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Klinsmann: Deutschland kann Europameister und Weltmeister werden

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EM 2012 - Nationalmannschaft  

Deutschland kann Europameister werden

08.06.2011, 10:45 Uhr | t-online.de

Klinsmann: Deutschland kann Europameister und Weltmeister werden. Jürgen Klinsmann glaubt an die DFB-Elf. (Foto: imago)

Jürgen Klinsmann glaubt an die DFB-Elf. (Foto: imago)

Das Interview führte Jörg Runde

Gut gelaunt präsentierte sich Jürgen Klinsmann als Hyundai-Markenbotschafter bei der offiziellen Übergabe der 16 Teambusse der WM-Teilnehmer an das OK 2011. Mit Chefin Steffi Jones plauderte der ehemalige Bundestrainer vor allem über das anstehende Großereignis in Deutschland. Im Interview mit t-online.de äußerte sich Klinsmann dann ausführlich zur Entwicklung im Frauen-Fußball. Zudem sprach er über die Perspektiven von Jogi Löws Auswahl und seine persönliche Situation.

Herr Klinsmann, die Frauen-WM 2011 steht vor der Tür. Weckt das bei Ihnen Erinnerungen an das Sommermärchen 2006?
Ich freue mich zunächst einmal auf die WM in Deutschland. Auf die Verbindung zum Sommermärchen 2006 werde ich immer wieder angesprochen, da lässt sich das nicht vermeiden. Ich rede natürlich sehr gern über die schönen Tage.

Können Sie den Druck, den Bundestrainerin Silvia Neid und ihr Team derzeit spüren dürften, nachempfinden?
Hier in Deutschland wird Druck leider immer als negativ gesehen. Aber eine WM im eigenen Lande ist was Schönes und der Druck kann sich entladen und zu Vorfreude oder Spielfreude werden. Ich bin mir sicher, wenn der Ball erst rollt, werden die DFB-Frauen voller Begeisterung das Ziel WM-Titel angehen. Das wird dann zum Selbstläufer.

Sind Sie selbst vor Ort?
Spätestens beim Endspiel bin ich wieder hier. Ich wünsche mir natürlich ein Finale Deutschland gegen die USA. Dazwischen schaue ich mir die Spiele im Fernsehen an, die in den USA alle übertragen werden. In Amerika hat Frauen-Fußball einen ganz anderen Stellenwert. Da spielen fast genauso viele Mädchen Fußball wie Jungs. Das wird sich in Deutschland zwar kaum realisieren lassen, einen Boom gibt es aber ganz bestimmt.

Könnten Sie sich vorstellen, eine Frauen-Mannschaft zu trainieren?
Nein, das schließe ich eigentlich aus. Denn eine Frauen-Mannschaft hat ein ganz anderes Teamgefüge als ein Männerteam. Das ist eine ganz besondere Herausforderung in der täglichen Arbeit – vor allem auch in der gesamten Kommunikation. Da kenne ich mich zu wenig aus.

Sie werden immer mal wieder bei Klubs in England oder Deutschland gehandelt. Wie sieht denn Ihre berufliche Planung aus?
Wenn alle Konstellation passen und die richtigen Leute am richtigen Fleck sind, dann bin ich natürlich offen für neue Aufgaben. Im Fußball kann das ja sehr schnell gehen. Aber im Moment ist das unrealistisch. Mir geht's persönlich hervorragend, ich bin voll engagiert in meiner Firma, wir betreuen in den USA Profiklubs.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Sportart Fußball in den USA?
Der Fußball dort wird weiter wachsen. Fußball ist die Sportart, die den größten Zulauf hat. Vor allem vom Baseball und American Football laufen die Kinder über. Im American Football besteht das Problem, dass sich die Kids schon früh böse verletzen können. Das Risiko wollen die Eltern nicht mehr in Kauf nehmen.

Hat diese positive Entwicklung Auswirkung auf die Qualität der Nationalmannschaft?
Das ist schwierig zu sagen. Fußball ist in den USA ein rein organisierter Sport, Straßenfußballer gibt es dort so gut wie gar nicht. Die Kinder spielen im Verein also zwei Mal die Woche und haben am Wochenende ein Spielchen. Das reicht natürlich in der Stundenzahl nicht aus im Vergleich zu den Nationen in Südamerika oder Europa, wo dazu noch zehn bis zwölf Stunden in der Woche gebolzt wird. Das versuchen die Amerikaner jetzt auch anzugehen.

Warum ist das so schwierig?
In Amerika will man den Sport, wie in den traditionellen Sportarten Baseball, Basketball oder American Football, von Beginn an lehren. Das Spiel wird immer wieder unterbrochen, um zu erklären. Dort herrscht der Gedanke vor, der Trainer ist dazu da, das Spiel zu erklären. Fußball ist vor allem auch bei Kindern in hohem Maße selbsterklärend. Der Trainer gibt eigentlich nur einen Leitfaden an die Hand, er erklärt aber nicht jeden Pass und jedes Dribbling. Das muss der Spieler instinktiv entwickeln.

Dass die USA in die absolute Weltspitze vorstoßen, ist in nächster Zeit also nicht zu erwarten?
Die USA haben ja schon eine gute Mannschaft und gehören zur erweiterten Weltspitze. Aber sie stoßen an ihre Grenzen, wenn es gegen technisch versierte und kreative Teams geht.

