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Literatur - Bunt: Buchumschläge in der Weimarer Republik

Literatur  

Bunt: Buchumschläge in der Weimarer Republik

27.10.2015, 14:36 Uhr | dpa

Literatur - Bunt: Buchumschläge in der Weimarer Republik. Eine Kunst für sich: "Buchumschläge der Weimarer Republik".

Eine Kunst für sich: "Buchumschläge der Weimarer Republik". Foto: Jennifer Patrick/Taschen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - In Zeiten der um sich greifenden Digitalisierung aller Medien droht mit dem gedruckten Buch auch die Erinnerung an die Kunst der grafischen Buchgestaltung verloren zu gehen. Für viele Bücherliebhaber war es ein Genuss, diese kleinen Kunstwerke auch in Händen zu halten.

"Ich gehe doch nicht mit einem elektronischen Gerät ins Bett", brachte es einmal der frühere Kulturstaatsminister (und Verleger) Michael Naumann auf den Punkt, wenn es um die fast sinnliche Beziehung von "echten Buchliebhabern" zu Büchern geht.

Für den früheren Leiter des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Christoph Stölzl, haben die Buchumschläge aus der Weimarer Republik, als die Künstler in allen Bereichen experimentierten, "eine unerhörte Lebendigkeit - sie atmen, sie lächeln uns zu oder blicken uns ernst und tapfer an, sie vibrieren und tanzen". In seinem Vorwort zum großformatigen und in jeder Hinsicht gewichtigen Text-Bild-Band (zweisprachig Deutsch und Englisch) "Buchumschläge in der Weimarer Republik" würdigt Stölzl das "handwerkliche Genie" der Buchkünstler jener Zeit, die die wichtigsten Strömungen wie Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Konstruktivismus und Art déco vertraten.

Mit dem Band liegt nach Angaben des Herausgebers und Sammlers Jürgen Holstein das erste deutsche Kompendium zum Thema "Einbandgestaltung" der 20er Jahre, also der Weimarer Republik, vor. Es ist ein reich illustrierter und informativer Überblick am Beispiel von etwa tausend Büchern aus annähernd 250 Berliner Verlagen, dem damaligen Verlagszentrum des Deutschen Reiches mit Verlagen wie Fischer, Ullstein und Rowohlt. Aber auch kleineren Unternehmen wie der avantgardistische Verlag "Die Schmiede", zu dessen ersten Autoren sogar Franz Kafka und Joseph Roth gehörten (in der Reihe "Die Romane des XX. Jahrhunderts"), werden berücksichtigt.

Die Reihe "Berichte aus der Wirklichkeit" zeigt bereits deutliche Bezüge zu der in den 20er Jahren aufgekommenen Diskussion über das Verhältnis von Journalismus und Literatur, Roman und Reportage, wie Frank Hermann in einem der lesenswerten Essays in dem Band betont. In den Verlagsporträts heißt es bei Samuel Fischer (1859-1934), der Verleger habe es verstanden, zukunftsträchtige Autoren an sein Haus zu binden wie Alfred Döblin, Hermann Hesse und Thomas Mann.

Berühmt wurde der Buchumschlag zu Döblins Überraschungserfolg "Berlin Alexanderplatz", der zahlreiche grafische Nachahmer fand und "der meistreproduzierte, imitierte und plagierte Buchumschlag der deutschen Verlagsgeschichte" geworden sei. "Ramponiert steht er zuletzt wieder am Alexanderplatz, das Leben hat ihn mächtig angefasst", heißt es auf dem Buchumschlag über "die Geschichte des Franz Biberkopf".

Bei Erich Maria Remarques 1929 im Propyläen-Verlag erschienenen Anti-Kriegs-Bestseller "Im Westen nichts Neues" heißt es in altdeutscher Frakturschrift auf dem Umschlag: "Remarques Buch ist das Denkmal unseres unbekannten Soldaten. Von allen Toten geschrieben." Der Propyläen-Verlag gehörte zu Ullstein, deren Brüder das Haus zum "ersten modernen Medienkonzern der Welt" erweiterten, wie im Band betont wird.

Auch die Kinder- und Jugendbücher sind dokumentiert, zum Beispiel mit dem "Kinder=Verwirr=Buch" (in dieser eigenwilligen Titelschreibweise) von Joachim Ringelnatz mit dem gern zitierten Spruch: "Kinder, ihr müßt euch mehr zutrauen! Ihr lasst euch von Erwachsenen belügen und schlagen!"

Erich Kästner schuf 1929 mit seinem Kinderbuchklassiker "Emil und die Detektive" und mit der bis heute gültigen Einbandillustration von Walter Trier (die Berliner Jungs hinter der Litfaßsäule) "ein neues Genre der Jugendliteratur mit gewitzten Großstadtkindern". Das Buch wurde mehrfach verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt - in Hitler-Deutschland nach 1933 den Angaben im Band zufolge in den Buchhandlungen beschlagnahmt.

Aus Kästners letztem Gedichtband vor 1933 "Gesang zwischen den Stühlen", der hier mit den Zeichnungen von Erich Ohser dokumentiert ist (der e.o.plauen-Zeichner der berühmten "Vater und Sohn"-Serie nahm sich im Gestapo-Gefängnis das Leben), stammt der berühmt gewordene satirische Ratschlag an die Zeitgenossen (vor allem natürlich an seine gern schnell beleidigten Landsleute) und auch an die Nachfahren: "Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."

Aber ob Kinderbuch, Weltliteratur oder Polit-Streitschrift - der jetzt vorliegende Bild-Textband ist eine Fundgrube für jeden Liebhaber der Bücher mit ihren Geschichten, der sich für auch für das schöne oder auch nur interessante und bemerkenswerte äußere Erscheinungsbild von Büchern interessiert. Es ist auch eine kleine Zeitgeschichte, vor allem aber ein gedrucktes Denkmal eines kleinen, aber besonderen Kapitels deutscher Kulturgeschichte.

- Buchumschläge in der Weimarer Republik, Herausgeber Jürgen Holstein, deutsch/englisch, Taschen Verlag, Köln, 450 Seiten, 49,99 Euro, ISBN 978-3-8365-4980-6

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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