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Interview mit Tim Sander

Hollywoodstar in 4 Wochen? Interview mit Tim Sander

10.10.2012, 16:51 Uhr | mth, t-online.de

t-online.de: Tim, bei „Tim Sander Goes To Hollywood“ tauchen ja viele deutsche Promis auf, die in Hollywood leben. Unter anderem auch Wolfgang Petersen, der dir bei einer Veranstaltung die Hand gibt und meint, er habe schon von euch und eurem Film gehört. Hatte sich das denn wirklich derart herumgesprochen?

Tim Sander: Auf jeden Fall - Hollywood ist ja so winzig, und alle sind vernetzt.  Und wir haben bestimmt 40 oder 50 Leute kontaktiert. So hatte sich schnell herumgesprochen, dass da ein paar deutsche Typen eine Dokumentation machen.

Mit Ralf Möller seid ihr ja beste Buddys gewesen, Julia Dietze taucht auf, mit Dr. Uwe Boll sitzt ihr am Strand, Ariane Sommer ist mit euch unterwegs – gibt es in Hollywood eine deutsche Community? Du hast ja eben auch schon den Begriff „Netzwerk“ benutzt …

Wir haben ja zum Abschluss ein Picknick am Pool gemacht, da waren auch fast nur Deutsche dabei. Unter anderem Torsten Voges aus „The Big Lebowski“, der meinte, man könne in Hollywood wirklich Gefahr laufen, dass man nur noch mit Deutschen abhängt. Es gibt wirklich unglaublich viele Deutsche dort.

Und wie kam es dazu, dass euch Frédéric von Anhalt eingeladen hat? Eine skurrile Situation, oder?

Wir haben irgendwie seine Telefonnummer bekommen und ihn einfach angerufen. Er war total offen und hat gemeint: Kommt doch heute Abend in meinem Haus vorbei. Sobald dann die Kamera an ist, fängt er an zu reden und du kommst überhaupt nicht mehr zu Wort.  Ich fand diesen Menschen ja immer sehr seltsam, muss aber sagen, dass er mir nach diesen zwei Stunden in seinem Haus sehr sympathisch war. Der zieht einfach sein Ding durch. Der sagt halt, ich mache irgendwie alles, Hauptsache ich bin im Gespräch. Er ist da relativ schmerzfrei. Ob man das jetzt unbedingt so durchziehen muss, ist eine andere Sache. Aber das ist halt sein Ding, und damit fährt er ganz gut. Aber natürlich war das schon eine skurrile Situation. Der Prinz im Bayern-München-Trainingsanzug, dazu sein neuer Adoptivsohn Prinz Ferdinand aus Kassel – seltsam, aber es hat sehr viel Spaß gemacht.

Dein Film beginnt mit einer Szene aus dem Film „Gemini Rising“. Die habt ihr später in Deutschland vor Green Screen gedreht, und Regisseur Dana Schroeder hat sie dann in seinen Film hineingeschnitten. Ziemlich verrückt …

Wir haben Dana Schroeder in Hollywood getroffen. Sein Film war zwar schon abgedreht, aber er brauchte noch Szenen. Da kam er auf die Idee mit dem Green Screen. Das fanden wir so bekloppt, dass wir gesagt haben, wir machen das. Ich vermute, dass er nicht wirklich dran geglaubt hat. In Hollywood wird eben viel geredet, und er dachte wohl, wenn wir erst wieder in Deutschland sind, dann wird das sowieso nicht passieren. Dann ist das aber alles zustande gekommen und auch richtig gut geworden. Wir haben ein fettes Studio gemietet und uns richtig Mühe gegeben. Dana Schroeder war so baff, dass er uns sogar in den Trailer hineingeschnitten hat. Der Film ist zwar nicht mal mehr ein B-Movie. Das ist ja absoluter Trash. Aber für unsere Geschichte natürlich wahnsinnig witzig. Was Besseres konnte uns gar nicht passieren. Wir zeigen ja in unserem Film auch die andere Seite von Hollywood, alle die Leute, die es dort irgendwie schaffen wollen.

Genau, neben dem ganzen Spaß, den euer Film macht, ist er ja auch eine Milieu-Studie von etwas, das man vielleicht Hinterhof-Hollywood nennen könnte. Gerade das Treffen mit Dana Schroeder geht ja in diese Richtung. Da geht ihr durch heruntergekommene Hinterhöfe, und dann sitzt da dieser feiste, ungepflegte Typ in seinem Sessel. Ist das denn das wahre Hollywood, und nicht der Glamour, der einem vorgegaukelt wird?

