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ARD-Film "Altersglühen" über Speed-Dating verzichtet auf Drehbuch

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ARD-Film "Altersglühen"  

Episodenfilm über Speed Dating für Senioren verzichtet auf Drehbuch

12.11.2014, 13:51 Uhr | dpa

Warum schauen wir alle so gerne klar strukturierte Fernsehfilme? Vielleicht, weil das ganze Leben doch in der Regel nach einem Drehbuch verläuft, auch wenn wir es nicht selbst schreiben - zumindest nicht komplett. Doch es geht auch anders: "Altersglühen - Speed Dating für Senioren" - so heißt ein Fernsehfilm, der an diesem Mittwoch (20.15 Uhr, ARD) zu sehen ist.

Und dazu gab es wohl eine Idee, auch ein Hörspiel, aber eben kein Drehbuch - die Schauspieler mussten das tun, was sie meist vom Theater her kennen: improvisieren.

"Ne Frau will zujehört werden, verstehste det?"

Im Herrenhaus Höltigbaum in Hamburg-Rahlstedt treffen sich also sieben Damen und sechs Herren, sämtlich im Alter zwischen Ende 60 und Mitte 80. Jeder zahlt 50 Euro, und jeder hat ganz unterschiedliche Motive, dorthin zu gehen: Da wird ein gutes Gespräch gesucht, ein Schachpartner oder eine Hilfe im Haushalt, oder eben auch Sex. Eine neue Partnerschaft wäre sicher auch nicht schlecht, aber das ist schon bedeutend schwieriger. Jedes "Date" dauert sieben Minuten, dann wechselt die Dame zum nächsten Tisch mit einem anderen Herrn. Kleine Pausen auf der Toilette sind auch mal erlaubt.

Ex-Vertreter Volker Hartmann (Michael Gwisdek) sagt gleich rundheraus, wo es langgeht: "Eine Frau eroberst Du durch Zuhören. 'Ne Frau will zujehört werden, verstehste det?'" Durchaus - auch ein Wort, was öfter vorkommt und was die erfolgreiche Geschäftsfrau Maria Koppel (Senta Berger) gerne verwendet. Johann Schäfer (Mario Adorf) ist Witwer und kann sehr gut zuhören, was vor allem die gescheiterte Verlegerin Martha Schneider (Hildegard Schmahl) und die Gärtnerin Clara Bayer (Angela Winkler) faszinierend finden. Die Putzfrau Edith Wielande (Christine Schorn) sucht eigentlich einen reichen Partner, verguckt sich dann aber in den ehemaligen Malermeister Kurt Mailand (Jörg Gudzuhn).

Innovatives Experiment, das ebenso gewagt wie skurril erscheint

Der pensionierte Lehrer Helge Löns (Matthias Habich) pflegt seine an Alzheimer erkrankte Frau, während die Unternehmersgattin Christa Nausch (Brigitte Janner) bereit ist, ihren deutlich älteren Gatten zu verlassen. Und dann sind da noch der russische Ex-Offizier Sergej Stern (Victor Choulman), die hobbydichtende Leni Faupel (Gisela Keiner), der Ex-Museumswärter Hartmut Göttsche (Jochen Stern) und Hilde Matysek (Ilse Strambowski), die Mutter des Veranstalters (Jan Georg Schütte).

Regisseur Jan Georg Schütte (52, "Swinger Club") hat etwas Neues gewagt und einen Episodenfilm gedreht, der sich zu einem künstlerischen Kaleidoskop zusammenfügt, das den Zuschauer anrührt und nachdenklich stimmt. Man sieht 13 Menschen, die sich voller Hoffnung einem innovativen Experiment ausliefern, das ebenso gewagt wie skurril erscheint. Die Schauspieler bekamen nur kurze Figurenprofile an die Hand, gedreht wurde mit 19 Kameras an zwei Tagen, und zu betrachten ist ein wahres Fest der Schauspielkunst.

"Idee des Speed Dating ist gar nicht so schlecht"

Schütte sagt: "Im Grunde finde ich die Idee des Speed Dating gar nicht so schlecht. Selbst wenn es etwas Absurdes hat, so ist es doch auch sportlich-witzig. Weil sich doch im Grunde immer in der persönlichen Begegnung entscheidet, ob es passt, und das meistens in den ersten drei Minuten. Nun bin ich gespannt, ob die Speed Dating-Agenturen aus dem Boden sprießen werden."

Hildegard Schmahl (74) erzählt: "Das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit ist ja nicht anders, ob man nun 15 ist oder wenn man dann 75 ist. Es ist dasselbe. Daher ist auch das Wort 'Senior' ziemlich überflüssig. Ich empfinde mein Leben ganz stark so, als ob ich mein Alter erfinden muss. Und ich stelle mir die Frage, wie ist das mit den Alten, werden wir vielleicht noch mal so richtig gebraucht? Wir sind doch Menschen mit wunderbaren Erfahrungen - was sie alles können und erlebt haben, was sie sich erlauben können. Und wie viel Lebendigkeit noch da ist, wie viel Kraft und Energie - und wie viel Schönheit. Im Grunde sind doch alle Jahre jenseits der 65 ein Geschenk, mit dem man sorgsam umgehen sollte. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, es anzunehmen."

Würde, Zweifel, Angst, Lust und Freude

Dieser Film ist ein Geschenk, das der Zuschauer getrost annehmen kann. Zu sehen sind oft die Gesichter in Großaufnahme, und darin spiegeln sich Würde, Zweifel, Angst, Lust und Freude zugleich. In den Tischgesprächen geht es um Alltägliches und Intimes in seiner ganzen Banalität - also um das richtige Leben. Aus den über 20 Stunden Drehmaterial sind außer dem Spielfilm noch sechs Folgen à 25 Minuten entstanden, die unter dem Titel "Altersglühen - Die Serie" ab dem kommenden Donnerstag (13.11.) zu sehen sind (23.15 Uhr, WDR und 23.30 Uhr, NDR) und sich jeweils einem Charakter des Films widmen.

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