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ARD-Film "Kaltfront": Kein Happy End - aber trotzdem gut

Kein Happy End, aber trotzdem gut  

ARD-Film "Kaltfront" kommt ganz ohne Kitsch aus

04.05.2016, 14:50 Uhr | dpa

Mit "Kaltfront" liefert die ARD am 04. Mai keinen Wohlfühlfilm in die Wohnzimmer. Die Geschichte ist düster, den Hauptfiguren geht es schon am Anfang schlecht. Und es wird mit der Zeit nicht besser.

Lars Henning, Autor und Regisseur, hat nicht vor, gute Laune zu verbreiten. Sein Blick auf die Protagonisten ist kühl, kitschfrei und illusionslos. Und er hat auch kein Faible für unerwartete Happy Ends. Es gehört zu den Stärken des vom Hessischen Rundfunk produzierten Films, dass er den Zuschauern nichts vormacht. Gerade dadurch wirkt "Kaltfront" überzeugend.

Regisseur Henning ist kein Freund von Actionszenen

Lars Henning nimmt sich Zeit für seine Figuren. Der Regisseur ist kein Freund hektischer Actionszenen, sondern erzählt lieber mit reduziertem Tempo. Sein Film ist ein Beziehungsdrama, in dem alle Beziehungen kaputt sind: die von David (Christoph Bach) zu seiner kalten, feindseligen Mutter (Daniela Ziegler), die ihn nicht ernst nimmt und die zu seiner Freundin Lale (Lili Zahavi), die er nicht liebt.
Auch die von Anna (Lana Cooper) zu ihrem Partner (Andreas Patton), der ihr nichts bedeutet und die zu Erik (Rainer Bock), den sie fälschlicherweise für ihren Vater hält. Oder die von Jan (Leonard Carow) zu fast allen anderen, seiner Mutter, die ihn nicht versteht, ihrem neuen Typen, einem Polizisten, den er nicht ausstehen kann und den Gleichaltrigen, die ihn rumschubsen.

Lars Henning hat sich in seinem ersten längeren Spielfilm vorgenommen, die Weichzeichner wegzulassen und sich umso mehr auf das zu konzentrieren, was zwischen Menschen alles schieflaufen kann. Und das gelingt ihm ziemlich eindrucksvoll, was auch an den Leistungen seiner Darsteller liegt. Allen voran Leonard Carow, der den verletzlichen, verstörten Teenager Jan überzeugend spielt. Das gilt auch für Jenny Schily als Judith, die nach etlichen Jahren in Haft Freigängerin wird. Es ist eine leise Rolle, eine melancholische Figur, und Jenny Schily macht auf beeindruckende Weise das Beste daraus.

Figuren sind durch Ereignis in der Vergangenheit verbunden

"Passen Sie auf sich auf", bekommt sie als guten Rat mit auf den Weg, als sie das erste Mal das Gefängnis verlassen darf. Aber das ist leichter gesagt als getan. Ihre schwangere Tochter Anna ist zur gleichen Zeit im Krankenhaus, in das sie am Abend vorher schwer alkoholisiert eingewiesen wurde. Jan kommt an diesem Tag in eine neue Klasse, stotternd stellt er sich vor und schafft nicht einen einzigen ganzen Satz. Die neuen Mitschüler verprügeln ihn anschließend auf der Toilette.

David kommt gerade aus Dubai zurück, guckt kurz bei seiner Freundin vorbei und besucht später seine Mutter, die am helllichten Tag schon mehr Cognac trinkt als am späten Abend gut wäre. Ziemlich trostlos das alles. Und wie hängt alles zusammen? Lars Henning hat die unterschiedlichen Figuren durch ein Ereignis in der Vergangenheit verbunden, das plötzlich wieder an Bedeutung gewinnt, als Jan in der U-Bahn in Judith die Frau erkennt, die bei einem Banküberfall seinen Vater, einen Wachmann, getötet hat.

"Man muss doch was tun"

Eine Mörderin auf freiem Fuß? Jan gerät in Panik und fährt zu David, dessen Vater ebenfalls bei dem Banküberfall starb - er war allerdings kein Wachmann, ihm gehörte die Bank. "Man muss doch was tun", sagt Jan aufgeregt. David hat dafür nicht viel Verständnis. Davon bekommt Jan insgesamt wenig ab. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum er dem Neuen seiner Mutter irgendwann die Dienstwaffe klaut. Und weil er schnell rausfindet, wie die sich entsichern lässt, schießt er damit auch. Nicht nur einmal. Und immer mit schlimmen Folgen.

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