Die Deutschen, die in Hollywood leben, sagen, dass die ganze Stadt eine riesengroße Kulisse ist. Und wenn man hinter diese Kulisse schaut, dann sieht man den ganzen Dreck, der da hingefegt wurde. Wir haben bei unserem Dreh alle Seiten von Hollywood mitbekommen. Wir haben die Leute mitbekommen, die es geschafft haben, wie zum Beispiel den Komponisten des Films „Fame“, der wunderschön oben in den Hügeln von Hollywood lebt. Das war wirklich traumhaft. Und das war eben die eine Seite. Die andere Seite – das waren dann Typen wie Dana Schroeder. Leider sieht man im Film nicht, wie schäbig dieser Hinterhof wirklich war. Da waren 40 Katzen auf dem Grundstück, und der Geruch … dann sehr dubiose Typen, also wirklich „Boulevard of Broken Dreams“ … Aber Schroeder macht sein Ding, kommt irgendwie zurecht und war auch sehr locker drauf. Das Tolle war, dass er sofort offen war. Wir kamen da sofort rein mit der Kamera, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Da war nichts vorher abgesprochen. Und der sitzt einfach in seinem Sessel und nimmt das alles total locker.

Torsten Voges sagt ja in eurem Film, dass man es in Hollywood mit einer einzigen glücklich gewählten Rolle schaffen kann, aber auch ein Jahr lang überhaupt keine Angebote bekommen kann. Wie halten sich denn die Kollegen in einer solchen Situation über Wasser?

Die schlagen sich mit kleinen TV-Jobs durch, spielen Theater oder gehen nebenher Jobben – der Klassiker ist ja Kellnern. Ich glaube, dass die alle zwei, drei Standbeine haben. Wenn sie nicht spielen, dann produzieren sie gerade irgendwas. Das Krasse an Amerika ist, dass die Leute, die es wirklich schaffen wollen, nicht stillstehen. Wenn du in Deutschland mal eine Woche hart gearbeitet hast, dann willst du deine Ruhe haben und am Wochenende auch mal ausschlafen. Sowas gibt’s bei denen einfach nicht. Aber das, was Torsten Voges von dieser einen Rolle gesagt hat, das ist in Deutschland oder Frankreich genauso. Du musst nur diesen einen Job kriegen, den du wirklich gut machst, und auf einmal wollen dich alle sehen.

In den letzten Wochen haben sich Kollegen von dir wie Tina Ruland oder Christian Kahrmann dahingehend geäußert, dass Schauspieler in Deutschland ausgenutzt werden würden und dass sie von den Gagen kaum mehr leben können. Hast Du diese Erfahrungen auch gemacht?

Bis jetzt eigentlich nicht. Natürlich hört man, dass irgendwo einem gestandenen Schauspieler eine Tagesgage von 500 Euro angeboten wird. Davon geht dann die Hälfte ab ans Finanzamt. Vom Rest bezahlst du Krankenkasse und Agent und zum Schluss ist dann kaum noch was übrig. Aber ich selber habe diese Erfahrung noch nicht gemacht. Natürlich hat man mal einen Monat, in dem die Jobs nicht so kommen. Aber darum ist es eben gut, so wie die Kollegen in den USA mehrere Standbeine zu haben. Und man sollte nicht davon ausgehen, nur weil es einmal lief, läuft es das ganze Leben so weiter. Das ist das, worauf mich meine Eltern immer vorbereitet haben. Auch als diese Serienrollen damals kamen, war mir klar, dass es Zeiten geben wird, in denen es nicht so läuft. Aber da habe ich eben nebenbei noch meine Synchron-Jobs, Theater. Und dann fahre ich eben auch einen ganz normalen Lebensstil, der zu bezahlen ist, auch wenn’s nicht so läuft. Die hohen Gehälter sind heute nicht mehr da. Es wird billiger produziert – zum Beispiel bei „Berlin - Tag & Nacht“ oder den ganzen Scripted-Reality-Formaten, die einfach wahnsinnig wenig kosten.

Lief es denn früher besser in eurer Branche?

Schwierig zu sagen. Bei mir lief es ja immer so halbwegs. Allerdings hatten Sender wie ProSieben und Sat.1 früher wesentlich mehr Eigenproduktionen. Die wurden dann teilweise eingestellt, und die logische Konsequenz ist, dass es jetzt weniger Arbeit gibt.

