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Spaniens Ex-König Juan Carlos: Bereits in Dominikanischer Republik?

Spaniens Altkönig ist abgetaucht  

Spekulationen über Aufenthaltsort von Juan Carlos

04.08.2020, 20:14 Uhr | dpa

Spanier reagieren mit Unverständnis: Ex-König Juan Carlos will das Land verlassen

In einem Schreiben teilte Juan Carlos mit, Hintergrund seiner Entscheidung seien der "öffentliche Widerhall auf gewisse Episoden meines früheren Privatlebens".

Spanier reagieren mit Unverständnis: Wegen dieses Stücks will Ex-König Juan Carlos das Land verlassen. (Quelle: Reuters)


In Spanien spricht man von der "Nachricht des Jahres". Trotz Pandemie und Maskenpflicht gibt es dort kein anderes Thema mehr: Ex-König Juan Carlos taucht unter. Nun kommen Vermutungen über seinen Aufenthaltsort auf.

Als das spanische Königshaus am Montagabend völlig unerwartet das Exil von Altkönig Juan Carlos bekanntgab, war der 82-Jährige wohl schon über alle Berge. Berichten mehrerer spanischer Medien zufolge soll er sich in die Dominikanische Republik zurückgezogen haben.

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte Vater von König Felipe VI. hatte seine royale Residenz, den Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid, nach Medienberichten bereits am Sonntag verlassen. Er sei mit einem Wagen nach Galicien und von dort über die Grenze nach Portugal gefahren, hieß es.

Über Portugal in die Karibik

In Porto soll Juan Carlos dann einen Flieger Richtung Karibik bestiegen haben, wie unter anderem auch die den Royals sehr nahe stehende Zeitung "ABC" versicherte. In der Dominikanischen Republik habe das frühere Staatsoberhaupt Zuflucht bei einem engen Freund, dem Zuckermagnaten Pepe Fanjul, gesucht. Allerdings ohne seine Frau, Königin Sofia.

Eine Stellungnahme der Casa Real oder der Regierung gab es dazu vorerst nicht. Das sorgte für Verwirrung. Der staatliche TV-Sender RTVE und Menschen überall im Lande stellen deshalb die Frage: "Wo ist Juan Carlos?" Zurecht, denn die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates teilte nun mit, der frühere Monarch sei "nicht in das Staatsgebiet eingereist". Das Außenministerium der Dominikanischen Republik erklärte, es habe "keine Informationen", dass sich der Ex-König dort aufhalten könnte. Wo er sich sonst befinden könnte, ist nicht bekannt. 

Ist Juan Carlos in der Karibik?. (Quelle: dpa)Ist Juan Carlos in der Karibik?. Foto: Daniel Ochoa De Olza/AP/dpa.

Pablo Iglesias, der Chef des Juniorpartners der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, des Linksbündnisses Unidas Podemos, beklagte eine "Flucht" des Altkönigs und erneuerte seine Forderung nach Abschaffung der Monarchie. "Eine demokratische Regierung darf da nicht wegschauen", schrieb er auf Twitter. Juan Carlos' Anwalt Javier Sánchez-Junco beteuerte, sein Mandant stehe der spanischen Justiz weiter zur Verfügung.

Vom Königshaus zum Verlassen Spaniens "gezwungen"

Die in Sachen Monarchie sehr gut informierte Zeitung "El Mundo" versicherte unterdessen, das Exil von Juan Carlos sei von Felipe und Sánchez vereinbart worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens "gezwungen", um die konstitutionelle Monarchie zu retten, so das Blatt. Ob es etwas bringt? "El Mundo" meint, die "dramatische Geste" von Juan Carlos werde "den Kreuzzug" der Monarchiegegner um Iglesias nicht stoppen. 

Dabei galt Juan Carlos jahrzehntelang als Vorzeige-König. Erst recht, nachdem er 1981 die damals noch sehr junge spanische Demokratie nach einem Putschversuch energisch verteidigt hatte. Doch in den vergangenen zehn Jahren erregte er immer wieder Ärger: eine umstrittene Elefantenjagd, Medienberichte über angebliche Seitensprünge und ein Betrugsskandal über Jahre hinweg.

Schmiergelder in Höhe von 100 Millionen US-Dollar

Dann wurde auch noch der ominöse Deal um den "Wüstenzug" aufgedeckt: Juan Carlos soll 2008 Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar kassiert haben, damit der Bau einer rund 450 Kilometer langen Schnellbahnstrecke zwischen Mekka und Medina durch ein spanisches Konsortium zustande kam. Das Oberste Gericht leitete im Juni offiziell Ermittlungen gegen den Altkönig ein.

Für die vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (vom 22. November 1975 bis zum 14. Juni 2014) genießt Juan Carlos Immunität. Doch obwohl die mutmaßliche Schmiergeldzahlung 2008 erfolgte, könnte der Ex-König in Zusammenhang mit dem Skandal unter anderem der Geldwäsche und des Steuerbetrugs in der Zeit nach 2014 beschuldigt werden. Nach seinem Thronverzicht zugunsten seines Sohnes hat Juan Carlos weiterhin Sonderrechte, kann aber vom Obersten Gericht auf die Anklagebank gesetzt werden.

Der Vater und sein Sohn: Von 1975 bis 2014 war Juan Carlos König von Spanien. Dann übernahm Kronprinz Felipe den spanischen Thron.  (Quelle: Getty Images)Der Vater und sein Sohn: Von 1975 bis 2014 war Juan Carlos König von Spanien. Dann übernahm Kronprinz Felipe den spanischen Thron. (Quelle: Getty Images)

Felipe brach mit seinem Vater

Juan Carlos hatte auch schon im März einen heftigen Schlag erlitten, als sein Sohn nach einem Bericht des "Telegraph" mit ihm brach. Das britische Blatt hatte enthüllt, dass Felipes Name – offenbar ohne sein Wissen – als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht war, in der auch Teile der Saudi-Dollars deponiert sein sollen. Der König verzichtete auf sein Erbe und strich dem Vater auch noch das Jahresgehalt von 194.000 Euro.

In einem vom Königshaus veröffentlichten Brief an seinen Sohn schrieb Juan Carlos nun: Er wolle mit seiner Entscheidung, ins Ausland zu ziehen, die Arbeit von Felipe als Staatschef "erleichtern", "angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse meines Privatlebens derzeit verursachen". "Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit großer Ruhe treffe."

Juan Carlos und Sofia: Sie sind seit 1962 verheiratet. (Quelle: Franco Origlia/Getty Images)Juan Carlos und Sofia: Sie sind seit 1962 verheiratet. (Quelle: Franco Origlia/Getty Images)

Sofia von Spanien ist laut Medien nicht mit ins Ausland gegangen. Die 81-Jährige ist seit einigen Tagen auf Mallorca und wartet in der Sommerresidenz der Royals auf die für Freitag vorgesehene Ankunft von Felipe, seiner Ehefrau Letizia und der beiden Töchter Leonor und Sofia. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur afp

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