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CD-Kritik Nick Cave "Skeleton Tree": Auch der Zuhörer spürt den Schmerz

CD-Kritik Nick Cave "Skeleton Tree"  

Auch der Zuhörer spürt den Schmerz

12.09.2016, 12:32 Uhr | t-online.de, sr

CD-Kritik Nick Cave "Skeleton Tree": Auch der Zuhörer spürt den Schmerz. Der australische Sänger Nick Cave hat den Tod seines Sohnes musikalisch verarbeitet. (Quelle: Kerry Brown)

Der australische Sänger Nick Cave hat den Tod seines Sohnes musikalisch verarbeitet. (Quelle: Kerry Brown)

Wie umgehen mit einem schweren Schicksalsschlag, einem Trauma? Nick Cave, dessen Sohn Arthur im vergangenen Jahr tödlich verunglückte, stand vor genau dieser Frage. Recht schnell ging der australische Sänger wieder ins Studio und nahm mit "Skeleton Tree" ein sehr intensives Album auf.

Selbstverständlich ist "Skeleton Tree" schon aufgrund dieser Begleitumstände kaum mit dem Meisterwerk "Push The Sky Away" von 2013 vergleichbar. Nick Cave, der Meister der Finsternis, setzte seine dunkle Stimme seinerzeit deutlich stärker ein. Das ist dieses Mal aber gar nicht nötig, um "Skeleton Tree" eine bislang unerreichte Dimension zu geben.

Nick Cave, natürlich wieder von seiner Stammband The Bad Seeds begleitet, gibt schon mit der ersten Single "Jesus Alone" genau das vor: Er betet die Geschichte fast monoton runter, Stimme und sparsam eingesetzte Instrumente bereiten nicht nur Gänsehaut, sondern schneiden direkt ins Fleisch. Der Schmerz, der Cave seit jenem 14. Juli 2015 begleitet, wird auf einmal auch für den Hörer spürbar.

Er singt nicht um Mitleid zu bekommen

Anspielungen auf den Tod des Sohnes gibt es immer wieder. Diese sind mal mehr, mal weniger deutlich und irgendwann verwischen die Grenzen, wo das beabsichtigt ist und wo der Hörer es sich nur einbildet. Präsent ist das Geschehen jedoch auf allen acht Songs. "And the long black cars waiting round, I will miss you when you’re gone", heißt es beispielsweise sehr direkt im herzzerreißenden "I Need You".

Klar wird auf "Skeleton Tree" aber auch: Nick Cave singt nicht um Mitleid zu bekommen. Genauso wenig versucht er allerdings, seine Trauer zu überspielen. "If you want to bleed, just bleed" aus "Girl In Amber" ist eine Zeile, die stellvertretend dafür steht. "Distant Sun" ist schließlich ein besonders emotionaler Song, was nicht zuletzt an der dänischen Sopranistin Else Torp liegt, die mit Cave im Duett singt.

Keine leichte Kost

"Skeleton Tree" ist sicher keine leichte Kost wie vieles, was heutzutage durch die Charts geistert. Man muss sich darauf einlassen. Um darauf vorzubereiten, wurde der Film "One More Time With Feeling" kurz vor der Veröffentlichung des Albums in einigen Kinos gezeigt. Darin wird Nick Cave bei den Aufnahmen zu "Skeleton Tree" begleitet und spricht offen über seine schwere Zeit. Und spätestens dadurch versteht man, warum das neue Werk anders als seine Vorgänger, aber trotzdem ein richtig starkes Album ist.

"Skeleton Tree" von Nick Cave ist am 06. September 2016 erschienen.

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