Zurück zu eurem Film. Da hast Du für dein Rap-Video auch Oli P. aktiviert. Ihr habt beide gemeinsam, dass ihr eure Karrieren als Soap-Darsteller gestartet habt. Ist es eher ein Fluch oder ein Segen, so anzufangen?

Viele fangen in einer Soap an ohne sich zu fragen, was da hinterher passieren kann. Ich fand GZSZ bevor ich mitgemacht habe nicht besonders geil. Dann machst du da mit, und es ist eben ein Job. Du bekommst allerdings schon einen Stempel aufgedrückt. Aber wenn du deine Arbeit gut machst, dann geht’s auch weiter. Ein Fluch ist es von daher, dass nach den elf Jahren, die ich jetzt draußen bin, immer noch Leute kommen, die sagen: „Du warst doch bei GZSZ dabei“ – das kannst du irgendwann nicht mehr hören. Das ist wie ein Witz, den dir irgendjemand tausendmal erzählt. Andererseits: Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre es vielleicht nie dazu gekommen, dass ich jetzt in diesem Beruf arbeiten kann. Und wenn sich Leute nach elf Jahren immer noch an dich in der Serie erinnern, dann muss es ja auch irgendwas gehabt haben.

Du gehst in eurem Film sehr selbstironisch mit deiner Soap-Vergangenheit um. Hast Du heute das Gefühl, da irgendwie gegen ein Image anspielen zu müssen, oder ist dir das mittlerweile egal?

Ich selber hatte damit nie ein Problem. Das kommt eigentlich immer nur von außen. Da heißt es dann, der hat in so einer komischen Serie mitgespielt, der kann nichts draufhaben.  Da hast du dann eben den Anspruch zu beweisen, dass es auch anders geht.

Du sprichst viel Synchron. Unter anderem bist Du in den Serien „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ zu hören, die zurzeit zum Besten gehören, was der Markt hergibt. Da fragt man sich ab und zu, warum es in Deutschland nicht möglich ist, auch nur ansatzweise etwas zu produzieren, was dem qualitativ ebenbürtig wäre.

Das ist so eine Frage, die stellen sich alle, die in der Branche arbeiten, auch schon richtig lange. Der amerikanische Markt ist natürlich viel größer, die können eine Serie viel geiler produzieren, weil mehr Gelder da sind. Nimm den Privatsender HBO, der einfach bei seinen Serien wahnsinnig viel Geld für eine Produktion übrig hat, und der sich mittlerweile auch einen gewissen Stand erarbeitet hat. Die ganzen Kreativen, die früher beim Film waren, sind in den USA zur Serie gegangen. Und auf einmal spielen auch krasse Leute mit, wie zum Beispiel Glenn Close bei „The Shield“. In Deutschland ist die Risikobereitschaft nicht da. Die geilen Ideen werden glatt gebügelt, abgeschwächt, weil es mehr Leuten gefallen soll. Wie zum Beispiel „Stromberg“, auch wenn die Serie jetzt keine deutsche Erfindung ist, aber sehr gut umgesetzt wurde. Da gibt es ständig die Diskussion, sie wieder abzusetzen, weil die Quoten nicht stimmen. Aber ich glaube, die deutschen Sender müssten sich so langsam an eine Quote von neun bis elf Prozent gewöhnen. Das ist doch völlig okay. Wenn Du bei „Stromberg“ neun Prozent hast, dann sind das aber auch die Leute. die sich das unbedingt anschauen wollen. Ich glaube, da ist einfach noch nicht dieses Verständnis da, auch keine Risikobereitschaft, und wir haben nicht den großen Markt, um viel Geld wieder reinzuholen. Wobei: Ich bin der Meinung, dass du auch mit wenig Geld etwas Geiles machen kannst. Aber ich weiß nicht, wer damit anfangen muss und wie das laufen könnte.

Wie geht es jetzt mit „Tim Sander Goes To Hollywood“ weiter?

Der Film ist auf DVD draußen und jetzt schauen wir mal. Auf dem Filmfest Oldenburg lief der Film auch im Kino, das hat super funktioniert. Die Leute sind ab der ersten Minute richtig gut mitgegangen.  Deshalb wäre eine kleine Kinoauswertung sehr schön gewesen. Aber leider ist das jetzt nicht geplant, und wir schauen jetzt erstmal, wie die DVD läuft. Die kann gut laufen oder unter „ferner liefen“ – aber wenigsten haben wir einen guten Film gemacht.

Tim, vielen Dank für dieses Interview.

Die DVD "Tim Sander Goes To Hollywood" ist bereits im Handel erschienen.

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