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Ex-GNTM-Model Anne Wilken über Kinderwunsch: "Ich hatte Albträume"

INTERVIEWUnerfüllter Kinderwunsch  

GNTM-Model Anna Wilken: "Jede Periode zeigt, dass es nicht klappte"

Von Sebastian Berning

08.04.2021, 18:07 Uhr
Ex-GNTM-Model Anne Wilken über Kinderwunsch: "Ich hatte Albträume". Anna Wilken: Dem ehemaligen GNTM-Talent folgen auf Instagram über 370.000 Menschen. (Quelle: Arya Shirazi)

Anna Wilken: Dem ehemaligen GNTM-Talent folgen auf Instagram über 370.000 Menschen. (Quelle: Arya Shirazi)

2014 wollte sie "Germany's next Topmodel" werden, seit drei Jahren will Anna Wilken nun Mutter werden. Doch es klappt biologisch einfach nicht. Im Interview mit t-online spricht sie über den unerfüllten Kinderwunsch, künstliche Befruchtung und Romantik.

Für die junge Frau sind es schwere drei Jahre. Denn so lange schon versucht Anna Wilken, die 2014 im Finale von GNTM stand, Mutter zu werden. Doch auf natürlichem Wege wird das für sie und ihren Freund, den Profifußballer Sargis Adamyan, schwer. Denn Anna leidet an Endometriose und hat die Eizellen einer Frau kurz vor den Wechseljahren.

Ihren Weg hat die Influencerin nun in einem neuen Buch, "Na, wann ist es denn so weit?" (bereits erschienen), festgehalten. Mit t-online spricht sie über Sex nach Terminkalender, künstliche Befruchtung und eine Fehlgeburt.

t-online: Ihr Buch "Na, wann ist es denn so weit?" ist ja schon recht intim. Spricht und schreibt man da "gerne" so offen über das Thema unerfüllter Kinderwunsch oder musste das einfach raus?

Anna Wilken: Ja, das war mir direkt klar, dass ich das schreiben muss. In dem Buch geht es nicht nur um meine eigenen Erfahrungen, sondern auch um Fakten und die Berichte anderer Frauen. Ich rede immer offen über dieses Thema, auch bei Instagram. Ich gebe da unheimlich viel Intimes von mir preis. Aber es ist gut, dass in dem Buch auch andere Stimmen zu Wort kommen und nicht nur ich berichte. 

 (Quelle: Lanz Unlimited) (Quelle: Lanz Unlimited)

Sie versuchen seit drei Jahren ein Kind zu bekommen, haben unheimlich viele Methoden probiert. Ob künstliche Befruchtung oder Sex nach Eisprung-App. Entromantisiert das alles das Kinderkriegen für Sie?

Natürlich stellt man sich den Kinderwunsch romantischer vor. Ich habe mir das früher so vorgestellt, dass mein Partner und ich uns dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen, und dann klappt das. So war das ja leider nicht. Ich muss aber sagen, dass es mir all die wissenschaftlichen Aspekte, mit denen ich in den letzten Jahren zu tun hatte, erleichtern, mit der Diagnose umzugehen. Das ist aber wohl eine individuelle Sache. Ich bin sehr wissbegierig und möchte dieses ganze Thema "unerfüllter Kinderwunsch" und die Methoden, ein Kind zu bekommen, ausreichend verstehen. 

Also in Ihrer Beziehung kommt die Romantik nicht zu kurz?

Romantik und künstliche Befruchtung... nun, das gehört nicht zusammen. (lacht) Bei der künstlichen Befruchtung entsteht das Kind ja nicht über den normalen Verkehr. Während so einer Behandlung hatten wir natürlich auch Sex. Ich hatte außerdem bereits Therapien, wo ich Hormone zu mir genommen habe und wir es um den Eisprung herum versuchten. Das ist nicht immer das Romantischste überhaupt.

Machen Sie sich da selbst Druck?

Nein, wir sagen auch nicht "Hopp, um 16:30 geht's ins Schlafzimmer!" (lacht) Der Kinderwunsch nimmt einem viel. Das ganze Leben dreht sich darum. Trotzdem versuchen wir, dass wir den Kinderwunsch locker nehmen. Es muss auch Phasen geben, wo es sich nicht nur um die Befruchtung geht. Da ist mir die Beziehung als solche einfach zu viel wert.

Kann man das Thema denn auch mal für eine kurze Zeit vergessen und einfach die Zeit innerhalb der Beziehung genießen?

Es ist schon oft ein Thema. Man ist mit einer künstlichen Befruchtung immer beschäftigt. Aber wir haben auch mal eine Pause eingelegt und drei Monate nichts in die Richtung versucht. Es fällt mir schwer, abzuschalten und den Kinderwunsch ganz zu vergessen. Meinem Freund Sargis fällt es da etwas einfacher. Wohl auch, weil es für ihn selbst keine körperliche Erfahrung ist. Er spürt ja meine Periode nicht. Jede Periode zeigt mir, dass es wieder nicht geklappt hat.

Aber als "unfruchtbar" gelten Sie nicht?

