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Rock-Star Peter Maffay im Interview: Ein Song mit Bushido? Warum nicht!

Rock-Star Peter Maffay im Interview  

Ein Song mit Bushido? Warum nicht!

11.02.2010, 21:08 Uhr | BAL

Deutsche Rock-Legende Peter Maffay (Bild: ddp)Deutsche Rock-Legende Peter Maffay (Bild: ddp) t-online.de: Ihr neues Album zum 40-jährigen Bühnenjubiläum trägt den Namen „Tattoos“. Wieso haben Sie sich für diesen Titel entschieden?

Peter Maffay: Weil ich meine, dass Musik auch wie Tattoos sein kann. Musik, das ist Erinnerung oder Menschen, denen man begegnet. Das sind Erlebnisse, die sich in Zusammenhang mit Musik einprägen und die man auch irgendwie nicht mehr loslässt. Songs hinterlassen Spuren wie Tätowierungen auf der Haut.

 

t-online.de: Sie selbst sagen, dass „Tattoos“ ein Album ist, „das man nicht nur hören, sondern auch fühlen sollte“.

 

Peter Maffay: Jeder besucht ein Konzert mit einer gewissen Erwartungshaltung. Er bringt aber auch seine eigenen Erlebnisse mit, die er dann innerlich auspackt und auslebt. Wenn man einen bestimmten Song hört, dann gibt es eine Emotion oder Erinnerung, es taucht also ein bestimmtes Bild vor dem geistigen Auge auf.

 

t-online.de: Es ist nicht nur ein gewöhnliches Best-of-Album. Ihre größten Hits wurden neu arrangiert.

 

Peter Maffay: Wir wollten nicht einfach einen Sampler zusammenstellen. Dazu braucht man ja uns nicht. In diesem Fall haben wir gesagt, dass wir alle Songs neu einspielen. Das war auch das spannende an der Sache – zumal es im durchgängigen Sinn passiert ist mit einem Orchester, welches uns auch auf der Tour begleiten wird. Was die Song-Auswahl angeht, so haben wir die Fans im Internet abstimmen lassen. In erster Linie ist es schließlich ein Album, das auf die Fans zielt.

 

t-online.de: Haben Sie einen eigenen Lieblingssong?

 

Peter Maffay: Wenn Sie fünf Kinder in der Familie haben, werden Sie kaum ein Kind nennen, das eine übergeordnete Rolle spielt. Es ist sehr stimmungsabhängig. Es gibt eine Gruppe von Songs, die einfach ihre Gültigkeit behalten und die ich über einen längeren Zeitraum immer wieder spielen und hören kann, weil sie einfach an Aktualität oder Inhalt nichts verlieren.

 

t-online.de: Im November gehen Sie mit ihrer Band auf große Deutschland-Tournee. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

 

Peter Maffay: Wir gehen ja zurück in die großen Arenen – im Gegensatz zu der letzten Tour, als wir in vielen Philharmonien gespielt haben. Diesmal wird alles etwas größer ausfallen. Wir werden auf einer dreieckigen Bühne spielen, die es in dieser Form noch nicht gab. Es wird Übertragungswände geben, auf denen das Bühnengeschehen wiedergegeben wird und wir dadurch gewissermaßen näher an das Publikum heranrücken. Wie schon erwähnt wird uns ein Orchester unterstützen, das die Songs mitbegleiten und mitgestalten wird. Auch in dieser Konstellation sind wir noch nicht vor unserem Publikum aufgetreten. Ein sinfonisches Orchester ist ein Klangkörper, den wir so nicht erzeugen können und somit wächst eine zusätzliche Qualität hinzu. Und wir werden auch viele andere Songs spielen, die es auf das Album nicht geschafft haben. 

 

t-online.de: Dort nehmen Sie die Fans mit auf eine musikalische Reise in die Vergangenheit. Was kann man von Peter Maffay in der Zukunft erwarten?

 

Peter Maffay: Geplant ist ein neues Tabaluga-Album, vermutlich im Herbst 2011. Das ist mein großer Wunsch und ich denke auch der richtige Zeitpunkt für ein neues Album.

 

t-online.de: In den letzten Jahren kam es zu recht ungewöhnlichen Kollaborationen in der deutschen Musikszene. Schlagersänger Karel Gott nahm einen gemeinsamen Song mit Bushido auf. Und auch die Rocker von Rammstein konnte der Rapper für einen Song gewinnen. Könnten Sie sich eine ähnliche Zusammenarbeit vorstellen?

 

Peter Maffay: Mehr Crossover als bei dem Album „Begegnungen“ geht nicht. Dort haben wir mit Künstlern zusammengearbeitet, die aus allen Erdteilen kamen. In den letzten 20 Jahren haben wir so etwas vermutlich öfter gemacht, als die meisten anderen. Das alles hat angefangen mit John Mayall oder Clarence Clemons von der E Street Band. Diese Form von Querverbindungen gibt es bei uns eigentlich laufend. Auf der letzten Tour hatten wir Ray Cooper, der zusammen mit Elton John spielt. Darüber hinaus gibt es regen Kontakt zu Nena oder Udo Lindenberg. Vor etwa zwölf Jahren habe ich einen Song mit der türkischen Rap-Gruppe „Cartel“ aufgenommen. Mit Bushido könnte ich mir das also sehr gut vorstellen, warum nicht?

