Sie sind hier: Home > Unterhaltung > Stars >

Shermine Shahrivar über Trauma: "Es war eine sehr gewalttätige Beziehung"

INTERVIEWModel Shermine Shahrivar  

"Ich war traumatisiert und hatte jahrelang Schlafprobleme"

Von Steven Sowa

02.01.2021, 13:44 Uhr
Shermine Shahrivar über Trauma: "Es war eine sehr gewalttätige Beziehung". Shermine Sharivar: Hier bei der Mercedes Benz Fashion Week 2011 in Berlin (Quelle: Sean Gallup/Getty Images)

Shermine Sharivar: Hier bei der Mercedes Benz Fashion Week 2011 in Berlin (Quelle: Sean Gallup/Getty Images)

Sie wurde als Schönheitskönigin berühmt – und machte mit ihren Beziehungen Schlagzeilen. Nun spricht Shermine Shahrivar erstmals über ein dunkles Kapitel in ihrem Leben und erzählt t-online, wie eine Beziehung sie traumatisiert hat.

Von Beginn an stand Shermine Shahrivar mit strahlendem Lächeln und schillernden Outfits in der Öffentlichkeit. 2004 wurde die in Aachen aufgewachsene Tochter iranischer Einwanderer zur Miss Deutschland gekrönt, ein Jahr später zur Miss Europe gekürt. Inzwischen modelt sie seit fast 20 Jahren – und machte nebenbei mit ihren Beziehungen Schlagzeilen. 

Die deutschen Schauspieler Ralf Bauer und Thomas Kretschmann, der australische Mime Xavier Samuel, Designer Markus Klosseck mit dem sie 2013 die gemeinsame Tochter Daliah bekam sowie die Liebesaffäre mit Fiat-Erbe Lapo Elkann sorgten für Aufsehen. Jetzt hat die 38-Jährige erstmals ausführlich über ein Trauma gesprochen, das sie jahrelang begleitet hat: eine gewalttätige Beziehung. Im Interview mit t-online blickt sie auf dieses dunkle Kapitel zurück.

t-online: Sie schreiben in Ihrem neuen Buch "Happy Life Diät", Sex sei ein Tabuthema. Sie haben in Ihrem Elternhaus kaum über Sex gesprochen und sogar Ihre Pille versteckt. Wie kam es dazu?

Shermine Shahrivar: Ich hatte nie das Gefühl, dass Sexualität bei mir zuhause ein Thema sein sollte. Im Gegenteil: Es wurde verschwiegen.

Woran lag das?

Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen und einer Mutter, die schwer beschäftigt war. Und meine Mutter ist Perserin – in ihrer Heimat, im Iran, ist Sex sowieso ein Tabuthema. Also habe ich meine Pille vor ihr versteckt.

Mit wem konnten Sie als Teenie über Sex und Verhütung sprechen?

Mit meiner Lehrerin. Sie war für mich eine wichtige Ansprechpartnerin damals.

Das ist ungewöhnlich. Warum ausgerechnet die Lehrerin?

Ich hatte totales Glück. Sie war wie eine zweite Mutter für mich. Ich konnte mit ihr über alles reden.

Wie kam es, dass Sie ein so gutes Verhältnis zu ihr hatten?

Sie war schätzungsweise so um die 40 Jahre alt und die Mutter einer sehr guten Freundin von mir aus der Schule. Wir haben also auch außerhalb der Schule viel Kontakt gehabt und sind sogar zusammen verreist.

"Happy Life Diät": Das neue Buch von Shermine Shahrivar ist eine Mischung aus Lebensratgeber und Autobiografie und seit dem 04.01.2021 erhältlich. (Quelle: Gräfe und Unzer)"Happy Life Diät": Das neue Buch von Shermine Shahrivar ist eine Mischung aus Lebensratgeber und Autobiografie und seit dem 04.01.2021 erhältlich. (Quelle: Gräfe und Unzer)

Gab es auf Ihrer Schule auch andere Kinder mit ähnlichen kulturellen Hintergründen, mit denen Sie sich über die Probleme im Elternhaus austauschen konnten?

