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"Lost City Raiders": Eine Welle von Klischees schwappt auf uns zu

Vorab-Kritik zu ProSiebens "Lost City Raiders"  

Eine Welle von Klischees schwappt auf uns zu

29.10.2008, 15:16 Uhr | demo

Bettina Zimmerman in "Lost City Raiders" (Foto: tandem communications)Bettina Zimmerman in "Lost City Raiders" (Foto: tandem communications) Was erwartet man bei der Lektüre der Kritik einer ProSieben-Eventmovie-Produktion mit dem Titel "Lost City Raiders"? Einen Verriss! Eine mit scharfer Zunge vorgetragene Demontage, die blutige Brocken aus dem nett gemeinten Freitagabendunterhaltungsformat herausreißt, sie mit geballter Faust gegen die strahlende Sonne des Kulturniveaus reckt und mit heldenhaftem Pathos verkündet: "Sehet, ich habe das Offensichtliche erkannt: Der Film ist Mist!" Dem gegen jede Erwartung zuwider zu handeln wäre sicher eine Tugend. Doch die deutsch-amerikanisch-südafrikanische Koproduktion, die heute Abend um 20.15 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt wird, verunmöglicht dieses Vorhaben von vorneherein und verhilft einmal mehr dem Laster zum Sieg über die Tugend. Hier kommt der verdiente Verriss.

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Die Welt ist ein Freibad

Auch Rio de Janeiro steht völlig unter Wasser. (Foto: tandem communications)Auch Rio de Janeiro steht völlig unter Wasser. (Foto: tandem communications) Es ist das Jahr 2048 und wir finden mal wieder ein globales Katastrophen-Szenario vor: Die Welt ist ein gigantisches Freibad. Durch schwere Schäden an der Erdkruste strömen riesige Mengen Wasser aus dem Erdinneren und überfluten siebzig Prozent der Landflächen. Von Metropolen wie New York, Rio de Janeiro und Paris ragen nur noch die charakteristischen Wahrzeichen aus der feuchten Dystopie hervor. Immer gerade weit genug, um ihrer repräsentativen Funktion noch gerecht zu werden - immerhin muss dem Zuschauer klar gemacht werden, welche beeindruckenden Schauplätze ihm hier, trotz begrenztem Budget, vor Augen geführt werden. Das Wasser steigt unaufhaltsam. Jeden Tag um ein paar Zentimeter. Diese sich zu biblischen Ausmaßen steigernde Sinnflut nennen die Überlebenden der Katastrophe, die sich in kleinen Gruppen auf hochgelegenen Zufluchtspunkten zusammengerottet haben, in einem Anflug post-apokalyptischer Kreativitätslosigkeit "Die Flut". Und weil diese "Flut" eben so biblisch ist, nimmt sich der Vatikan der Sache an.
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Erschreckende Banalität

Mit diesem Zepter soll schon Moses das Rote Meer geteilt haben. (Foto: tandem communications)Mit diesem Zepter soll schon Moses das Rote Meer geteilt haben. (Foto: tandem communications) Deshalb befinden sich der Wracktaucher John Kubiak (James Brolin) und seine beiden Adoptivsöhne Jack (Ian Somerhalder) und Thomas (Jamie Thomas King) im Auftrag von Kardinal Battaglia, dargestellt von Michael Mendl, auf der Suche nach einem antiken Zepter, mit dem man der Legende nach das Wasser kontrollieren kann und das schon vom alten Moses dazu benutzt wurde, das Rote Meer zu teilen. Natürlich sind auch noch andere an dem magischen Stäbchen interessiert, mit dem man "die Flut" aufhalten und die Welt retten könnte. Einer von ihnen ist der Millionär Nikolas Filiminov (Ben Cross). Der sinistere Herr ist gleich von Anfang an mit allen Schurkenutensilien ausgestattet, die man sich nur wünschen kann: undurchsichtiges Wesen, verdächtig russisch anmutender Name und eine befrackte Armee von Schlägergorillas, die in hirnloser Ergebenheit all seine Befehle ausführen. Was er mit dem Zauberzepter anstellen will ist lediglich durch seine plumpe Banalität erschreckend - er will die Weltherrschaft an sich reißen! Zu diesem Zweck nimmt er die Dienste der Geologin Johanna Becker in Anspruch. Wichtig für die Dramaturgie, die ohne mit der Schulter zu zucken auf ein schmalziges Happy End zutrudelt: Johanna ist Jacks Ex. Und der ist von ihrem neuen Arbeitgeber mehr als unbegeistert. Doch pünktlich zum großen Finale sieht Johanna ihren Irrtum natürlich noch ein und wechselt pflichtschuldig ins Lager der Guten.
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Logische Inkonsistenzen

Gleich macht's klick! Von dieser Truhe hätten John (James Brolin) und Jack (Ian Somerhalden) besser die Finger lassen sollen. (Foto: tandem communications)Gleich macht's klick! Von dieser Truhe hätten John (James Brolin) und Jack (Ian Somerhalden) besser die Finger lassen sollen. (Foto: tandem communications) Eineinhalb Stunden lang wird der Zuschauer durch ein dichtes Gestrüpp aus Genre-Klischees und logischen Inkonsistenzen gezerrt. Dass trotz halb untergegangener Zivilisation zumindest noch die Kommunikation via Handy reibungslos funktioniert und jeder nach Lust und Laune portable Hochleistungsrechner mit sich herumschleppen kann, stört einen schon nach den ersten paar Minuten nicht mehr. Schlimmer ist da schon die nach ein paar Minuten einsetzende Gewissheit, jede einzelne Szene schon einmal irgendwo anders gesehen zu haben. Und zwar besser. Oder zumindest weniger schlecht. Spätestens wenn John und Jack in einem Geheimraum aus grob behauenem Stein (Geheimräume liegen immer am Ende eines geraden Ganges) eine mysteriöse Truhe von einem Podest heben und der Druckschalter aus dem ersten Teil der "Indiana Jones"-Reihe eine gewaltige Explosion auslöst, weiß man, wie das Kind hier gewickelt ist. Der dünn angerührte Plot wird über seine ganze grausame Länge abwechselnd von derartigen Idiotien und hölzernen, aus dem Phrasenbuch zusammengeklaubten Dialogen zusammengehalten. In die verbliebenen Zwischenräume werden lieblose Spezialeffekte geschmiert. Aber nun Schluss mit dem Geschimpfe. "Sehet, ich habe das Offensichtliche erkannt: Der Film ist Mist!"
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