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Andrea Kiewel: Warum die "Fernsehgarten"-Moderatorin jetzt über Sex schreibt

INTERVIEW"Bereue kein einziges Wort"  

Warum Andrea Kiewel jetzt über Sex schreibt

03.12.2020, 17:29 Uhr | rix, t-online

Andrea Kiewel: Warum die "Fernsehgarten"-Moderatorin jetzt über Sex schreibt. Andrea Kiewel: Die Moderatorin hat ein neues Buch veröffentlicht. (Quelle: Marcus Höhn / Eden Books)

Andrea Kiewel: Die Moderatorin hat ein neues Buch veröffentlicht. (Quelle: Marcus Höhn / Eden Books)

Fremde Pornofantasien, aufregende Affären und "leckerer Sex ohne Liebe": Ganz offen spricht Andrea Kiewel in ihrem neuen Buch auch über erotische Themen – und das aus einem besonderen Grund, wie sie im Interview mit t-online verraten hat. 

Jeden Sonntagmittag begrüßt Andrea Kiewel im "ZDF-Fernsehgarten" ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen und Tausende Menschen auf dem Lerchenberg in Mainz. Seit 20 Jahren steht sie mittlerweile für die Familiensendung vor der Kamera. Für viele Zuschauer ist die Moderatorin inzwischen wie eine Freundin geworden, die nach dem Sonntagsfrühstück um kurz vor 12 Uhr für einen zweistündigen Plausch und einen Kaffee vorbeikommt, mit Musik, Rezepttipps und familienfreundlichen Themen im Gepäck. 

Im "Fernsehgarten" präsentiert sich Kiwi, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt wird, dabei als Strahlefrau, die das Leben aufregend findet, interessante Männer kompliziert und die moderne Datingwelt anstrengend. Doch jetzt hat die zweifache Mutter ein Buch veröffentlicht, mit einem Titel, der zu ihr passt – "Meist sonnig: Eine Liebeserklärung an das Leben" –, aber einem Inhalt, der viele überraschen dürfte.

Andrea Kiewel: Seit 20 Jahren moderiert sie den "ZDF-Fernsehgarten". (Quelle: Alexander Neis / Eibner / imago images)Andrea Kiewel: Seit 20 Jahren moderiert sie den "ZDF-Fernsehgarten". (Quelle: Alexander Neis / Eibner / imago images)

Denn single ist die 55-Jährige zum Beispiel schon seit "einer ganzen Weile" nicht mehr. In Israel hat sie vor einiger Zeit einen "höchst komplizierten" Mann kennengelernt, den sie ihren "Astronauten" nennt. Zudem spricht sie auf den 256 Seiten außer über ihre Zeit in der DDR oder ihren Job als Moderatorin auch liebend gerne über Sex, Erotik und ihre Vorliebe für teure Spitzenunterwäsche. Themen, die im "Fernsehgarten" wenig Platz finden; Themen, mit denen sich Andrea Kiewel aber selbst beweisen wollte, dass sie gar nicht so prüde ist, wie sie immer von sich dachte, wie sie im Interview mit t-online verraten hat.

t-online: Frau Kiewel, Ihr neues Buch zeigt eine ganz andere Seite von Ihnen.

Andrea Kiewel: Ich bin ganz schön offen, gell? Ob das alles so eine gute Idee ist, ich weiß es nicht.

Gibt es denn ein Kapitel in dem Buch, bei dem Sie sich nun denken: Das hätte ich lieber mal für mich behalten sollen?

Nee. Dieses Buch hat lang gedauert, fast zwei Jahre. Ich hatte so viele Sachen in meinem Kopf. Das Buch jetzt noch einmal zu lesen, ist, als würde man einen Mann, mit dem man mal vor Jahren zusammen war, wieder treffen. Man sieht ihn und denkt sich: Herrje, wie konnte ich jemals in dich verliebt sein?

Zwei Jahre lang hat Andrea Kiewel an ihrem neuen Buch geschrieben. (Quelle: privat / Eden Books)Zwei Jahre lang hat Andrea Kiewel an ihrem neuen Buch geschrieben. (Quelle: privat / Eden Books)

Das klingt ja fast so, als würden Sie Ihr Buch gar nicht leiden können, dabei gibt es jede Menge spannende Kapitel. Sie reden zum Beispiel über Ihre Zeit in der DDR, Ihren Job als Moderatorin, aber auch viel über Sex und Erotik.

Als ich das alles gelesen habe, habe ich mich gefragt: Was habe ich da nur geschrieben? Wäre ich nicht die Frau aus dem Fernsehen, dann hätte ich noch sehr viel mehr über Sex geschrieben. Sex ist endlich raus aus dieser "Darüber spricht man nicht"-Ecke, aber unsere Gesellschaft ist mittlerweile so voller Sex, dadurch wird er so gewöhnlich. Dabei gibt es doch so wenig, das so intim und so privat sein kann wie Sex.

Haben Sie überlegt, nicht darüber zu schreiben?

Ich bereue kein einziges Wort. Darüber hätte ich sogar gerne ein bisschen mehr geschrieben, aber dann wäre das Buch in eine ganz andere Richtung gegangen. Sex ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich bin ein sexueller Mensch. Nur weil man im "Fernsehgarten" nicht darüber spricht, heißt es ja nicht, dass ich nicht darüber schreiben kann. Ich hätte auch richtig beschreiben können, was ich beim Sex toll finde.