Nein, leider überhaupt nicht. Das Wort "exotisch" habe ich damals häufig gehört in Aachen. Ich war umgeben von Deutschen und galt dementsprechend immer schon als "Exotin".

Sie hatten mit 17 ihren ersten Freund, der war sechs Jahre älter und gewalttätig. Sie schreiben: "Er wurde in aller Öffentlichkeit handgreiflich und brach mir die Nase. Und selbst in dieser Notsituation hat sich keiner um mich gekümmert oder ist eingeschritten. Dabei war ich doch noch ein junges Mädchen und ganz klar die Schwächere."

Ich kriege Gänsehaut, wenn Sie mir das vorlesen.

Tatsächlich ist es der erschütterndste Moment in Ihrem Buch. Wenn man das liest, fragt man sich: Was muss passiert sein, wenn Sie mit diesem Mann in den eigenen vier Wänden zusammen waren?

Ich war verliebt in ihn, seit ich zwölf Jahre alt war. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und mir ist ganz wichtig: Er war Deutscher. Viele denken bei gewalttätigen Männern immer an Araber oder Türken, aber das ist Unsinn. Es war eine sehr gewalttätige Beziehung mit ihm. Das hat sich über die Zeit immer mehr gesteigert – bis hin zu diesem Vorfall, aus dem ich dann Konsequenzen gezogen habe.

Und die waren?

Ich bin zur Polizei, habe Anzeige gestellt, habe einen Anwalt eingeschaltet und eine einstweilige Verfügung gegen ihn erlassen. Anschließend musste er mir fernbleiben.

Was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe selbst eine Tochter und versuche ihr beizubringen, dass sie in manchen Situationen auf sich selbst gestellt ist. Das wurde mir damals schmerzlich bewusst: Zivilcourage ist immer nur möglich, wenn Menschen aus der Schockstarre geraten. Bei mir standen die Menschen einfach nur geschockt drumherum und haben geglotzt. Das war brutal.

Haben Sie später noch einmal Kontakt zu diesem Mann gehabt?

Jahre später, aber er hat mich in Ruhe gelassen. In dem Moment, wo ich gesagt habe, ich lasse das nicht mehr mit mir machen, hat er es auch verstanden. Das ist meine Botschaft: 'Frauen, lasst euch nichts gefallen, setzt Grenzen und ganz wichtig: fragt nach Hilfe!'

Sie haben anschließend zwei Jahre lang erzählt, Sie seien Jungfrau, um von Männern nicht zum Sex gedrängt zu werden.

Ich war traumatisiert und hatte jahrelang Schlafprobleme. Ich konnte an Sex in den ersten Jahren nach dieser Beziehung gar nicht denken. Also habe ich mir diese Ausrede einfallen lassen, um mich zu schützen.

Sie hatten also Albträume wegen dieses Vorfalls?

Ja, ich hatte damit zu kämpfen. Ich bin in der Zeit, als ich bei der "Miss Europe"- und der "Miss Universe"-Wahl mit anderen Frauen unterwegs war, nachts schreiend aufgewacht und stand im Bett. Keiner von den anderen Mädchen wollte sich mit mir ein Zimmer teilen, weil ich immer so aufgeschreckt bin. Es hat Jahre gedauert, bis ich das verarbeitet habe.

Sie waren noch ein Teenager, als Ihnen das passiert ist. Hätten Sie rückblickend etwas anders machen sollen?

Ich hätte mich in Therapie begeben sollen. Aber ich war viel zu jung, um zu verstehen, was für einen enormen Einfluss das auf mich hatte. Also habe ich mich irgendwann selbst therapiert und verstanden, dass das ein Punkt war in meinem Leben, der mich geprägt hat – und der mich stärker gemacht hat.