 

t-online.de: Demnächst werden Sie als Juror in der Sendung "Unser Star für Oslo" nach einem würdigen deutschen Vertreter für den Eurovision-Song-Contest suchen. Was halten Sie von Casting-Shows?

 

Peter Maffay: Wenn Casting-Shows Unterhaltungssendungen sind, in denen man unerfahrene und sensible junge Leute zugunsten guter Quoten niedermacht, dann finde ich das scheiße. Wenn aber dort jungen Talenten bei ihren ersten Gehversuchen geholfen wird, wenn man die Künstler dort stützt und wenn die Shows frei von Häme sind, dann finde ich das gut. Dabei darf man meiner Ansicht nach jedoch nicht vergessen, dass die Entdeckung eines Talents nicht ausreicht. Man muss die Leute sowohl handwerklich als auch mental auf diese Laufbahn vorbereiten. Was später auf einen jungen Interpreten zukommt ist nicht ohne. Das muss man alles durchstehen können. Man muss die Mechanismen kennen, man muss vorbereitet sein auf die vielen Fallgruben, die im Laufe der Zeit entstehen. Es geht nicht immer nur um Singen und Tanzen, sondern auch um viele andere Zusammenhänge.

 

t-online.de: Von „Deutschland sucht den Superstar“ halten sie folglich nicht viel oder?

 

Peter Maffay: Ich habe mal nicht viel davon gehalten. Aus meiner Sicht hat sich die Qualität erheblich verbessert und darüber freue ich mich auch. Ich sehe an vielen Beispielen, dass der Versuch ernsthaft unternommen wird, die Talente dort zu fördern. Nachhaltigkeit ist ein Anspruch, der immer mehr auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen Geltung hat und Nachhaltigkeit sollte auch für die Entwicklung einer Karriere des Künstlers gelten.

 

t-online.de: Hätte Ihr Sohn demnach den Segen seines Vaters, sollte er eines Tages Interesse an einer Teilnahme bei „DSDS“ bekunden?

 

Peter Maffay: Ja. Ich würde aber versuchen ihm aus meinen Erfahrungen etwas mitzugeben, damit er, wenn er dort auftritt, dieses ohne Angst tut und mit einer aufrechten Haltung. Ich würde ihm sagen, lass dir nichts gefallen, was deiner Gesinnung nicht entspricht. Lass dich nicht niedermachen. Biete das Beste, was du drauf hast, aber mach es in erster Linie immer nur für dich.  

 

t-online.de: Ist es für angehende Musiker heutzutage einfacher Fuß zu fassen, als vor 40 Jahren?

 

Peter Maffay: Nein, das glaube ich nicht. Es wird immer kompliziert sein, weil viele das gleiche Ziel verfolgen. Es ist eindeutig ein Verdrängungswettbewerb und darüber muss man sich im Klaren sein. Besonders am Anfang der Karriere, wenn man unerreichte Ziele hat, ist der Egoismus sehr groß - das ist normal. Später, wenn die Ziele erreicht wurden, relativiert sich das. Selbst dann aber bleibt es noch eine Aschenbahn, auf der sich ziemlich viele herumtummeln. Wenn man die Aschenbahn betritt, dann gibt es kein Zurück. Es macht keinen Sinn, die 100 Meter im Schneckentempo zu durchlaufen, es wird rechts und links immer welche geben, die das unter zehn Sekunden schaffen. Und wenn man mithalten möchte, dann muss man genauso schnell sein wie sie.

 

t-online.de: Sie nutzen auch den Internet-Dienst Twitter, um kurze Botschaften zu verschicken. Welchen Stellenwert haben soziale Netzwerke für Sie als Künstler?

 

Peter Maffay: Soziale Netzwerke sind sehr nützlich und schaffen Kreativität. Dieser alternative Weg der Kommunikation ist im Bereich der Musik wichtig. Wenn ein Radiosender meint einen Song nicht spielen zu wollen, dann kann der Musiker ihn kurzerhand ins Netz stellen und sich sein Publikum selbst suchen. Es gibt so einiges, das auf diesem Weg bekannt geworden ist. Das zeigt, dass es eine gewisse Aufmerksamkeit gibt und dass soziale Netzwerke eine absolut berechtigte Alternative zu den konventionellen Strickmustern ist. Wir erleichtern, wir intensivieren unsere Kommunikation mit denjenigen, die sich für unsere Arbeit interessieren. Außerdem finde ich es auch sehr positiv, dass Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten auf diese Weise zueinander finden. Das hat eine gesellschaftlich relativierende Wirkung. Früher ist man gar nicht aufeinander zugegangen, weil man sich nicht wahrnehmen wollte, es gab Berührungsängste. Inzwischen hat sich das geändert. Deswegen gibt es nun so viel Crossover-Musik, Karel Gott mit Bushido beispielsweise. Und wenn so ein Experiment nicht funktioniert, dann hat man das probiert und allein der Versuch ist ein Gewinn.

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t-online.de: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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