ellenlang. Wenn es wenigstens nur die Schiedsrichter aus sogenannten Fußball-Entwicklungsländern wären, die durch - sagen wir mal – eine gewisse Unkonventionalität Farbe ins Spiel bringen: Man wüsste wenigstens, woran man ist. Ja gut mei, das Regelbuch der FIFA gibt’s halt noch nicht auf Bambara, wie soll der Mann aus Mali dann auch richtig pfeifen.

WM 2010 - Videos
Karten-Alarm!

Umstrittener Schiri: "Sheriff" Simon zieht die Karten wie Cowboys ihre Colts. zum Video

Doch als Stéphane Lannoy im Spiel der Elfenbeinküste gegen Brasilien Kaká nach einer Tätlichkeit, die zwingend eine rote Karte nach sich ziehen muss, nur die gelb-rote Karte zückte, war auch dieser Glaube endgültig zerstört. Lannoy ist Franzose, hat 97 Spiele in der französischen Liga auf dem Buckel, sieben Spiele in der Champions League geleitet und ebenso viele Matches in der Europa League. Lannoy muss doch wissen, wie man eine Tätlichkeit bestraft.

Deutschland hatte schon seinen Schiri-Skandal

Gerade die deutschen Fans mussten in den letzten Jahren einiges durchmachen. Kam doch erst kürzlich allerhand skandalträchtiges ans Tageslicht, was alles so abgeht im Schiedsrichterwesen, das über Jahrzehnte einem geheimen, mittelalterlichen Männerbund glich. Wäre es nicht zum Skandal um Manfred Amerell gekommen, wäre es wohl noch Jahrzehnte so weitergegangen. In Zeiten der Wett-Mafia, die auch vor Betrügereien in der Champions League nicht zurückschreckt, rückt das Amt des Schiedsrichters mehr in den Fokus als jemals zuvor. Der naive Glaube, dass der Unparteiische tatsächlich unparteiisch ist, bekommt immer größere Risse. Irgendwann ist die Naivität der Fußball-Anhänger gänzlich aufgebraucht.

Wenn Markus Merk dieser Tage von "Wettbewerbsverzerrung" spricht, sollte man ganz genau hinhören. "Starke Charaktere will man jetzt nicht mehr haben. Alle Schiedsrichter werden in ein Korsett gezwungen. Das ist ganz bitter. Die Schiedsrichter sind bei der WM derart verunsichert, dass sie entweder total gehemmt oder ganz kleinlich pfeifen", sagte der dreimalige Welt-Schiedsrichter des Jahres. "Das beeinflusst die Ergebnisse beim Turnier. Aber die Kommission interessiert ohnehin mehr, ob die Rote Karte mit der rechten oder linken Hand gezeigt wird."

FIFA versucht das Problem wieder einmal auszusitzen

Der Schiedsrichter-Kommission bei der FIFA sitzt Jose Maria Garcia-Aranda  vor. "Alle halten sich an die Regeln, einheitlich und konstant", zog der Spanier dieser Tage allen Ernstes ein rundherum positives Zwischenfazit: "Wir haben bisher exzellente Schiedsrichterleistungen gesehen und sind sehr zufrieden." Diese Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht all derer, die noch irgendwie Krampfhaft ans Gute im Fußball glauben.

Dabei hat sich die FIFA doch ganz eherne Ziele in die Präambel geschrieben: "Da Fussball eine globale Sportart ist, müssen die Spielregeln auf der ganzen Welt in gleicher Weise interpretiert und angewandt werden. Aus diesem Grunde bildet die FIFA ihre Schiedsrichter kontinuierlich aus, damit deren Leistungen immer besser und die Spielregeln überall gleich angewandt werden." Klingt gut, doch man fragt sich, angesichts der Tatsache, dass selbst vor Jahrzehnten die Schiedsrichterleistungen schon mal besser waren, was die FIFA in ihrer Ausbildung für die Unparteiischen all die Jahre gemacht hat. Bekannt ist nur, dass sie den Referees einen Maulkorb verpasst hat. "Die FIFA mag es nicht, dass wir über unsere Arbeit sprechen und will es lieber dabei bewenden lassen", sagte Alberto Undiano nach seinem Kartenfestival beim Spiel Deutschland gegen Serbien.

Der Sheriff aus Brasilien macht deutschen Fans Angst

Das Spiel gegen Ghana wird Carlos Simon leiten. Der 44-jährige Brasilianer ist nicht nur in seiner Heimat höchst umstritten. Im November 2009 wurde er nach einer Serie fragwürdiger Fehlentscheidungen für sechs Wochen gesperrt  - vom eigenen Nationalverband CBF. Ein Jahr zuvor hatte Brasiliens größter Traditionsklub, Flamengo Rio de Janeiro, eine DVD mit Fehlpfiffen Simons übersendet, inklusive Beschwerdebrief. Doch die FIFA, die bereits drei Jahre vor einem Welt-Turnier die Schiedsrichter bestimmt scheint das wenig zu interessieren.

Das Turnier in Südafrika ist übrigens Simons dritte Weltmeisterschaft. Angesichts seines zweifelhaften Rufes fragt man sich, ob Brasilien in den letzten zwölf Jahren nicht einen einzigen Referee herausgebracht hat, der besser ist als die Skandalnudel. Seine angeblich guten Beziehungen zum Boss des brasilianischen Fußballverbandes Ricardo Teixera sollen bei seiner Nominierung allerdings keine Rolle gespielt haben. So, so.

Irgendwann ist es nicht mehr lustig

Es bleibt zu hoffen, dass die FIFA ihre Konsequenzen zieht, allein es fehlt der Glaube. Zu mächtig, zu geheim, zu viele Funktionäre mit zu vielen Seilschaften, Gefälligkeiten und Abhängigkeiten, zu viele Nistplätze, in denen sich vorzüglich Leben lässt und natürlich viel, viel Geld, das es zu verteilen gibt. So wird das größte Sportereignis der Welt immer mehr zur Farce.

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