Nein, ich war letztes Jahr schwanger, auch wenn es zu einer Fehlgeburt kam. Das war eine ziemlich schwere Phase für mich, für uns. Mit 19 habe ich die Diagnose Endometriose bekommen, mit 21 saß ich dann zum ersten Mal im Kinderwunschzentrum. Eigentlich wollte ich mich da nur informieren, was diese Krankheit für Auswirkungen hat. Dort sagte man mir, dass ich eine Eizellenreserve von einer Frau kurz vor den Wechseljahren hätte.

Hatten Sie damals schon einen Kinderwunsch?

Für mich war das ganz schlimm. Ganz ehrlich: Ich habe nicht erwartet, dass am Ende so eine Diagnose rauskommt. Ich hatte dadurch mein komplettes Selbstwertgefühl verloren. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht den Wunsch, bald schwanger zu werden. Ich konnte mir schon vorstellen, ein Kind zu haben, aber das alles kam dann doch sehr plötzlich auf uns zu.

Haben Sie unter dieser Diagnose sehr gelitten?

Total! Ich hatte Albträume, konnte oft nicht schlafen und bekam Akne. Ich habe damit einfach nicht gerechnet und war völlig überfordert mit der Situation.

Wann wäre für Sie denn der ideale Zeitpunkt für ein Kind gewesen?

Ach, eigentlich wäre ich gerne jung Mutter geworden. Meine Mama hat mich mit 20 bekommen. Ich gehöre zu den Leuten, die sagen, dass es für die Mutterschaft kein ideales Alter gibt. Als ich mit der künstlichen Befruchtung anfing, war ich 22. Ich war mir damals unsicher, ob ich bereit wäre.

Und, sind Sie's?

Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für ein Kind. Ich finde das sogar naiv, wenn ich von Leuten höre, die erst noch das und das machen wollen und dann erst ein Kind auf dem Plan stehen haben. Na, wenn das so einfach wäre! (lacht) Ich habe aber auch Freundinnen, die die Pille absetzen und im nächsten Monat sind die schwanger. Das gibt es ja auch, aber ist nicht die Norm.

Sind Sie da auf Paare in Ihrem Umfeld neidisch, wenn es bei denen so schnell klappt?

Nein, nie! Im Gegenteil, ich habe mich immer sehr für alle gefreut. Ich liebe jedes Kind meiner Freundinnen. Natürlich denkt man sich, dass man selbst auch eines will, aber das ist jetzt einfach nicht so. Es würde mir nichts bringen, wenn ich mich mit meinen Freundinnen zu vergleichen. Die sind ja nicht ich. Jede Frau mit unerfülltem Kinderwunsch hat eine ganz eigene Geschichte.

Sie klingen positiv.

Ich mag einfach nicht negativ denken. (lacht) Ich kann auch die Kinder von Freunden auf den Arm nehmen und mit ihnen spielen. Das macht mir nichts aus. Mich stört es manchmal eher, dass einige denken, dass es mir was ausmachen könnte. Ich will nicht anders behandelt werden, weil ich einen unerfüllten Kinderwunsch habe.

Wie war das denn bei Ihrer Fehlgeburt? Konnten Sie da Schwangere und Kinder um sich herum ertragen?

Kurz danach bin ich mal zu H&M gegangen, um nach ein paar Tagen einfach mal wieder am Leben teilzunehmen. Ich bin direkt wieder raus. Ich habe nur Schwangere gesehen und habe es nicht ertragen. 

Wie geht Ihr Freund mit dem Thema Kinderwunsch und Fehlgeburt um? Leidet er da männertypisch eher im Stillen für sich?

Tatsächlich hat er das am nächsten Tag schon dem einen oder anderen Freund aus seinem Verein erzählt. Da war er vielleicht nicht so offen wie ich. Das Umfeld bekommt ja eh immer mit, wenn es einem schlecht geht, warum sollte man dann aus so Themen ein Geheimnis machen? Es gibt eh keine Gewissheit in der Schwangerschaft. Auch nach der berühmten 12. Woche kann ein Kind noch im Bauch der Mutter versterben. 

Mit Ihren Erfahrungen gehen Sie auch bei Instagram sehr offen um. Wenn man sich die Kommentare durchliest, dann gibt es da aber auch mal extrem böse Nachrichten. Nimmt Sie so etwas bei solch einem emotionalen Thema umso mehr mit?

Ja, das fällt mir schwer. Gerade jetzt während Corona merkt man, dass viele Leute gefrustet sind und die wollen das im Netz an anderen auslassen. Dafür habe ich kein Verständnis. Man hat mir gewünscht, dass ich nie schwanger werde oder gesagt, dass ich dumm wäre, dass ich während der Pandemie ein Kind bekommen möchte. Ich gebe so viel preis, möchte anderen Frauen Mut machen. Aber diese ganz wenigen Hassnachrichten, die tun dann echt weh. 

Können Sie sich denn ein Leben ohne Kind vorstellen?

Die Frage kann ich Ihnen ehrlich gesagt nicht beantworten, weil ich nicht weiß, wie diese Reise ausgehen wird. Mein Freund und ich haben eine Exit-Strategie. Wir wissen, bis wann wir das auf diese Art probieren wollen. Aber das wissen nur wir beide. Das habe ich nicht mal meiner Mutter erzählt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigenes Interview mit Anna Wilken
  • Instagram-Profil von Anna Wilken

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