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Peter Urban über ESC 2015: "Ann Sophie spielt eine sehr gute Rolle"

Peter Urban im t-online.de-Interview  

"Ann Sophie spielt hier eine sehr gute Rolle"

19.05.2015, 18:28 Uhr | sr , t-online.de

Peter Urban über ESC 2015: "Ann Sophie spielt eine sehr gute Rolle". Fester Bestandteil des deutschen Eurovision-Teams: Kommentator Peter Urban. (Quelle: dpa)

Fester Bestandteil des deutschen Eurovision-Teams: Kommentator Peter Urban. (Quelle: dpa)

Er gibt dem Eurovision Song Contest seit vielen Jahren seine Stimme: Kommentator Peter Urban ist ein echtes ESC-Urgestein, seine Sprüche während der Übertragungen sind Kult.

Im Interview mit t-online.de sprach er zu Beginn der Eurovision-Woche über seine Vorbereitung, seine ESC-Highlights und natürlich die Chancen der deutschen Teilnehmerin Ann Sophie.

t-online.de: Herr Urban, seit wann sind Sie in Wien und haben Sie schon etwas von der Show gesehen?

Peter Urban: Ich bin seit Samstag hier und habe mir am Sonntag einige Proben angeschaut.

Es gab ja auch schon letzte Woche Proben hier in der Halle. Haben Sie die irgendwie verfolgt?

Nein. Ich hätte es mir online angucken können, habe ich aber nicht getan. Das wird sonst auch zu viel. Ich gucke mir aber die Durchlaufproben der Halbfinals an.

In früheren Zeiten, als es noch kein Halbfinale gab, habe ich die Woche damit zugebracht, mir die Proben anzusehen – auch die der einzelnen Länder. Aber da waren es auch nur 20 bis 25 Starter. Hier bei 40 ist das einfach zu viel.

Haben Sie sich die Songs denn vorher angehört?

Ja, natürlich. Der Eindruck verändert sich aber tatsächlich, wenn man sie dann hier auf der Bühne sieht. Seltsamerweise werden Songs auf einmal besser, die man vorher gar nicht so registriert hat. Aber das geht auch umgekehrt: Dass Sachen auf der CD gut klingen und dann live nicht so gut gesungen werden. Das Wichtige ist, wie es hier gemacht wird. Aber ich informiere mich natürlich schon über die Songs und höre mir das vorher an.

Und was halten Sie von diesem Eurovision-Jahrgang?

In diesem Jahr sticht für mich kein Song so richtig raus. Im letzten Jahr hatte ich schon vor dem ESC ein paar Highlights, zum Beispiel den holländischen Song. Dieses Jahr kann ich das noch nicht trennen.

Auf welchen Beitrag sind sie besonders gespannt?

Ich finde den australischen Song gut. Den habe ich auch in meinen Radiosendungen schon häufiger gespielt. Auch Albanien gefällt mir, mal sehen, wie das dann live ist. Und Norwegen ist interessant. Aber es muss ja nicht danach gehen, was ich gut finde. Es geht auch darum, welche Gewinnchancen jemand hat, so wird der schwedische Song hoch gehandelt.

Mans Zelmerlöw, der schwedische Sänger, hat aber eine ganz besondere Bühnenshow.

Ja, er benutzt eine Zeichentrick-Figur, was ich debattierbar finde. Kinder und Tiere dürfen schließlich auch nicht auf der Bühne benutzt werden, um dem Künstler Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Aber auch andere Länder versuchen, über ihre Show den Song aufzupeppen.

Die Engländer haben in den Proben sogar Treppen angeschleppt. Das hilft dem Song und dem Auftritt aber nicht unbedingt weiter.

Wissen Sie denn schon vorher, was Sie über die Künstler und ihre Songs sagen werden?

Ich überlege mir das während der Proben. Auf die Videos, die man vorher im Netz angucken kann, gebe ich überhaupt nichts. Die gucke ich mir gar nicht erst an, denn die verführen zu einem ganz anderen Eindruck. Auf der Bühne kann halt keiner am Strand langlaufen oder über Berge schauen. Da warte ich dann lieber, wie es hier auf der Bühne ist, was die Leute anhaben und was sie tun.

Was machen Sie denn genau während der Durchlaufproben für die Halbfinals?

Ich setze mich oben in die Kommentatorenkabine und gucke es auf dem Bildschirm an. Dabei mache ich mir Notizen. Dann teste ich den Ton mit Hamburg, man schaut, ob technisch alles klappt.

Haben Sie denn einen Siegertipp?

