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Paralympics: Regularien sorgen für Zoff

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Fragwürdige Regularien bei den Paralympics

02.09.2012, 15:40 Uhr | sid

Paralympics: Regularien sorgen für Zoff. Wojtek Czyz holte Silber - und übte danach Kritik. (Quelle: dpa)

Wojtek Czyz holte Silber - und übte danach Kritik. (Quelle: dpa)

Die Sache ist sogar dem Sieger Markus Rehm unangenehm. Trotz seiner famosen 7,35-Meter-Weltrekordweite und Gold im Weitsprung übt der Prothesen-Athlet Kritik an den Regularien der Paralympics: "Das ist nicht okay, das muss in Rio besser werden", sagte Rehm. Er ist bei weitem nicht der Einzige, der mit den Regularien nicht einverstanden ist.

Deutliche Worte findet Karl Quade, der deutsche Chef de Mission: "Das ist pervers, dass die Ober- und Unterschenkelamputierten zusammen springen, so ein Punktesystem wie in der Leichtathletik ist Mist und unverständlich. Wie kann man nur so etwas machen wie beim Weitsprung? Das ist Unsinn."

Nicht nur Leichtathleten betroffen

Der hervorragende sportliche Auftakt der Paralympics wird von einer Fairness-Debatte begleitet, an der sich neben den Leichtathleten auch Radsportler wie Michael Teubert und Schwimmerin Kirsten Bruhn beteiligen.

Das Problem: Wegen mangelnder Athletendichte werden bei den Spielen verschiedene Behindertenklassen zusammengefasst. Das hat zur Folge, dass Rehm im Weitsprung durch ein seltsames Punktesystem quasi unschlagbar war und Marianne Buggenhagen die Kugel 82 Zentimeter weiter stieß als Yang Liwan, hinter der Chinesin aber nur Silber gewann. Klassifizierung ist für viele Gehandicapte ein Unwort.


Auch 8,95 Meter hätten nicht gereicht

"Ich hätte ungelogen den Nicht-Behinderten-Weltrekord springen können und hätte nicht gewonnen", sagte der oberschenkelamputierte Silbermedaillengewinner Wojtek Czyz. Zu Erinnerung: Der angesprochene Rekord steht bei 8,95 Meter. 2004 und 2008 hatte er noch jeweils Gold geholt - und auch 2012 fühlt sich er sich mit seiner persönlichen Bestweite von 6,33 Meter als Sieger.

"Die können ja zusammen springen, müssen aber einzeln gewertet werden. Die Sportler sind einfach viel professioneller geworden, das geht nicht mehr", forderte Quade, der auch Vizepräsident Leistungssport beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) ist. Die deutsche Teamführung habe während der Spiele bis zum 9. September in der britischen Hauptstadt noch ein Treffen mit anderen führenden Nationen, um die Probleme zu diskutieren.

Weltmeister hat "die Schnauze voll"

Bei der Thematik geht es nicht nur um Anzahl und Zusammenlegung der Klassen, sondern auch um die Einteilung der Sportler in ebenjene Gruppen. Wenn Michael Teubert darüber spricht, gerät der Bayer in Rage. Der mehrmalige Weltmeister hat "die Schnauze voll", vor allem vom Rad-Weltverband UCI, der ihn seiner Meinung nach in eine Klasse verbannt hatte, in der er kaum Chancen hat. "Ich habe es nicht nötig, mich von Funktionären schikanieren zu lassen", schimpfte der Routinier, der deswegen sogar seine Bahn-Karriere beenden will.

Anfechten oder sich mit der Klassifizierung abfinden: Vor der Entscheidung stehen viele Sportler bei den Paralympics. Die querschnittsgelähmte Schwimmerin Kirsten Bruhn muss gegen Rivalinnen antreten, die ihre Beine zum Teil einsetzen können. "Es ist müßig, über die Klassifizierung zu diskutieren", sagte die mehrmalige Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin der Jahre 2004 und 2008: "Ich bin nunmal in eine Klasse eingeteilt worden - Ende."

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