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"Unser Star für Oslo": Gut gemeint, aber stinklangweilig

"Unser Star für Oslo"  

Gut gemeint, aber stinklangweilig

11.02.2010, 20:08 Uhr | CK

Stefan Raab, Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen saßen in der Jury. (Foto: dpa)Stefan Raab, Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen saßen in der Jury. (Foto: dpa) Am Dienstagabend war es endlich soweit: Die erste Sendung „Unser Star für Oslo“ flimmerte über den Bildschirm - die Show, die nicht nur die deutsche Ehre beim Eurovision Song Contest retten soll, sondern die auch versprach, das Casting-Genre zu revolutionieren. Einen Gegenentwurf zu den üblichen Shows wolle er bieten, so Stefan Raab im Vorfeld, mit Sängern, die Charakter und das Zeug zu nachhaltigem Erfolg haben, und einer Jury, die die Kandidaten mit Respekt behandele. Die gute Nachricht lautet: Raab hat nicht zuviel versprochen. Die schlechte Nachricht aber ist: Fantastische Sänger und respektvolle Juroren sorgen leider nicht für gutes Entertainment. Man gesteht es zwar nicht gerne, aber irgendwie sehnte man sich doch nach den fiesen Sprüchen eines Dieter Bohlen und der fein abgestimmten Mischung aus Fremdschämen und Melodrama, die den Namen DSDS trägt.

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Es geht einzig um die Musik

Dabei wollte man diese Show wirklich mögen - denn dahinter steckt ein löbliches Konzept. Im Gegensatz zu anderen Castingshows geht es bei „Unser Star für Oslo“ tatsächlich nur um die Musik, die von wechselnden Juroren - diesmal waren es Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen - bewertet wird, bevor die Zuschauer ihre Favoriten wählen. Tragische Lebensgeschichten, die in Einspielern ausgeschlachtet werden, sucht man hier vergeblich, ebenso wie die bei DSDS so beliebte Etikettierung der Kandidaten wahlweise als Zicke, Mädchenschwarm oder Sonderling. Statt auf Klischees legt Raabs Show Wert auf Individualität und darauf, dass jeder Kandidat er selbst sein kann.

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Fragezeichen und Langeweile bei den Zuschauer

Doch, ach - es stellte sich leider heraus, wie dröge eine Castingshow ist, die einzig auf Können und Respekt basiert. Respekt, das war überhaupt das Schlagwort des Abends, das einem schon bald gehörig auf die Nerven ging. Marius Müller-Westernhagen, der bekannte, dass er eigentlich kein Fan von Castingshows sei, entschuldigte sich für jede noch so minimale Kritik an den Sängern, dabei lautete sein härtestes Urteil: „Für mich klang es, als würde eine Weiße versuchen, wie eine Schwarze zu klingen.“ Leidgeprüfte DSDSler wären über einen solchen Kommentar wahrscheinlich überglücklich. Ansonsten war jede Kritik der Jury so musikspezifisch, dass man sie wohl nur verstehen konnte, wenn man selbst Sänger ist. Kommentare wie „Du hast ein gut kontrolliertes Vibrato“ oder „Das Falsetto muss ein bisschen stärker kommen“ mögen für die Kandidaten hilfreich gewesen sein, bei den Zuschauern sorgten sie eher für Fragezeichen.

Abiturientin Lena ist Favoritin

Doch nun zu den Kandidaten der Show, unter denen sich schon jetzt eine Favoritin herauskristallisierte: Die gerade mal 18-jährige Abiturientin Lena Meyer-Landrut. Den recht unbekannten Song „My Same“ von Adèle trug sie auf so gekonnte, erfrischende und mitreißende Art vor und hatte einen solchen Spaß bei ihrem Auftritt, dass man als Zuschauer nicht anders konnte, als mittanzen zu wollen. „Du hast Star-Appeal, Menschen werden dich lieben“ bescheinigte Westernhagen ihr - und so war Lena auch die erste, die eine Runde weiter kam.

Vier Frauen und ein Hahn im Korb

Insgesamt bekamen nur fünf der zehn Kandidaten ein Ticket für die nächste Sendung. Zu ihnen gehörten Kerstin Freking, eine Germanistik-Studentin mit blonder Gretel-Frisur, die „My Immortal“ von Evanescence zum Besten gab, die dunkel gelockte Meri Voskanian, die „Release Me“ von Agnes sang und von Yvonne Catterfeld für ihre „deutlich an eine Beyoncé heran“ kommenden Töne gelobt wurde, die Kölner Verkäuferin Katrin Walter, die Pinks „Nobody Knows“ intonierte, sowie Cyril Krueger, der einzige erfolgreiche männliche Kandidat. Der Hannoveraner Sportstudent im lässigen Karohemd sang „Hotel California“ von den Eagles mit einer so rauchig-schönen Stimme, das Stefan Raab bemerkte: „Da müssen andere echt lange für saufen, um so eine Stimme zu bekommen“, einem der seltenen saloppen Jury-Kommentare, die für ein Schmunzeln sorgten.

Nächste Woche einschalten muss nicht sein

Für fünf weitere Kandidaten war am Dienstag schon wieder Schluss, was jedoch nicht bedeutet, dass der Traum von der Gesangskarriere für sie ausgeträumt sein muss. Denn alle zehn bewiesen, dass sie es musikalisch drauf haben. Für die Zukunft kann man ihnen deshalb nur Erfolg wünschen, ebenso wie der Sendung selbst, die wirklich das Potential hat, einen echten Star zu schaffen. Doch das bedeutet leider nicht, dass man nächste Woche wieder „Unser Star für Oslo“ einschalten möchte. Nur auf den Eurovision Song Contest, auf den ist man schon heute gespannt.





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