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Mustafa Dogan: "Für die Türkei hätte ich mehr Länderspiele gemacht"

"Für die Türkei hätte ich mehr Länderspiele gemacht"

06.10.2010, 10:39 Uhr | t-online.de, t-online.de

Mustafa Dogan: "Für die Türkei hätte ich mehr Länderspiele gemacht". Mustafa Dogan im Trikot von Besiktas Istanbul (Foto: imago)

Mustafa Dogan im Trikot von Besiktas Istanbul (Foto: imago)

Das Interview führte Sebastian Schlichting

1999 ist Mustafa Dogan (34) als erster Spieler mit türkischen Wurzeln für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen. Dogan war 1996 von Bayer Uerdingen nach Istanbul gewechselt, spielte dort sieben Jahre für Fenerbahce, drei Jahre für Besiktas und zwischendurch beim 1. FC Köln. 2007 beendete er seine Karriere.
Vor dem EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und der Türkei (Freitag ab 20.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker) spricht Dogan im Interview mit t-online.de über seine Karriere als Nationalspieler, Mesut Özils Entscheidung, für Deutschland zu spielen und verrät, was er in der Türkei vermisst.
Herr Dogan, Sie haben türkische Wurzeln, haben für Deutschland gespielt und leben seit vielen Jahren in Istanbul. Für wen schlägt am Freitag Ihre Herz?
Mustafa Dogan: Also zuerst einmal hoffe ich, dass es ein gutes Spiel wird. 

Das ist aber sehr diplomatisch…
Nein, das hat damit zu tun, dass unser Sender das Spiel überträgt.

Sie arbeiten als Experte für den TV-Sender NTV Spor. Wie schätzt der Experte die Situation ein?
Deutschland ist eine eingespielte Mannschaft, sie haben eine starke Truppe. Natürlich sind sie der große Favorit.

Und was trauen Sie der Türkei zu?
Gegen starke Gegner zerreißen sich die Spieler, gegen schwache fehlt manchmal etwas. Bei der Qualifikation zur WM 2010 beispielsweise haben sie zweimal gegen Spanien sehr gut gespielt und nur knapp verloren, aber gegen kleine Gegner die Punkte liegen lassen. Trainer Guus Hiddink ist optimistisch, dass es mit der Qualifikation klappt. Ich hoffe, er ist nicht zu optimistisch. Denn ich sehe ein großes Problem: Es fehlt an gutem Nachwuchs. Stattdessen wird ein 33-Jähriger Nationalspieler…

…Ömer Erdogan, der im September sein Debüt gegeben hat.
Das ist für mich nicht der richtige Weg. Die Türkei ist fast so groß wie Deutschland, hat eine junge Bevölkerung. Aber seit langem kommen kaum Talente nach oben. Da muss man sich Gedanken machen.

Zum Beispiel?
Die Türkei besteht nicht nur aus Istanbul. Aber in kleineren Städten werden die Talente zu spät entdeckt. Wenn jemand 18 ist, ist es schwieriger, ihn zu formen als mit 13. Talent mit Taktik verbinden, das geht bei jüngeren Spielern viel einfacher. Es setzt langsam ein Umdenken ein, aber das geht nicht von heute auf morgen.

Die Türkei hat ein großes Netz an Scouts, die in Deutschland nach Talenten suchen.
Das ist nicht falsch, aber man darf nicht zu sehr darauf bauen, Spieler in die Nationalelf zu holen, die in Deutschland ausgebildet wurden. Hauptsächlich darauf zu setzen, ist zu wenig. Es muss ein zweigleisiges System geben und mehr selbst ausgebildet werden.

Als sich Mesut Özil 2009 gegen die Türkei und für Deutschland entschieden hat, führte das in der Türkei zu teils heftigen Reaktionen. Wie sieht es heute aus?
Danach herrschte eine negative Stimmung, aber während der WM waren viele Menschen stolz auf ihn. Und als er zu Real Madrid gegangen ist, hat sich das verdoppelt, nein,  vervierfacht.

Hat er in Ihren Augen richtig entschieden?
Es war für ihn sicher nicht leicht. Er hat viele Jugend-Nationalmannschaften in Deutschland durchlaufen. Warum sollte er für die Türkei spielen? Andererseits hat er türkische Eltern und ist sicher im Innern auch Türke. Seine Karriereplanung ist jedenfalls voll aufgegangen. Nur als Deutscher konnte er diese tolle WM spielen, und sonst wäre er jetzt sicher nicht bei Real Madrid. Auf jeden Fall wird es Freitag für ihn ein besonderes Spiel.

Nuri Sahin oder die Altintop-Zwillinge haben einen anderen Weg eingeschlagen, sie spielen für die Türkei.
Man kann nicht allgemein sagen: Diese oder diese Entscheidung ist die bessere. Die Altintops etwa wären in Deutschland vielleicht nicht Nationalspieler geworden oder würden zumindest nicht so oft spielen. Bei Nuri dagegen hat es den Anschein, als wäre Deutschland die bessere Wahl gewesen, da er in der Türkei nicht so gut ankommt und es selten in die Startelf schafft.

Deutschland oder Türkei, auch Sie standen einmal vor dieser Entscheidung…
…wobei es bei mir etwas anders war. Die Regelung war noch eine andere. Wer in der Jugend für ein Land gespielt hatte, konnte danach nicht mehr wechseln.

Sie wurden deutscher Nationalspieler, kamen aber nur auf zwei Einsätze. Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie dann für die Türkei auflaufen?
Eines steht fest: Für die Türkei hätte ich mehr Länderspiele gemacht. Aber ich würde es nicht anders machen. Es waren zwar nur zwei Spiele, aber es hat mich stolz gemacht, für Deutschland zu spielen, und meiner Karriere hat es definitiv geholfen.

Inwiefern?
Vor der A-Nationalmannschaft habe ich in mehreren Jugend-Nationalmannschaften und in der A2 gespielt. Insgesamt fast 50 Mal. Dadurch bin ich bekannt geworden. Sonst wäre Fenerbahce kaum auf mich aufmerksam geworden. Die geben ja nicht Millionen für einen völlig unbekannten Spieler aus.

Özil bekam Begriffe wie „Vaterlandsverräter“ zu hören. Wie war das bei Ihnen?
Nicht so heftig. Aber als ich 1999 in München gegen die Türkei eingewechselt wurde, bin ich von den türkischen Fans ausgepfiffen worden.

Hat Sie das getroffen?
Es stand 0:0, das war für die Türkei zu wenig. Die Fans waren enttäuscht, dann wird einer eingewechselt, der auch für die Türkei hätte spielen können. Da ist die Reaktion doch verständlich.

Sie leben mit einer kurzen Unterbrechung seit 1996 in der Türkei. Gibt es eigentlich etwas, dass Sie aus Deutschland vermissen?
Ich bin immer noch gern in Deutschland zu Besuch, aber Istanbul ist eine herrliche Stadt. Ich genieße das Leben hier und das Wetter ist meist viel besser als in Deutschland (lacht). Aber vermissen tue ich den deutschen Quark.

Quark?
Ja, ich habe hier keinen so guten gefunden wie in Deutschland. Den lass ich immer mitbringen, wenn meine Eltern oder meine Geschwister uns hier besuchen.

Herr Dogan, jetzt noch einmal Hand aufs Herz: Für wen sind Sie am Freitag? 
Ganz ehrlich: Für die Türkei. Denn ich gehe davon aus, dass Deutschland die Gruppe ohnehin gewinnt. Aber ich hoffe, dass sich beide Mannschaften für die EM qualifizieren. Deutschland als Erster, die Türkei als Zweiter. So wie damals, als ich 1999 in der EM-Qualifikation gegen die Türkei gespielt habe.

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