Nein, keine Ahnung. Estland und Slowenien werden hoch gehandelt, Schweden natürlich auch. Ebenso Italien, ich weiß aber nicht, ob so ein opernartiges Lied gut ankommt. Die drei Sänger machen das aber ganz amüsant, die sind ja ganz lustig zusammen. Norwegen vielleicht, wenn eine Ballade durchkommt. Es wird ganz eng, glaube ich. Ein sehr spannendes Rennen ohne klaren Favoriten. Letztes Jahr hat sich nach dem Halbfinale ja schon herausgeschält, dass Conchita weit vorn sein wird. In diesem Jahr ahne ich da bisher nichts.

Hat Australien eine Siegchance?

Ich weiß es nicht genau. Es kann natürlich sein, dass es einige Länder in Europa gar nicht so gut finden, dass Australien mitmacht, weil es noch schwieriger wird, eine gute Platzierung im Finale zu erreichen. Ich glaube, dass die westlichen Länder den Song gut finden, weil er eher nach erfolgreichem westlichen Pop klingt. Ob das in Ost-Europa genauso ankommt, weiß ich nicht. Ich persönlich finde ihn erfrischend gut, besonders in diesem Jahr, wo so viele Balladen gesungen werden. Da ist so etwas Dynamisches sehr angenehm zu hören. Ich denke, dass er in den Top 5 landen wird.

Und wie wird Ann Sophie abschneiden?

Seitdem ich die Probe am Sonntag gesehen habe, habe ich ein viel besseres Gefühl. Vorher dachte ich, dass der Song nicht aus dem gesamten Angebot herausstechen wird. Aber auf der Bühne war das richtig toll, weitaus besser als das, was ich in den letzten Wochen im Fernsehen in Deutschland von ihr gesehen habe.

Plätze kann man natürlich nicht voraussagen. Im letzten Jahr bei Elaiza dachten wir: Wir haben einen guten Song, der sogar Nummer 1 in Deutschland war und er kam nur auf Platz 18. Dabei hatten wir aber das Pech, nach Conchita Wurst auftreten zu müssen, wo das dann natürlich komplett unterging. Darauf kommt es auch dieses Jahr an. Wenn wir hinter einer der vielen Balladen dran sind, fällt der Beitrag auch viel stärker auf und man hat eine bessere Chance.

Welchen Eindruck macht Ann Sophie hier in Wien auf Sie?

Sie spielt generell eine sehr gute Rolle. Zum Beispiel beim Eröffnungsempfang im Rathaus und am roten Teppich. Sie ist ein sprudelnder Quirl, sie spricht jeden an, hat überhaupt keine Hemmungen und keine Scheu. Manch andere Künstler muss man vielleicht ein bisschen anschubsen, zum Beispiel mal mit anderen Sängern zu reden. Das muss man Ann Sophie nicht sagen, die macht das von selbst. Nicht, weil sie berechnend ist, sondern weil das einfach ihre natürliche Art und ihre Persönlichkeit ist. Das finde ich sehr positiv und es bringt sicher auch noch ein bisschen Aufmerksamkeit.

Ihr wievielter ESC ist das in diesem Jahr?

Der Achtzehnte.

War denn Lenas Sieg ihr persönliches Highlight?

Das ist sicher eines der größten Highlights gewesen. Damals gab es allerdings noch die Sitte, dass der Kommentator des Landes den Sieger auf der Bühne interviewt hat. Da musste ich 400 Meter durch dieses Fußballstadion, obwohl ich kurz vorher eine Operation hatte und überhaupt nicht richtig fit war. Da kam ich hechelnd auf der Bühne an, das war furchtbar.

Ansonsten fand ich zum Beispiel den türkischen Sieg von Sertab Erener 2003 ganz toll, der hat ganz viel für die Frauenbewegung in der Türkei getan. Sie hat auf Englisch gesungen, ein Lied, das den türkischen Offiziellen erst gar nicht passte. Dass sie das trotzdem durchgezogen und für die Türkei den ersten Sieg geholt hat, fand ich super.

Und was war eher skurril?

Da fällt mir Guildo Horn in Birmingham ein, das war eine abgefahrene Geschichte. Auf einmal so ein Typ und so ein Trubel, das Medieninteresse aus Deutschland ist damals ja geradezu explodiert.

Und bei meinem ersten ESC in Dublin kam auf einmal die Polizei mit Hunden und hat meine Kabine durchsucht, weil es kurz vor der Show eine Bombendrohung der IRA gab. Das war natürlich nicht sehr beruhigend.

Was machen Sie eigentlich in den 51 Wochen im Jahr, in denen kein ESC ist?

Ich war bis 2013 Redakteur beim NDR- Hörfunk und moderiere heute als freier Mitarbeiter weiter Radiosendungen. Meistens geht es dabei um Musik, die mit Eurovision-Musik nicht viel zu tun hat. Aber wenn hier ein toller Popsong dabei ist, wie im letzten Jahr der von den Common Linnets, spiele ich den aber natürlich auch im Radio rauf und runter.

Vielen Dank für das Interview, Herr Urban.

Das Gespräch führte Sonja Riegel.

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