So wie zuletzt gegen Spanien?
Da haben sie beim 0:4 richtig einen auf die Mütze bekommen. Weil die Spanier gedanklich immer zwei, drei Stufen voraus sind.

In Deutschland ist gerade ein Talenteboom zu spüren. Gibt es Vergleichbares auch in den USA?
In den USA haben die Verantwortlichen der Nachwuchsverbände und der Vereine eine unglaubliche Macht und ein großes finanzielles Volumen. Die wollen Veränderungen. Da tut sich gewaltig etwas. Bis sich das auf die Nationalmannschaft auswirkt, kann das dauern.

Wo ordnen Sie den Nachwuchs im Vergleich zu den DFB-Jungstars Mario Götze, André Schürrle und Co. ein?
Da sind die deutschen Talente natürlich ganz weit voraus. In Deutschland müssen sich schon die jungen Spieler einem enormen Konkurrenzkampf stellen. Sie müssen sich ständig beweisen, sie lernen bereits mit Druck umzugehen. Die Spieler sind viel besser vorbereitet auf die Extremsituationen in der Bundesliga und stehen dann schon ihren Mann. Und sie sind konstanter in ihrer Leistung. Das alles ist in den USA noch nicht gegeben.

Ist die Nachwuchsförderung in Deutschland führend in der Welt?
Deutschland ist eines der Top-Beispiele, wie erfolgreiche Jugendarbeit aussehen kann. Internate wie in der Bundesliga gibt es aber auch in Brasilien, Argentinien, Mexiko oder natürlich in Spanien. Ich denke da an das absolute Paradebeispiel Barcelona. Das ist Extraklasse. Auf jeden Fall geht es überall in die Richtung, die Jugendlichen an den Wettkampfstress zu gewöhnen.

Ein Fokus von Ihnen lag immer auch auf der Persönlichkeitsentwicklung.
Ja, das ist mir auch heute noch sehr wichtig. Auch da gibt es eine positive Entwicklung. Den Menschen weiter zu bringen, akademisch und als Persönlichkeit, das ist mit entscheidend, um weiter führend zu sein. In Deutschland ernten wir derzeit ja die ersten Früchte.

Gibt es auch in Deutschland noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Auf jeden Fall. Ganz wichtig ist der Übergang vom Jugendbereich in den Profi-Fußball. Da darf nicht plötzlich ein Stoppschild stehen. Da muss weiter an der Persönlichkeitsentwicklung gearbeitet werden. Ein junger Spieler macht Abitur, wird dann Profi und dann heißt es oft von ihm: "Jetzt konzentriere ich mich voll auf den Fußball." Das ist Geschwätz. Da muss es eine weitere geistige Fortbildung geben, um in der extremen neuen Fußball-Landschaft klar zu kommen.

Was meinen Sie mit extremer Fußball-Landschaft?
Die mediale Aufmerksamkeit ist enorm gestiegen, dazu kommt der Umgang mit Beratern, rechtliche und vertragliche Fragen müssen geklärt werden. Dafür ist die Persönlichkeitsentwicklung enorm wichtig. Das ist das Thema Nummer eins. Barcelona macht das absolut vorbildlich. Spieler wie Xavi, Iniesta und Messi zeigen, wie es geht. Wie sie sich geben, das hat einfach Klasse.

Einen Schulabbruch wie bei Schalkes Draxler im Sommer würden Sie also nicht unterstützen?
Nein. Ich sehe überhaupt keine Probleme, den schulischen Abschluss mit dem Hochleistungssport zu kombinieren. In den USA ist das völlig normal. Da gehen die Spitzensportler aufs College und trainieren dennoch weiter, manchmal sogar zwei Mal am Tag.

Es bleibt ja in der Regel auch im Profifußball noch Zeit für andere Dinge.
Viele denken bei uns, wenn sie mal einen Profivertrag unterschrieben haben, dreht sich alles nur noch um Fußball. Wenn du aber die Stunden hochrechnest, die du mit Fußball verbringst, hast Du genug Zeit, noch eine Fortbildung zu machen. Ob akademisch oder persönlich ist egal. Wichtig ist, dass man an sich arbeitet. Diese Erkenntnis wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.

Mit den ganzen Top-Talenten: Wo sehen Sie Deutschland im Moment im Weltfußball?
Spanien ist meine Nummer eins, Brasilien ist die Nummer zwei. Deutschland sehe ich auf Platz drei.

Was fehlt der DFB-Elf noch bis ganz oben, bis zu einem Titel?
Das ist natürlich eine Frage, die an Jogi Löw gehen müsste. Er kennt die Energie, die in der Truppe steckt, er sieht das Level des Selbstbewusstseins, den Glauben der Jungs an die eigene Stärke. Und er kennt auch die Grenzen der Mannschaft. Wichtig ist, dass sich die Mannschaft jetzt selbst den Anspruch gibt, Spanien bei der EM 2012 anzugreifen und dann auch bei der WM in Brasilien etwas zu reißen. In Deutschland erwartet man immer, dass man Titel holt. Wichtig ist aber, dass der Glaube daran im Inneren der Spieler verankert ist.

Ist eine öffentliche Kampfansage sinnvoll?
Ja, auf jeden Fall. "Wir wollen jetzt einen Titel“, hat Sami Khedira letztens gesagt. Das hat mir gefallen. Das ist ausschlaggebend für eine Generation talentierter Spieler, dass sie diese Gier nach Titeln in sich trägt. Deshalb bin ich zuversichtlich. Deutschland kann Europameister und auch Weltmeister werden.

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