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Andrea Berg: Nervt der Vergleich mit Helene Fischer?

Andrea Berg im Interview  

"Ich propagiere keine altmodischen Konzepte"

06.04.2016, 12:15 Uhr | Denis Mohr

Andrea Berg: Nervt der Vergleich mit Helene Fischer?. Schlagersängerin Andrea Berg veröffentlicht am 8. April ihr neues Album "Seelenbeben". (Quelle: dpa)

Schlagersängerin Andrea Berg veröffentlicht am 8. April ihr neues Album "Seelenbeben". (Quelle: dpa)

Andrea Berg ist ohne Zweifel die Grande Dame des modernen deutschen Schlagers. Ihre Chart-Rekorde sprechen für sich. Am 8. April erscheint nun ihr neues Album "Seelenbeben". Mit t-online.de sprach sie über Ihr Verhältnis zu Helene Fischer, emotionale Tiefschläge und das Frauenbild in ihren Liedern.

t-online.de: Frau Berg, der Titel Ihres neuen Albums lautet "Seelenbeben", ein Wort, das unterschiedliche Assoziationen auslöst. Was bedeutet es für Sie?

Andrea Berg: "Seelenbeben" ist eine Wortschöpfung von mir, die während der Arbeit am Album immer wieder aufgetaucht ist. Es beschreibt die Verbindung zwischen "Himmelhoch jauchzend" und "Zu Tode betrübt". Da stecken alle emotionalen Höhen und Tiefen drin, die ein Mensch durchleben kann. Große Freude, emotionaler Schmerz, das alles verbindet dieses Wort mit großer Energie. Immerhin behandelt das Album nicht nur die schönen Momente, sondern eben auch emotionale Erbeben, Katastrophen und Dramen.

Im Song "Ich werde lächeln wenn du gehst" gab es im Refrain ursprünglich die Zeile: "Ist mir doch egal, mit wem du schläfst". Daraus wurde dann im Studio "Ist mir doch egal, wo du heut schläfst". Wieso die Entschärfung? Zu heftig?

Ich empfand es nicht als zu heftig, aber ich hatte es an einer anderer Stelle im Song schon besser auf den Punkt gebracht. Im zweiten Teil gibt es den Vers "Es gibt für uns kein Happy End, weil meine große Liebe mit ner andern pennt." Das fand ich viel plakativer und geiler, weil es umgangssprachlicher, moderner und mutiger ist. Deshalb habe ich es im Refrain lieber ein bisschen offen gelassen. In einem anderen Song heißt es dann ja auch nochmal: "Wahrscheinlich schläfst du grad mit ihr." Ich habe mich diesmal also viel mehr getraut, die Sache beim Namen zu nennen - wollte es aber auch nicht übertreiben.

Der Titel "Ich werde lächeln wenn du gehst" beschwört ein mutmachendes Bild von Trennung. Hatten Sie bei dieser Zeile jemand Speziellen im Sinn?

Das kommt tatsächlich aus der eigenen Erfahrung. Ich kann immer noch auf emotionale Tiefschläge zurückgreifen, die aber Gott sei dank schon eine Weile zurückliegen. Dass diese Gefühle bei mir immer noch präsent sind, zeigt die Tiefe des damaligen Schmerzes. Als ich damals "Du hast mich 1000 mal belogen" gesungen habe, herrschte der Wunsch vor, einen Verlust ungeschehen zu machen und eine zweite Chance zu bekommen. Heute bin ich selbstbewusster und gehe mit solchen Dingen anders um. Mit dem neuen Song sage ich: Ich komme damit klar. Es tut unglaublich weh, aber ich komm' da durch.

Vor Kurzem spielte Ihre Kollegin Helene Fischer an der Seite von Til Schweiger im Hambuger "Tatort". Gesehen?

Ja, das habe ich gesehen. Das war sehr cool.

Würde Sie ein solches Engagement auch reizen? 

Nein, das kann ich nicht. Ich bin keine Schauspielerin. Ich könnte mich höchstens selbst spielen, und das wäre dann wahrscheinlich auch nicht wirklich gut. Da wäre ich zu verklemmt.

Zusammen mit Helene Fischer sind Sie das Nonplus-Ultra des deutschen Schlagers. Nervt es, dass Sie beide immer miteinander verglichen werden?

Nein, nicht wirklich. Es ist eigentlich eher lustig, denn im Grunde sind die Vergleiche Quatsch. Wir beide sind gar nicht miteinander vergleichbar. Es herrscht auch keine Konkurrenz zwischen uns, weil es zwei völlig verschiedene Menschen und unterschiedliche Karrieren sind. Helene ist jetzt gerade 30 geworden, könnte also meine Tochter sein. Wäre sie meine Tochter, wäre ich wahnsinnig stolz, denn sie hat an meiner Arbeit angeknüpft, noch viel mehr Türen aufgemacht und wahnsinnig viel bewegt in der Branche. 

Anfang April steht die große Album-Offensive des deutschen Schlagers an. Neben Ihrem Album erscheinen auch die Platten von Vanessa Mai, Matthias Reim, Beatrice Egli und Nicole. War es eine bewusste Entscheidung, sich so viel direkter Konkurrenz am Plattenmarkt auszusetzen?

Nein, es war keine bewusste Entscheidung. Man kann ja gar nicht steuern, wann die anderen ihre Alben rausbringen.

Durch Leute wie Vanessa Mai, Beatrice Egli und andere hat der deutsche Schlager in den letzten Jahren ein sehr junges und poppiges Gesicht bekommen. Verspürt man in der Branche einen Zwang zur Jugendlichkeit, vor allem als Frau?

Das glaube ich nicht. Immerhin bin ich jetzt 50 und habe eigentlich immer noch ganz guten Erfolg. Ich finde diese Entwicklung sogar sehr erfrischend. Noch vor ein paar Jahren hätte man nicht gedacht, dass junge Menschen bewusst in die Schlager-Richtung gehen. Das ist eigentlich erst durch Helene Fischer und mich so richtig denkbar geworden. Als ich damals meinen ersten Echo verliehen bekommen habe, hat man mich rausgeschnitten und Werbung eingeblendet. Das wäre heute unvorstellbar. Damals waren Leute wie Wolfgang Petry und ich quasi Revolutionäre. Heute muss man sich nicht mehr rechtfertigen, wenn man einfach nur Unterhaltungsmusik macht.

Georg Seeßlen hat 2013 in "Der Freitag" geschrieben: "Man könnte Andrea Berg wohl mit guten Gründen ein radikales antifeministisches Projekt nennen." Er begründete das damit, Ihre Lieder handelten immer von Frauen, die sich nicht vorstellen können, ohne einen Mann zu existieren. Was halten Sie von diesem Vorwurf?

Das halte ich für Blödsinn. Ich denke einfach, dass der Mittelpunkt des Lebens die Liebe ist. Das hat doch nichts mit Anti-Feminismus zu tun. Ich halte mich für eine moderne Frau, gebe aber durchaus zu, dass das Wichtigste in meinem Leben mein Partner ist. Dass mein Partner ein Mann ist, ist halt eben so. Mein Antrieb ist definitiv die Liebe. Das heißt aber nicht, dass ich radikal irgendwelche altmodischen Konzepte propagiere.

Frau Berg, wir danken für dieses Gespräch.

Das Interview führte Denis Mohr

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