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Reich-Ranickis Nachlassverwalter plant Werkausgabe

Reich-Ranickis Nachlassverwalter plant Werkausgabe

05.09.2014, 14:20 Uhr | dpa

Reich-Ranickis Nachlassverwalter plant Werkausgabe. Marcel Reich-Ranicki wurde am 02.

Marcel Reich-Ranicki wurde am 02.06.1920 in Wloclawek/Polen geboren und starb am 18.09.2013 in Frankfurt am Main. Foto: Frank Kleefeldt. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Für Thomas Anz war es "überraschend und zugleich eine Ehre": Der am 18. September vergangenen Jahres im Alter von 93 Jahren gestorbene Marcel Reich-Ranicki hat ihn, den Germanistikprofessor, zum literarischen Nachlassverwalter bestimmt.

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Anz, der an der Universität Marburg seit Jahren eine Forschungsstelle zu "MRR" betreut, bringt zum ersten Todestag jetzt einen Sammelband mit Kritiken des "Literaturpapstes" heraus. Das Buch, das sich an eine größere Öffentlichkeit richtet, enthält Essays Reich-Ranickis von der Literatur des Mittelalters bis zur Gegenwart. Anz wird es mit Reich-Ranickis Sohn Andrew, Mathematikprofessor in Schottland und Erbe von "MRR", am 10. September in Berlin vorstellen.

Ziel bleibe aber eine große Werkausgabe wie bei anderen großen deutschen Kritikern wie Alfred Kerr oder Alfred Polgar. "Ich sehe Reich-Ranicki in dieser Reihe", urteilt Anz. Bis zur umfassenden Ausgabe werde es aber noch Jahre dauern. Anz will auch die frühen polnischen Schriften Reich-Ranickis ins Deutsche übersetzen lassen. Darunter eine deutsche Literaturgeschichte, die hierzulande kaum bekannt sei.

Reich-Ranicki wurde in Polen als Sohn einer jüdischen Familie geboren und wuchs in Berlin auf. Zusammen mit seiner Frau überlebte er das Warschauer Ghetto. 1958 kehrte er aus Polen nach Deutschland zurück. Einem Millionenpublikum wurde Reich-Ranicki, der auch ein großer Unterhaltungskünstler war, mit der ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" bekannt.

Im neuen Sammelband huldigt "MRR" den Gedichten des Minnesängers Walther von der Vogelweide genauso wie der Lyrikerin Mascha Kaléko, die polnische Jüdin war. Er macht seine große Verehrung für Goethe und Heine deutlich - und seine Vorbehalte gegenüber dem Literaturnobelpreisträger Günter Grass.

Der Literaturkritiker zeigt sich dabei zur Selbstkritik fähig - allerdings in Maßen. Dem 1960 veröffentlichten Verriss der berühmten "Blechtrommel" des damals noch jungen Grass lässt "MRR" drei Jahre später zwar eine Abbitte folgen. Am kritischen Urteil zum "geschwätzigen" Autor hält Reich-Ranicki aber fest.

Dessen private Frankfurter Bibliothek hat sein Sohn der Forschungsstelle in Marburg vermacht. Reich-Ranickis Exemplar der "Blechtrommel" sei noch nicht gesichtet worden, berichtet Nachlassverwalter Anz. Viele Kisten seien aber noch nicht ausgepackt. Ein Teil der Bücher soll an der Uni für jedermann zugänglich sein. Andere - Exemplare mit Widmungen - sollen ins Deutsche Literaturarchiv nach Marbach wandern.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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