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"Lone Ranger": Filmkritik

Filmkritik  

"Lone Ranger": Im Wilden Westen laufen "Piraten der Karibik" auf Grund

08.07.2013, 11:11 Uhr | mth, t-online.de

"Lone Ranger": Filmkritik. "Lone Ranger": Im Wilden Westen laufen "Piraten der Karibik" auf Grund (Quelle: Walt Disney)

Johnny Depp und Armie Hammer in "Lone Ranger" (Quelle: Walt Disney)

"Lone Ranger" sollte für den Western das sein, was "Fluch der Karibik" für den Piratenfilm war: eine erfolgreiche Blutauffrischung für ein angestaubtes Genre. Für dieses Vorhaben versammelten Johnny Depp und Produzent Jerry Bruckheimer ihr komplettes "Pirates"-Erfolgsteam um sich und verballerten ein Budget jenseits der 200-Millionen-Dollar-Grenze. Ob ihr Erfolgsrezept nicht nur in der Karibik, sondern auch im Wilden Westen funktioniert? Die Antwort lautet leider: Nein.

Die "FdK"-Zutaten sind auch bei "Lone Ranger" gleich geblieben: Typische Genre-Motive werden gemischt mit wahnwitziger Action, jeder Menge Gags, ungewöhnlichen Charakteren und einer Hauptrolle für Johnny Depp. Doch während bei der "Pirates"-Trilogie (der schwache vierte Teil sei hier ausgeklammert) so knallbuntes, turbulentes Abenteuerkino entstand, das dem Zuschauer keine Zeit zum Luftholen ließ, herrscht bei "Lone Ranger" Tristesse vor.

Das Problem ist, dass "Lone Ranger" beides zu sein versucht: eine Hommage an den Western - wobei dessen dunkle Seiten im Vordergrund stehen - und überdrehte Action-Achterbahnfahrt. Das funktioniert nicht.

Mit der Dampflok nimmt "Lone Ranger " Fahrt auf

So sind die guten Sequenzen des Films diejenigen, in denen eine von beiden Seiten die Oberhand gewinnt. Exemplarisch sind die fulminanten Zugüberfälle zu Beginn und am Ende von "Lone Ranger". Den Anfang macht klassisches Cowboy-Kino wie aus den goldenen Zeiten des Western - nur als dynamisches, wuchtiges Update. Das Finale wiederum, eine Verfolgungsjagd zweier Dampflokzüge, ist ähnlich rasant, irrwitzig und gaga wie die Schiffsduelle bei "Fluch der Karibik".

Regisseur Verbinski spart nicht mit Blut und Tod

Dazwischen jedoch stimmt die Mischung einfach nicht. Regisseur Gore Verbinski schwelgt in großartigen Panorama-Ansichten und zitiert mehr als nur einmal Sergio Leone ("Spiel mir das Lied vom Tod"). Offenbar wirkte sich die Begeisterung für den Meister des Italo-Westerns auch auf die Stimmung von "Lone Ranger" aus. Die Farben sind matt, bräunlich, eine staubige, düstere Atmosphäre herrscht vor. Und Verbinski spart nicht mit Blut und Tod.

Die Mischung stimmt nicht

Und das ist das Dilemma: Wenn die US-Armee mal eben mit der Gatling Gun einen ganzen Indianer-Stamm niedermäht, dann wirkt der anschließende witzig gemeinte Dialog zwischen Tonto (Depp) und dem Lone Ranger (Armie Hammer) über ein Pferd auf einem Baum unpassend. So wechselt "Lone Ranger" beständig zwischen ernstgemeintem Western, Klamauk, brachialen Schießereien, comicartigen Actionsequenzen und dramatischen Momenten, ohne die einzelnen Elemente zu einem gelungenen Ganzen zu verschmelzen.

Zudem hat der Film außerhalb der Actionsequenzen einige Längen. Und während "Fluch der Karibik" dem Publikum einfach keine Zeit ließ, sich über die hanebüchene Handlung Gedanken zu machen, so fällt nun die 08/15-Story umso stärker ins Gewicht. Die Geschichte um einen gesetzestreuen Anwalt, der sich zum maskierten Rächer wandelt, um mit seinem indianischen Sidekick die finsteren Machenschaften eines Eisenbahnmagnaten aufzudecken, ist weder neu noch trägt sie die üppige Laufzeit von zweieinhalb Stunden.

Blasse Darsteller

Auch die durch die Bank fähigen Schauspieler wie John Wilkinson, Helena Bonham Carter oder William Fichtner bleiben blass. Ganz zu schweigen vom eigentlich talentierten Armie Hammer, der hier als Bilderbuch-Schwiegersohn einfach nicht zum Westernhelden taugen will. Und Johnny Depp ergeht sich einmal mehr in seinen bekannten Manierismen, die er aber als Captain Jack auch schon besser hinbekommen hat.

Bei aller Kritik hat "Lone Ranger" trotzdem seine Pluspunkte, wie die erwähnten Zugsequenzen, Verbinskis Händchen fürs Westernhafte und auch der ein oder andere Dialog zwischen Depp und Hammer sitzt. Dennoch ist der Film eine Enttäuschung. Wie man den Western feiert und trotzdem ein unglaublich unterhaltsames und enorm witziges Action-Feuerwerk abbrennt, das hat übrigens Kim Jee-Woon 2008 mit "The Good, the Bad, the Weird" bewiesen. Bei ihm hätten sich die Macher von "Lone Ranger" vielleicht die ein oder andere Anregung holen sollen.

Kinostart "Lone Ranger": 8. August 2013

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