Wie genau meinen Sie das?

Ich habe verstanden, was Grenzüberschreitungen sind – und wann diese ihren Anfang nehmen. Einen Schlussstrich setzen, bevor es zu spät ist: Das ist meine Lehre aus dieser Erfahrung. Change your story – deine Vergangenheit muss nicht Gegenwart sein, das schreibe ich ja auch im Buch.

Shermine Sharivar: Hier beim Cannes Film Festival 2007 (Quelle: Gareth Cattermole/Getty Images)Shermine Sharivar: Hier beim Cannes Film Festival 2007 (Quelle: Gareth Cattermole/Getty Images)

Seit Oktober 2017 hat die #MeToo-Bewegung im Zuge des Weinstein-Skandals global Verbreitung gefunden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich finde, man muss sich diese Fälle immer einzeln anschauen. Ich finde nicht, dass alles immer nur Fehler der Männer sind. Auch Frauen setzen ihre Sexualität als Machtwerkzeug ein. Aber ich habe es sehr genossen, dass diese Bewegung etwas in Gang gesetzt hat. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass ein Mann Angst haben muss davor, dass er sich einer Frau gegenüber falsch verhält. Heutzutage folgen Konsequenzen – und das gab es so zuvor noch nicht. Frauen waren früher immer in der Situation, dass sie Angst haben mussten, ob ihnen überhaupt geglaubt wird. Jetzt ist es umgedreht und das ist gut so.

Haben Sie es im beruflichen Umfeld früher auch schon erlebt, dass ein Mann zu weit gegangen ist?

Ich hatte totales Glück. Ich habe nie in einer Model-WG gelebt, bei Terminen habe ich immer jemanden bei mir gehabt und dadurch nie die Situationen erlebt, in denen ich jemandem schutzlos ausgeliefert war.

In einem Interview wurde Sie einmal von einer Journalistin auf ihren angeblichen "Männerverschleiß" angesprochen. Sie waren empört und schreiben in Ihrem Buch: "Die Stutenbissigkeit unter Frauen hat vielfach etwas mit Neid zu tun." Haben Sie das oft erlebt? Dass Frauen härter mit Ihnen ins Gericht gehen als Männer?

Besonders verletzend fand ich, dass dieser Satz von einer Frau geäußert wurde. Offenbar stört es Frauen mehr als Männer, wie ich mein Leben lebe. Warum können Frauen sich nicht gegenseitig unterstützen? Ich lebe mein Leben so, wie ich es für richtig halte. Aber wenn ich mich entschließe, eine Beziehung zu beenden und lieber als Single leben möchte, laufe ich immer Gefahr, von Frauen verurteilt zu werden. Dabei bleibe ich doch ein sexuelles Wesen, wenn ich Single bin. Was ist so schlimm daran? Als Frau darf ich meine Weiblichkeit leben dürfen in jeder Hinsicht. Gerade auch die eigene Sexualität. Ich tue doch niemandem weh und bin ehrlich zu den Menschen, mit denen ich zu tun habe.

Allerdings ist das Single-Dasein in der Corona-Pandemie momentan schwer zu organisieren, oder?

Oh ja, das stimmt. Aber so schlimm ist das gar nicht. Ich konzentriere mich derzeit viel auf mich selbst und kümmere mich um meinen Körper: Yoga, gesunde Ernährung, Fasten. Das gibt mir auch die Kraft und Ruhe, der Rest kommt, wenn es soweit ist.

Kommen wir abschließend zu Ihren Tipps im Buch. Sie schreiben, nackt schlafen sei super. Sprechen Sie da aus Erfahrung?

(lacht) Ja, im Sommer schlafe ich immer nackt! Ich liebe es, nackt bei offenem Fenster zu schlafen. Deswegen ist es im Winter nicht der Fall: Bei Minus zehn Grad wäre mir das doch zu kalt.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

baurtchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal