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Sotschi 2014: Jochen Behle sieht schwarz für deutschen Wintersport

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Ex-Bundestrainer Behle sieht schwarz  

"Schwere Zukunft für den deutschen Wintersport"

12.02.2014, 11:04 Uhr | sid

Sotschi 2014: Jochen Behle sieht schwarz für deutschen Wintersport. Von 2002 bis 2012 war Jochen Behle Bundestrainer für den Skilanglauf. (Quelle: dpa)

Von 2002 bis 2012 war Jochen Behle Bundestrainer für den Skilanglauf. (Quelle: dpa)

Die Biathletinnen patzten, Lisa Zimmermann stürzte, Jenny Wolf hoffte vergeblich: Für zahlreiche deutsche Athleten stand der Dienstag in Sotschi unter dem Motto "Pleiten, Pech und Pannen". Jetzt meldet sich der ehemalige Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle zu Wort und sagt dem deutschen Wintersport eine schwere Zukunft voraus. Fehlenden Nachwuchs und mangelnde Förderung sieht er als Hauptproblem.

"Andere Länder werden im Medaillenspiegel an Deutschland vorbeiziehen", sagte der 53-Jährige der ARD. "Das werden wir jetzt in Sotschi schon das erste Mal sehen. Und in vier Jahren wird es noch krasser werden, da bin ich mir ganz sicher."

Teurer Sport mit kostenintensivem Umfeld

Als Gründe führte Behle einerseits das deutsche Schulsystem, das Jugendlichen wenig Freizeit ermögliche, und andererseits die Bundesregierung an. "In den Ministerien muss man sich Gedanken machen, ob man finanziell auf dem Niveau mitarbeitet, wie es andere Länder zum Teil tun", sagte Behle. "Sport ist teurer geworden, weil das Umfeld immer mehr Geld verschlingt."

UMFRAGE
Wie viele Medaillen holen die deutschen Olympioniken in Sotschi?

Behle musste zusehen wie die deutschen Medaillenhoffnungen in "seiner" Sportart platzten. Nachdem Denise Herrmann im Sprint-Halbfinale jäh gescheitert war, hockte sie fassungslos im Schnee und schüttelte den Kopf. Die größte Hoffnungsträgerin der kriselnden deutschen Skilangläufer hatte in ihrer Paradedisziplin gepatzt und ausgerechnet bei Olympia erstmals in dieser Saison ein Sprint-Finale verpasst.

"Keine Ahnung, was passiert ist. Es sollte einfach nicht sein", sagte Herrmann nach ihrem ebenso bitteren wie vermeidbaren Aus. Zuvor war auch Josef Wenzl bereits in der Qualifikation gescheitert. Für die abermals völlig enttäuschenden deutschen Langläufer geht es nach einem Katastrophen-Start in Sotschi schon jetzt nur noch um Schadensbegrenzung.

30-Medaillen-Ziel in weiter Ferne

Trotz des einkalkulierten Olympiasieges von Natalie Geisenberger und des Sensations-Golds von Skispringerin Carina Vogt rückte mit jeder Enttäuschung das ambitionierte Ziel von insgesamt 30 Medaillen in Sotschi in immer weitere Ferne. Vor vier Jahren in Vancouver hatte die DOSB-Mannschaft mit insgesamt 30 Medaillen den zweiten Rang hinter Gastgeber Kanada belegt.

Das schien auch Chef de Mission Michael Vesper zu wissen. Er zog ein ernüchterndes Zwischenfazit: "Wir dürfen nicht immer nur auf die Medaillen schauen, wir müssen auch sehen, dass wir in den Finalplatzierungen eine ganze Reihe von positiven Resultaten haben". Er hoffe aber, dass Deutschland in den kommenden Tagen noch weiter zulege.

Biathletinnen laufen hinterher

Nach Meinung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann sei es "noch zu früh, um irgendwelche Prognosen neu zu stellen". Man werde "nicht täglich Wasserstandsmeldungen abgeben", sagte er, ergänzte allerdings: "Im Team diskutieren wir aber natürlich auch."

Andrea Henkel (Platz 29) und Evi Sachenbacher-Stehle (Rang 27) liefen in der Verfolgung erneut nicht mal in Medaillennähe, am Ende gab es das schlechteste Ergebnis für deutsche Biathletinnen in einem Einzelrennen in der Olympiageschichte.

Auch Eisschnellläuferinnen enttäuschen

Eissprinterin Jenny Wolf hatte schon nach einem verpatzten ersten Lauf alle Hoffnungen auf Edelmetall begraben müssen - die Berlinerin schloss ihren letzten olympischen 500-Meter-Wettkampf als Sechste ab. Sinnbildlich für einen weitgehend verpatzten Tag stand vor allem das Missgeschick von Wolfs Eisschnelllauf-Kollegin Judith Hesse.

Im ersten Lauf war für sie schon am Start Endstation. In bester Jürgen-Hingsen-Manier schied sie nach einem Fehlstart-Desaster aus: Beim ersten Versuch zuckte die Schulter, beim zweiten das Bein - das war's für die Erfurterin. "Das ist mein großer Pech-Tag heute", sagte Hesse später, immer noch mit Tränen in den Augen. Für eine Medaille wäre Hesse ohnehin nicht in Frage gekommen.

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