Sie reden jedenfalls darüber, was Sie nicht mögen. Einer Ihrer Liebhaber zum Beispiel wollte mit Ihnen Pornofilme nachspielen.

Die eine Szene mit dem Mann, der mir auf den Hintern haute, hat mich mehr als geschockt und zutiefst verunsichert. Anscheinend ist das für viele normal, für mich nicht. Die Offenheit, mit der sich sehr junge Frauen heutzutage präsentieren und ganz unbeschwert leben, zeigt mir, dass ich von gestern bin. Es ist nicht so, dass ich verklemmt bin, aber mit dem Kapitel wollte ich mir selbst beweisen, dass ich gar nicht prüde bin. Aber mein liebstes Kapitel ist natürlich das letzte.

In dem reden Sie völlig überraschend über Ihren Freund und die Fernbeziehung, die Sie beide wegen Corona führen mussten. Wie war das für Sie?

130 Tage haben wir uns nicht sehen können. Die vergangenen Monate waren so eine schwierige Zeit. Ich konnte nicht nach Hause nach Tel Aviv fliegen wegen der 14-tägigen Quarantäne. Weil er keinen deutschen Pass hat, durfte er auch nicht nach Deutschland reisen. Und auf einmal führten wir eine Fernbeziehung.

Die Moderatorin lebt seit mehreren Jahren in Israel. (Quelle: privat / Eden Books)Die Moderatorin lebt seit mehreren Jahren in Israel. (Quelle: privat / Eden Books)

Wie haben Sie das überstanden?

Israelische Männer sind höchst kompliziert – und er ganz besonders. Wir haben jeden Tag gesprochen und uns immer wieder versichert, dass es bald vorbei ist. Ich sage ihm immer wieder, wie gut wir das gemacht haben. Wie wir diese Situation gemeinsam gemeistert haben, das hätte ich vor fünf Jahren noch nicht gekonnt.

Wie war das erste Wiedersehen nach so einer langen Zeit?

Ich saß schon im Taxi und da hat er mich angerufen und gemeint: "Steig aus! Steig aus! Ich steh am Flughafen!" Dann bin ich gerannt – wie ein verliebter Teenie.

Können Sie der Corona-Krise denn auch irgendetwas Positives abgewinnen?

Nein. Ich glaube nicht, dass wir irgendwann als Gesellschaft gemeinsam zurückblicken werden und denken: "Das war wichtig." Ich brauche keinen Lockdown, um festzustellen, wie wichtig Kultur ist und dass ich ohne die Bühne nicht leben kann. Das wusste ich auch schon vorher.

Wie lange wollen Sie den "Fernsehgarten" eigentlich noch moderieren?

Noch 1.000 Jahre. Ich liebe die Kapitel über den "ZDF-Fernsehgarten", weil ich nie die Gelegenheit habe, meinem Team ausgiebig zu sagen, wie sehr ich es liebe. Wir haben so eine tolle Beziehung miteinander, die weit über das Kollegiale hinausgeht.

Wie siehts denn aus mit der Vertragsverhandlung? Das haben Sie alles geklärt?

Ich bin wahnsinnig schlecht darin. Der Vertrag ist im Sommer 2020 verlängert worden, wie immer um zwei Jahre. Die Saison war nicht so erfolgreich wie 2019, aber deutlich erfolgreicher, als wir alle am Anfang vermutet haben. Die Quote hatte sich nach ein paar Folgen stabilisiert. Aber der größte Erfolg war eigentlich, dass wir keinen einzigen Corona-Fall während der ganzen Dreharbeiten hatten. Ich allein habe mich zehn Mal auf Covid-19 testen lassen.

Andrea Kiewel: Ihr Leben ist "meist sonnig", statt wolkig. (Quelle: Privat / Eden Books)Andrea Kiewel: Ihr Leben ist "meist sonnig", statt wolkig. (Quelle: Privat / Eden Books)

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie für Ihren Job belächelt werden?

Ich glaube nach wie vor, dass es in Deutschland Journalistinnen und Journalisten gibt, die denken, dass man keinen Tiefgang hat, nur weil man eine Unterhaltungsshow moderiert. Ich erlebe das auf unterschiedliche Art und Weise. Ich bin zum Beispiel sehr ehrgeizig und oft in Quizshows zu sehen. Wenn ich da dann gewinne, sind die anderen überrascht. Natürlich werde ich oft in eine Schublade gesteckt, aber es ist besser geworden. An guten Tagen kann ich drüberstehen. Ich habe aber einfach kein dickes Fell. Tief in uns drin wollen wir alle gefallen und respektiert werden.

Würden Sie denn manchmal lieber eine Samstagsabendshow moderieren?

Nein. Nur wenn es den "Fernsehgarten" in einer Nachtausgabe geben würde, dann würde ich mir natürlich wünschen, dass ich die Moderatorin bin.

Könnte der "Fernsehgarten" denn an einem Samstagabend funktionieren?

Der "Fernsehgarten" ist nicht der 19-jährige unrasierte sexy Instagram-Lover. Er ist der gut angezogene Armani-Anzugträger, Ende 30, mit einem sehr gut bezahlten festen Job – wenn alles gut läuft, dann hat er auch noch einen Doktortitel. Aber der "Fernsehgarten" wäre in der Primetime am Samstagabend vermutlich kein Quotenerfolg. Ich bin so glücklich über den Sonntagmittag.

"Meist sonnig: Eine Liebeserklärung an das Leben" ist ab dem 4. Dezember verfügbar. 

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Andrea Kiewel

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