Sie sind hier: Home > Unterhaltung > Musik >

Der letzte große Rockstar - vor zwanzig Jahren starb Kurt Cobain

Grunge-Legende  

Der letzte große Rockstar - vor zwanzig Jahren starb Kurt Cobain

03.04.2014, 12:40 Uhr | Nibo, t-online.de, dpa

Der letzte große Rockstar - vor zwanzig Jahren starb Kurt Cobain. Vom Erfolg überfordert: Kurt Cobain nahm sich am 5. April 1994 das Leben. (Quelle: imago images)

Vom Erfolg überfordert: Kurt Cobain nahm sich am 5. April 1994 das Leben. (Quelle: imago images)

Der 5. April 1994 war ein Dienstag. Kurt Cobain, in zerrissenen Jeans und Chucks-Sportschuhen, geht in das Gewächshaus auf seinem Grundstück in Seattle. Er raucht ein paar Zigaretten und nimmt Heroin. Dann schiebt er sich die Mündung seiner Browning Auto-5 Selbstladeflinte in den Mund und drückt ab.

Der Schuss traf sinnbildlich eine ganze Generation, die gemeinsam mit seiner Witwe Courtney Love und Tochter Frances Bean trauerte und zunächst ins Bodenlose taumelte. "Es war einer der dunkelsten, traurigsten Tage meines Lebens", sagt der Journalist und Buchautor Charles R. Cross der Nachrichtenagentur dpa in New York. Cross arbeitete mehr als fünfzehn Jahre lang als Editor des Musikmagazins "The Rocket" in Seattle und erlebte den Aufstieg und das Ende von Nirvana mit.

Vor Kurzem veröffentliche er mit "Here We Are Now" ein Buch, das Cobains Einfluss auf seine Generation und die Musikszene thematisiert. "Mit Kurt ist vielleicht der letzte große Rockstar von uns gegangen", sagt Cross. "Es gibt keinen nach ihm, der dieses Charisma, diese Stimme und dieses Talent zum Schreiben von Songs in sich vereint."

Soundtrack einer verstörten Generation

Die Musik von Cobain und seiner Rockgruppe Nirvana war Anfang der 90er Jahre zum Soundtrack einer verstörten Generation geworden. Ihr in Seattle geborener Stil hieß "Grunge" (Schmutz) und verband aggressiven Punkrock mit melodiösen Elementen. Mit Songs über zerbrochene Liebe, Gewalt, Drogen und Hoffnungslosigkeit spielten sie sich zu den Wortführern einer desillusionierten Generation hoch.

"Die Musik hat Menschen berührt, weil sie sich mit sehr komplexen, universellen Emotionen wie Angst und Schmerz auseinandergesetzt hat", sagt Cross. "Das gab es vorher nicht. Vor Nirvana drehte sich die Musik um leichtere Themen."

Zwanzig Jahre nach seinem Suizid ist der Mann mit den strähnigen blonden Haaren eine Legende. In diesem Jahr wird Nirvana zum frühstmöglichen Termin in die Rock'n'Roll Hall of Fame eingehen. Die Regel besagt, dass Künstler 25 Jahre nach ihrer ersten Single oder Album aufgenommen werden können - bei Nirvana ist das mit ihrer Single "Love Buzz" der Fall.

Kuriose Heldenverehrung

Mitunter treibt die Heldenverehrung Cobains jedoch seltsame Blüten. So schrieb der "Rolling Stone" vor wenigen Wochen über einen angeblichen ehemaligen Mitbewohner des Sängers, der alte Gebrauchsgegenstände wie Skier, ein uraltes Videospiel und ein Telefon zu recht geringen Preisen an den Fan bringen wollte. Als Beweis, dass die Dinge wirklich einmal Kurt gehört haben, hätte er Fotos und "Freunde, die mit euch reden".

Was wie beinharte Abzocke klingt, war auch eine. Nur wenige Tage nach dem Aufruf zur Versteigerung meldete sich der Mitbewohner kleinlaut und outete sich als ehemaliger Angestellter des Nirvana-Labels Sub Pop, der die zusammengetragenen Beweisfotos als Schnappschüsse aus dem Internet entlarvte und die gesamte Aktion als Scherz bezeichnete. Er sei jedoch selbst erstaunt gewesen, wie viel einige Fans bereit waren für die angeblichen Cobain-Devotionalien zu zahlen. "Ja, sie wollten sie unbedingt haben", erzählte er auf "revolt.tv".

Das Auftauchen von ehemaligen Besitztümern des Stars ist eben immer wieder eine kleine Sensation: Im Jahr 2008 wechselte eine von Cobain zerschlagene Gitarre für satte 100.000 Dollar den Besitzer.

"Smells Like Teen Spirit" - bester Hit aller Zeiten

Auch andere Indikatoren verdeutlichen die Bedeutung der Grunge-Legende: Ein Beispiel ist der Hit "Smells Like Teen Spirit". Auf dem Internetportal YouTube gibt es allein von diesem Song Dutzende Versionen, die beliebteste wurde mehr als 144 Millionen Mal angeschaut. 2009 wurde der Song bei einer Abstimmung des Radiosenders Triple J in Australien zum besten Hit aller Zeiten gewählt. Noch Anfang Februar diesen Jahres krönte das britischen Musikmagazine NME das Lied mit der gleichen Auszeichnung.

"Junge Leute hören nach wie vor Nirvana", sagt Cross. "Natürlich verkörpert Nirvana eine gewisse Zeit, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie in dieser Zeit hängen geblieben sind, so wie viele andere Bands von damals."

Statue wurde erst kürzlich aufgestellt

Trotz dieser Beliebtheit hatten Fans lange Zeit keine Anlaufstelle, um ihrem Idol zu huldigen. Die Behörden in Seattle im US-Staat Washington verweigerten der Grunge-Legende eine offizielle Grabstätte. Man fürchtete einen Ansturm von hysterischen Verehrern. Und auch in seiner Heimatstadt Aberdeen nahe Seattle, wo Cobain geboren wurde, gab es kein Denkmal für ihn. Bis vor Kurzem.

Seit dem 20. Februar 2014, dem 47. Geburtstag von Cobain, steht im Aberdeen Museum of History eine lebensgroße Statue des Musikers, angefertigt vom Aberdeener Künstler Randi Hubbard. Zugegeben geschmacklich nicht unumstritten: Dem eisernen Cobain rinnt eine Träne über die Wange, was von vielen Fans als unangebrachter Kitsch empfunden wird.

Wegbereiter seiner Generation

"Wir haben lange versäumt, ihn zu ehren", sagt Bürgermeister William Simpson. Die Statue sei direkt nach Cobains Tod vor 20 Jahren angefertigt und der Stadt schon einmal zum Kauf angeboten worden. "Damals erschien es uns aber nicht richtig", sagt Simpson. "Die Menschen hatten Probleme mit ihm, weil er drogensüchtig war." Das würde nun in den Hintergrund treten, weil er die Musikszene und seine Generation stark beeinflusst habe.

Zwanzig Jahre nach seinem Selbstmord scheint sich durchgesetzt zu haben, dass Kurt Cobain mehr war, als ein abgehalfterter Junkie. Vielleicht tatsächlich der letzte große Rockstar.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team von t-online

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal