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Humboldt-Universität Berlin: Deutschland nutzte systematisches Doping

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Vom Staat finanziert: Doping in Deutschland

03.08.2013, 16:58 Uhr | sid

Humboldt-Universität Berlin: Deutschland nutzte systematisches Doping. Bei den Olympischen Spielen 1976 sollen zahlreiche deutsche Athleten gedopt gewesen sein.  (Quelle: imago/Werek)

Bei den Olympischen Spielen 1976 sollen zahlreiche deutsche Athleten gedopt gewesen sein. (Quelle: Werek/imago)

Die Doping-Vergangenheit West-Deutschlands während des Kalten Krieges sorgt weiter für Zündstoff. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet mit Verweis auf die bislang unveröffentlichte Studie "Doping in Deutschland" der Humboldt-Universität (HU) Berlin über neue Anzeichen für organisiertes Doping und entsprechende Rückendeckung durch staatliche Stellen.

Über teilweise noch unbekannt gewesene Fakten zu umfangreichen Doping-Forschungsprogrammen in westdeutschen Laboratorien, zusätzliche Informationen über den Umgang mit der Doping-Thematik auf politischer Seite und naheliegende Schlussfolgerungen hinaus liegen jedoch keine Nachweise für gezielte Leistungsmanipulationen bei westdeutschen Aktiven durch verbotene Substanzen vor.

Druck auf Sportmediziner ausgeübt?

Die HU zeigt in der 800 Seiten umfassenden Studie aus dem vergangenen Jahr vorliegt, dass "im westdeutschen Sport in einem erschreckenden Umfang und mit einer kaum glaublichen Systematik gedopt" worden wäre. Das Blatt sieht die Systematik durch mehrere Details der dreijährigen Studie als erwiesen an. Demnach zeigten die Berliner Forscher insbesondere auf, dass in mehreren Fällen Anabolika auch Minderjährigen zwischen 11 und 17 Jahren verabreicht worden wäre.

Zudem sollen Mitglieder der Bundesregierung vor den Olympischen Spielen 1972 in München zur Verbesserung der Medaillenbilanz Druck auf Sportmediziner ausgeübt haben. Westdeutsche Sport-Dachorganisationen hätten darüber hinaus Doping-Kritiker kalt gestellt sowie auch die Einführung effektiverer Trainingskontrollen auf nationaler Ebene teils mit fadenscheinigen Argumenten zumindest verschleppt und damit die Enttarnung westdeutscher Dopingsünder zu verhindern versucht.

1200 "Kolbe-Spritzen" in Montreal

Hinsichtlich der Doping-Forschung, die durch das dem Bundesinnenministerium unterstellten Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) einsetzend mit dem Beginn der 70er Jahre über einen längeren Zeitraum insgesamt zehn Millionen Mark (rund fünf Millionen Euro) erhalten haben soll, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" über zahlreiche Tests mit Anabolika, Testosteron, Östrogen und auch dem Blutdopingmittel Epo. Wären leistungsfördernde Wirkungen bei den Forschungen festgestellt worden, hätten die Experten den Wirkstoff ungeachtet möglicher Gesundheitsrisiken auch schnell zum Einsatz gebracht.

Die Studie weist auch auf den 1200-maligen Einsatz einer nach dem damaligen Ruder-Star Peter-Michael Kolbe benannten Spritze bei deutschen Athleten während der Olympischen Spiele 1976 in Montreal hin, allerdings hätten die benutzten und noch nicht abschließend erforschten Wirkstoffe auch nicht auf der Verbotsliste gestanden. Die Ergebnisse der 2008 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Auftrag gegebenen und 550.000 Euro teuren Studie, aus der auch die schon bekannt gewesenen Ephedrin-Vorwürfe gegen drei deutsche Nationalspieler aus dem Kader bei der WM 1966 in England stammen, sind immer noch nicht veröffentlicht.

"Großes Interesse an lückenloser Aufklärung"

Dies soll sich jedoch bereits in naher Zukunft ändern. Datenschutz- Bedenken gegen die Freigabe einer umfassenden Studie seien inzwischen ausgeräumt worden, "so dass einer Veröffentlichung insoweit nichts mehr im Weg steht", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die Klärungen seien im Interesse einer uneingeschränkten Verwertbarkeit der Ergebnisse erforderlich gewesen.

Konkret handelt es sich um den letzten Teil des 2008 initiierten Projekts "Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch- soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation". Das Innenministerium, das auch für Sport zuständig ist, habe "großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung und Bewertung der Dopingvergangenheit in beiden Teilen Deutschlands." Von den Forschungsergebnissen erhoffe man sich einen wichtigen Beitrag, betonte der Sprecher.

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